Sendedatum: 11.01.2020 09:20 Uhr

Das Kirchenlexikon - Eva und der Apfel

von Oliver Vorwald

"Heute ist der Tag des deutschen Apfels. Daher meine Frage: Wie kommt Eva zu dem Apfel? In der Bibel steht doch gar nicht, welche Frucht ihr die Schlange schmackhaft macht?"

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Vom Apfel ist in der Geschichte vom Sündenfall nicht die Rede.

Ein Bild von einer Frau. Natürlich. So malt Lucas Cranach Eva. Mit wiegenden Hüften, wohlgeformten Brüsten, blonden Rauschlocken. Die "Mutter alles Lebendigen (1. Mo 3,20)" wartet - wie Gott sie geschaffen - unter dem Baum der Erkenntnis, reicht Adam den Apfel, aufmerksam beobachtet von der Schlange. Der Maler der Reformation bringt die Sündenfallgeschichte fast wortgetreu auf die Leinwand. Ausnahme: der Apfel. Von dem ist in der Bibel nämlich gar nicht die Rede.

Und die Frau sah, dass von dem Baum gut zu essen wäre [und dass er eine Lust für die Augen wäre und verlockend, weil er klug machte]. Und sie nahm von seiner Frucht und aß und gab ihrem Mann, der bei ihr war, auch davon und er aß.

Die Bibel spricht über eine "verbotene Frucht"

Die "verbotene Frucht" - mehr sagt die Bibel nicht. Sie nennt auch keine Details über Größe, Farbe, Duft. Es sind die europäischen Maler des Mittelalters. Sie setzen den Apfel ins Bild. Und das liegt vermutlich an der lateinischen Bibel - damals die geläufige Ausgabe - und dem Wörtchen "malum". Malum kann nämlich zweierlei bedeuten: "Unheil" oder "Apfel". Diese  sprachliche Verwandtschaft könnte dazu geführt haben, dass der Apfel mit der verbotenen Frucht identifiziert worden ist. Denn in der Sündenfallgeschichte geht es um Unheil. Bei genauerer Bibelkenntnis, hätte den Künstlern allerdings auffallen können, dass sie dem Apfel unrecht tun. Im Weisheitsbuch ist er nämlich ein positives Symbol: "Ein Wort, geredet zu rechter Zeit, ist wie goldene Äpfel auf silbernen Schalen (Spr 25,11)."

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Griffen Adam und Eva zur Feige?

Cranachs Bild vom Sündenfall enthält aber noch ein Detail, das Aufschluss über die Frucht vom Baum der Erkenntnis geben könnte. Er malt Adam und Eva Feigenblätter in die Hände. Damit bedecken sie ihre Blöße. Der Feigenbaum gehört laut Bibel nun tatsächlich zur Botanik des Paradiesgartens. Vielleicht ist die verbotene Frucht ja eine Feige gewesen? Denn Adam und Eva werden doch wohl nach dem gegriffen haben, was sie nach dem unheilvollen Genuss schnell fassen konnten.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 11.01.2020 | 09:20 Uhr