Stand: 02.07.2020 09:45 Uhr

Zuckowski: "Ich bin eher ein Glaubenssuchender"

"Du da im Radio", "Rolfs Schulweg-Hitparade”, "In der Weihnachtsbäckerei": Mit über 20 Millionen verkauften Tonträgern ist Rolf Zuckowski einer der erfolgreichsten deutschen Kinderliedermacher. Der Hamburger ist bekannt für die musikalische Entwicklung von Kindern und hat dafür etliche Preise eingeheimst - von Deutschem Musikpreis über den Lebenshilfe-Medienpreis "Bobby" bis zum Bundesverdienstkreuz. Der 73-Jährige sagt: "Von Kindern können wir uns jede Menge abgucken." Davon handelt auch sein Lieblingsbibelvers aus dem Matthäus-Evangelium: "Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen." Mit der Kirche in NDR spricht er über das "Kind in uns".

Was ist die Bedeutung dieser Geschichte für Sie mit Ihren eigenen Worten?

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Anfang der 80er-Jahre wurde der Hamburger Liedermacher Rolf Zuckowski mit "Du da im Radio" bekannt.

Rolf Zuckowski: Kinder sehen im Wesentlichen mit dem Herz. Sie haben natürlich offene Augen, sind sensibel, hören Töne, die wir nicht hören. Ich glaube, ihr Herz spielt immer noch eine viel größere Rolle als bei uns erwachsenen Menschen. Aber ich denke, als Erwachsene kann man sich im Sinne von Umkehren, wie es im Bibelspruch heißt, immer mal wieder sagen: Ein bisschen Kind in mir, das tut mir so gut.

Wie kann man sich das erhalten?

Zuckowski: Ich glaube, die Nähe zu Kindern kann dabei helfen. Singen spielt eine ganz große Rolle. Im Gesang kann man oft Dinge einfach rauslassen, die man vielleicht als erwachsener, vernünftiger Mensch so nicht machen würde. Es gibt ja auch recht alberne Lieder, die man gerne singt.

Eigentlich geht es in der Geschichte um wirkliche Konkurrenz - wie im Musikgeschäft. Wer ist der Größte?, fragen die Jünger. Haben Sie sich auch deshalb die Geschichte ausgesucht?

Zuckowski: Ich habe mit dieser Dimension des Musikgeschäfts eigentlich nie richtig zu tun gehabt. Wenn man sich mit Kindern und Familie beschäftigt, dann ist man kein Chartstürmer. Man vergleicht sich eigentlich kaum mit anderen Künstlern, die erfolgreicher oder weniger erfolgreich sind.

Die Jünger fragen: Wer ist der Größte im Himmelreich? Wo verorten Sie das Himmelreich? Was ist das für Sie?

Zuckowski: Am liebsten in ganz kleinen Einheiten, schon hier im Leben. Ich glaube, wenn man ab und zu so ein Himmelreichgefühl hat, das mag in der Verliebtheit sein, das kann eine Naturbeobachtung sein, das können auch Momente in der Musik sein, dann wächst ganz langsam ein Vertrauen, dass es auch ein noch größeres Himmelreich gibt, das wir uns hier gar nicht vorstellen können. Aber wenn schon auf Erden solch kleine Dosierungen möglich sind, dann kann dieser Glaube wachsen.

Was zeichnen diese Momente aus?

Zuckowski: Also frei von Zweifeln zu sein. Ich habe gerade ein Lied in Arbeit, das heißt "Ich möchte mal wieder so richtig glücklich sein, auf Wolken schweben, leichter leben und mich auf den Morgen freuen".

Und gab es dann einen besonderen Moment, wo Sie gespürt haben, dass diese Geschichte etwas mit Ihnen selbst zu tun hat?

Zuckowski: Ja, wenn ich mich entscheiden müsste, mache ich weiter Lieder für Kinder und damit auch für Eltern und das Umfeld - oder gehe ich mal andere Wege. Dann war eigentlich klar, dass ich lieber Menschen mit meinen Liedern an die Hand nehmen möchte, mich mit ihnen verbünden möchte, um den Wert des Kindes, nicht nur den Stellenwert, sondern auch den seelischen, den inneren Wert des Kindes immer wieder spürbar zu machen.

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Im Anfang war das Wort mit Rolf Zuckowski

"Du da im Radio" oder "Rolfs Schulweg-Hitparade" - Rolf Zuckowski ist einer der erfolgreichsten deutschen Kinderliedermachern. Er sagt: "Von Kindern können wir uns jede Menge abgucken." Audio (08:00 min)

Ich komme noch mal auf das Thema Konkurrenz zurück. Auf der einen Seite sagen Sie, es sei ein hohes Ideal, so zu leben wie die Kinder. Auf der anderen Seite leben wir in einer Welt, wo es Konkurrenzkampf gibt. Sind das zwei Welten, die nebeneinanderstehen oder die ineinanderwirken?

Zuckowski: Ich glaube, sie wirken ineinander. Ich habe schon oft mit Menschen zu tun gehabt, die sehr einflussreich waren: Industriebosse, Politiker. Und sie alle haben in gewissen kindlichen Berührungen, also musikalischen, plötzlich anders gesprochen, haben anders geschaut und vielleicht auch manches hinterfragt, was in ihrem Alltag immer 'ach so wichtig ist'.

Dann kann man mit einem kindlichen Gemüt Politik machen?

Zuckowski: Ja. Ich habe 2004 den Staatspräsidenten von Guatemala kennen gelernt und eine Stunde lang mit ihm geredet. Er hat zu mir gesagt: "Wissen Sie was, eigentlich wollte ich Sänger und Liedermacher werden. Aber dazu hat es bei mir nicht gereicht. Darum bin ich in die Politik gegangen." Ich fand diesen Satz unglaublich. Da habe ich gemerkt, dass wir gar nicht so unwichtige Leute sind, wir Kinderliedermacher.

Was hat dieser Vers mit Ihren Geschichten und Liedern zu tun?

Zuckowski: Es gibt eine der Bibel sehr nahestehende Stelle, die ich mir bestimmt nicht ausgedacht hätte. Das Lied heißt "Nikolaus und Weihnachtsmann". Diese beiden Figuren diskutieren darüber, wer der Ältere und der Würdevollere ist. Und der Weihnachtsmann ist sehr demütig und sagt: "Nikolaus, keine Frage, Du bist es." Dann tritt ein Engel zu ihnen und sagt: "Wisst Ihr was? Die Kinder suchen sich schon aus, woran sie glauben wollen und wenn ihr ihnen nahe sein möchtet, dann müsst ihr ganz nah an sie rangehen, tief auf eure Knie und die Kinder größer machen, als ihr selbst seid. Und dann werdet Ihr die Wahrheit erfahren." Das hätte ich bestimmt nicht geschrieben, wenn ich diese Bibelstelle nicht gekannt hätte.

Ich habe auch an das Lied gedacht "Und wenn er wirklich wiederkäme". Da gibt es eine Zeile: Wer würde ohne Zweifel ihn und sein Wort vertrauen und reinen Herzens wie ein Kind in seine Augen schauen.

Zuckowski: Da ging es mir auch darum, dass dieser Jesus für uns zunächst ein Fremder wäre. Ihm zu vertrauen, in die Augen zu schauen und sich aus Angst oder Desinteresse nicht wegzudrehen, das hat mich in diesem Lied beschäftigt. Wie würden wir uns fühlen, wenn so ein Mensch sagt: "Ich bin Gottes Sohn. Ich habe Euch ganz wichtige Dinge zu erzählen. Vertraut mir mal." Ob man das könnte?

Welche Rolle spielt Glauben grundsätzlich für Ihre Arbeit?

Zuckowski: Ich kann mir nicht täglich bewusst sein, dass ich glaube. Eher, dass ich Glaubenssucher bin. Ich glaube, das ist meine Haltung. Und wenn ich an den Glauben nicht glauben würde, würde ich ihn mir auch nicht suchen. Ich finde immer wieder Momente, in denen ich merke, dieser Glaube gibt mir Halt. Es gibt viele Bibelstellen, die ich direkt oder indirekt im Kopf oder auch im Herzen habe, wenn ich merke, ich weiß im Moment nicht so recht, wie es weitergehen kann. Und dann merke ich, ohne den Glauben und ohne das, was ich schon gehört und gelesen habe, würde ich hilfloser sein. Ich kann nach wie vor nicht gut an den persönlichen lieben Gott glauben. Ich glaube eher an eine göttliche Kraft.

Das Interview führte Susanne Richter. Redaktion: NDR

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Im Anfang war das Wort. Die Bibel | 04.07.2020 | 07:45 Uhr