Verschiedene Geldscheine stecken in einem Behältnis. © picture alliance / Wedel/Kirchner-Media | Wedel/Kirchner-Media

Kolumne: "Bitte den Geldbeutel aufmachen!"

Stand: 21.08.2022 07:30 Uhr

Explodierende Gaspreise, höhere Stromkosten, steigende Inflation: Viele Menschen haben jetzt schon nicht genug Geld für Lebensmittel, geschweige denn für die Gasumlage. Auch Hilfseinrichtungen brauchen dringend Spenden.

von Klaus Böllert

Ich weiß nicht, wie wir das bezahlen sollen. Den Satz haben diese Woche viele gedacht, als die Höhe der Gasumlage bekannt wurde, die ja noch auf deutlich höhere Energiepreise obendrauf kommt. Konkret habe ich den Satz von der Leiterin einer Tagesaufenthaltsstätte für Obdachlose gehört, die täglich für arme und obdachlose Menschen Frühstück und Mittagessen anbietet. Und durch die Teuerung wächst der Bedarf. Heute kommen Menschen mit zu kleiner Rente schon Mitte des Monats, die sonst höchstens mal für die letzten drei Tage im Monat Hilfe brauchten. Die Einrichtung hat schon überall LED-Lampen und spart, wo es nur geht. Trotzdem kostet allein der Strom jedes Jahr 12.000 Euro. Das wird sich wohl verdoppeln. So geht es sehr vielen sozialen Einrichtungen im Norden, die den Allerärmsten helfen. Sie sind mehr denn je auf Spenden angewiesen, die ihnen helfen zu helfen.

Gut und ganz gut Verdienende sollten mehr spenden

Deshalb heute mein Appell, mehr zu spenden. Der richtet sich natürlich nicht an Menschen mit niedriger Rente, nicht an arme Studentinnen und Familien, die Mühe haben, das Geld für die nächste Klassenfahrt zu zahlen. Es geht um gut und ganz gut Verdienende und ja, dazu zählen auch Priester, Pastorinnen - und ich auch. Ich werde hier nicht verraten, wie viel ich verdiene und wie viel ich spende, aber obwohl ich mit doppelt hohen Energiekosten rechne, werde ich auch nächstes Jahr mit meiner Familie zum Beispiel in den Urlaub fahren. Mit anderen Worten: Da geht noch etwas. Und so geht es vielen in Deutschland. Mal eine Zahl: Wer 60.000 Euro im Jahr verdient, gibt bei der Steuererklärung im Durchschnitt 450 Euro Spenden an. Nicht beeindruckend viel, finde ich.

Mutter Teresa teilte eine Schüssel Reis mit anderen

Klaus Böllert © Kirche im NDR Foto: Christine Raczka
Kirchenredakteur Klaus Böllert kann für andere verzichten.

Wie viel soll ich geben? Ich will da nicht mit irgendeiner Zahl antworten, sondern mit einer Geschichte von Mutter Teresa. Die beobachtete eine Mutter, die eine Schale Reis, alles, was sie zum Essen hatte, mit einer anderen Familie teilte. So sollt ihr geben, sagte Mutter Teresa. So, dass es weh tut. Ich übersetze das für mich so, dass ich schon auf etwas verzichten muss, das ich mir wirklich wünsche. Wenn jeder gibt, was er oder sie hat und entbehren kann, dann bleibt genug für die Ärmsten und die Einrichtungen, die ihnen helfen.

Kreuz, Herz oder Anker? So heißt die Kolumne der Kirche im NDR. Jeden Donnerstag vergeben die Radiopastoren und Redakteure ein Kreuz für Glauben, ein Herz für die Liebe oder einen Anker für das, was hoffen lässt.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | 21.08.2022 | 07:30 Uhr

Ein Herz, Kreuz und Anker aus Filz an einer Öse © Jürgen Gutowski

Kreuz - Herz - Anker

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