Mitglieder der katholischen Laienbewegung «Wir sind Kirche» halten am Montag (22.02.2010) vor dem Münster in Freiburg vor dem Eröffnungsgottesdienst der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz mit Plakaten und Transparenten eine Mahnwache zum Thema «Keine Vertuschung sexualisierter Gewalt in der Kirche». © dpa/lsw Foto: Rolf Haid

"Synodaler Weg" - Diskussion ohne Denkverbote

Sendedatum: 09.10.2021 09:15 Uhr

Der "Synodale Weg" soll Veränderungen in der katholischen Kirche möglich machen. Der Reformprozess soll nach etlichen Skandalen eine Diskussion ohne Denkverbote sein. Er wurde jetzt bis 2023 verlängert.

von Andreas Brauns

Vor Kurzem gab es in Frankfurt eine zweite Versammlung des Synodalen Weg, bei der es um die Zukunft der katholischen Kirche in Deutschland ging. Allerdings warnte das Präsidium vor zu vielen Erwartungen, eine Erneuerung zu schaffen. Denn noch immer entscheidet der Vatikan, wie es weitergeht. Denn, es darf in Deutschland zwar viel geredet werden, wie etwa beim Synodalen Weg, doch entschieden wird allein in der Zentrale der Weltkirche in Rom. Und da haben die Bewahrer das Sagen.

Synodaler Weg will die Kirche ins Heute holen

Es irritiert allerdings, dass ausgerechnet der Papst die Bischofskonferenzen auffordert, in ihren Ländern nach neuen Wegen zu suchen. Der Papst will eine Kirche, in der Menschen einander zuhören und gemeinsam den Weg des Glaubens gehen. In Deutschland versuchen das Frauen und Männer seit Ende 2019 mit dem Synodalen Weg. Doch sie wollen nicht nur miteinander reden, sie wollen ihre Kirche auch bewegen. Sie ins Heute holen - und nach all den Missbrauchsfällen die alten Machtstrukturen aufbrechen.

Synodalversammlung bringt über 1.000 Änderungsanträge ein

In Frankfurt haben sich Ende September mehr als 200 engagierte Frauen und Männer, unter ihnen die Bischöfe, versammelt. Um über Texte zu diskutieren, die Arbeitsgruppen zu strittigen Fragen in der Kirche vorbereitet hatten. Der Redebedarf war groß. Es gab fast 1.500 Änderungsanträge zu den Textvorlagen. Es geht unter anderem darum, die katholische Sexuallehre aus dem Schatten eines großen Theologen herauszuholen. Der hatte einen sehr eingeengten Blick darauf, den die Kirche aber übernommen hat - bis heute: Sexualität zwingend an Fortpflanzung zu koppeln. Doch Sexualität und Liebe sind viel mehr.

Mehrheit fordert Umkehr der katholischen Lehrsätze

Noch haben die Frauen und Männer beim Synodalen Weg keine Texte verabschiedet, doch die Wogen schlagen jetzt schon hoch. Als ob der Vatikan jede Diskussion verbieten würde. Nein, das nicht. Für Papst Franziskus kommt es darauf an, dass Menschen in der katholischen Kirche einander zuhören und gemeinsam den Glaubensweg gehen. Der orientiert sich, so die römische Lesart, an den Lehrsätzen der Kirche.

Was aber, wenn eine Mehrheit beim Synodalen Weg davon überzeugt ist, dass es neue Wege braucht, weil alte zur Sackgasse geworden sind? Was passiert, wenn die Mehrheit eine Umkehr fordert?

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 09.10.2021 | 09:15 Uhr

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