Bronzestatue von Martin Luther © fotolia Foto: AVTG

Vor 500 Jahren übersetzt Luther das Neue Testament ins Deutsche

Stand: 14.10.2021 09:45 Uhr

Vor 500 Jahren beginnt Martin Luther auf der Wartburg mit seiner Bibelübersetzung. Er übersetzt das Neue Testament ins Deutsche. Dafür braucht er nur elf Wochen. 1522 erscheint die Erstausgabe zur Leipziger Buchmesse.

von Pastor Oliver Vorwald

"Gefängnis" nennt er sein Versteck. Ihn plagt tiefe Schwermut. Außerdem stellt der Teufel ihm nach, lärmt nachts in seiner Stube - glaubt er. Für Martin Luther sind die Monate auf der Wartburg bei Eisenach eine entbehrungsreiche Zeit. Kaiser und Kirche trachten dem Reformator nach dem Leben; er muss sich als Ritter tarnen, trägt Wams, Schwert, Vollbart. Doch die Wartburg-Episode vor 500 Jahren ist auch eine der kreativsten Phasen von Martin Luther (Mai 1521 bis März 1522). Hier übersetzt er das komplette Neue Testament aus dem Griechischen ins Deutsche. Und zwar so, wie es vor ihm noch niemand getan hat ...

Man muss die Mutter im Hause, die Kinder auf den Gassen, den gemeinen Mann auf dem Markt darum fragen, wie sie reden, und darnach dolmetschen. Sendbrief zum Dolmetschen von 1524

Erstauflage der Luther-Bibel erscheint 1522

Es gibt im 16. Jahrhundert schon einige Bibelübersetzungen. Aber die haben nur wenig Erfolg, klingen sperrig, sind schwer verständlich. Martin Luther orientiert sich an der sächsischen Kanzlei-Sprache, die überall in Deutschland verstanden wird, und am Umgangston seiner Zeitgenossen: Er "schaut dem Volk aufs Maul". Jedes Kind soll die biblischen Geschichten verstehen. Wie gut ihm das gelingt, zeigen beispielsweise geläufige Redewendungen, die auf seine Bibelübersetzung zurückgehen: "Jemanden auf Händen tragen", "Perlen vor die Säue", "Von Pontius zu Pilatus rennen". Martin Luther beginnt mit der Arbeit am Neuen Testament im Advent 1521. Er braucht nur elf Wochen für die Übersetzung. Im September 1522 erscheint die Erstausgabe zur Leipziger Buchmesse. Die Auflage von 3.000 Exemplaren ist in Windeseile vergriffen ...

Der Teufel achtet meinen Geist nicht so sehr wie meine Sprache und Feder in der [Heiligen] Schrift. Ratsherrenschrift von 1524

Luthers Wurf vom Tintenfass ist eine Legende

Mit dem Teufel hat Martin Luther auf der Wartburg immer wieder zu kämpfen. Er vermutet ihn in einem schwarzen Hund, der sich auf sein Bett legt. Aber auch im Knarzen im Gebälk. Doch die Geschichte vom Wurf mit dem Tintenfass gehört in den Bereich der Legenden. Dafür spricht, dass der Reformator dieses Ereignis nämlich in keiner seiner Schriften erwähnt. Vermutlich entstehen diese Anekdote und der entsprechende Fleck in der Lutherstube im Lauf des 17. Jahrhunderts, befördert durch den Luther-Kult. Die Arbeit an der Bibelübersetzung, dem "Dolmetschen" von Gottes Wort, hört für ihn übrigens nie auf. Bis zu seinem Tod im Jahr 1546 arbeitet Martin Luther immer weiter daran, um sie noch verständlicher zu machen.

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Martin Luther © picture-alliance / akg-images

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 16.10.2021 | 09:15 Uhr

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