Ein Mann, der ein Kreuz als Anhänger trägt, hat seine Hände gefaltet. © Pixabay

Vatikan lehnt Reformbewegung "Synodaler Weg" ab

Stand: 16.08.2022 14:05 Uhr

Die katholische Kirche in Deutschland ist dabei, sich zu verändern. Doch der Synodale Weg bekommt viel Gegenwind aus Rom. Kirchenobere weigern sich Reformen hierarchischer Strukturen oder der Sexualmoral zu akzeptieren.

von Andreas Brauns

Auch, wenn es nicht den Anschein hat: Sie bewegt sich, die katholische Kirche. Allerdings sehr, sehr langsam. Diese Weltkirche tut sich schwer - mit jedem Schritt in eine Zukunft, die anders aussieht als ihre glorreiche Vergangenheit, in der sie so viel zu sagen hatte. In einer Kirche, in der eigentlich nur Priester Gemeinden vorstehen, gibt es inzwischen Gemeinden, die von Frauen geleitet werden - in Südamerika ebenso wie in Deutschland.

Synodaler Weg will mehr Teilhabe und Reformen

Und nicht nur bei uns haben die Missbrauchs-Skandale deutlich gemacht: Diese Kirche muss sich grundlegender verändern, damit so etwas nie wieder passiert. Der Druck ist groß. Frauen und Männer haben sich im Dezember 2019 mit den Bischöfen auf einen gemeinsamen, einen Synodalen Weg gemacht, um wichtige Fragen zu diskutieren: etwa das Teilen der Macht, die Rolle der Frau, das Leben der Priester und das Leben in Beziehungen. Diese Diskussionen wecken Erwartungen.

Zumal auch Papst Franziskus zu weltweiten Beratungen aufgerufen hat. Bis zum kommenden Jahr geht es dabei um eine synodale, eine gemeinsame Kirche. Um Teilhabe und Mission. So diskutieren katholische Frauen und Männer im Gebiet des Amazonas über den Zölibat, in Australien und Deutschland über die Weihe der Frau zur Diakonin. In vielen Ländern wird darüber debattiert, welche Strukturen dem Auftrag der Kirche im Weg stehen oder auch einfach nur falsch sind.

Vatikan befürchtet Machtverlust

Alles das beweist, in der Weltkirche bewegt sich etwas. Das aber irritiert die Zentrale - den Vatikan, der sich ausgestattet sieht mit einer zentralen Macht, die eher diktiert als zuhört. "Wahre Erneuerung kann nur aus dem Glauben kommen." Das sagen vor allem jene Männer, die einen Verlust ihrer Macht befürchten. Macht, die sie gleichsetzen mit der Einheit der Kirche. Ja, es macht sich offenbar Angst breit, die Kirche könnte gezwungen sein, sich wirklich zu verändern, weil Menschen auch morgen noch in ihr glauben wollen. Und darum ernsthaft nach neuen Wegen suchen - und sich dabei berufen auf ihre Taufe.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 20.08.2022 | 09:15 Uhr

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