Wie der Kinderschutzbund Hamburg in Corona-Zeiten hilft

Stand: 26.11.2021 13:26 Uhr

Der Kinderschutzbund in Hamburg ist eine wichtige Ansprechstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern in Hamburg. Während der Corona-Pandemie sind sie besonders unter Druck.

Im Interview mit Alexander Heinz von NDR.de erzählt der Geschäftsführer des Hamburger Kinderschutzbundes, Ralf Slüter, was Kinder belastet und an welchen Stellen der Kinderschutzbund hilft.

Wie schlimm hat die Corona-Krise Kinder und Jugendliche in Hamburg getroffen?

Ralf Slüter: Viele Kinder und Jugendliche haben uns im Lockdown berichtet, wie sehr ihnen Freunde fehlen, wie schwer es ist, Hausaufgaben zu machen, wie oft sie Fragen an die Schule haben, die keiner beantwortet. Diese Zeit des Lockdowns ist für die meisten Kinder und Jugendlichen überhaupt nicht einfach gewesen. Viele haben uns gesagt, dass sie die Situation, zu Hause festzusitzen, als unhaltbar empfanden.

Wie haben Sie mit Ihren Hilfsangeboten auf diese schwierige Situation reagiert?

Slüter: Wir haben die Beratungszeiten unseres Elterntelefons ausgebaut. Wir helfen in unseren Einrichtungen vielen Kindern und Jugendlichen, mit Lernrückständen klarzukommen. Wir haben Lerntherapeutinnen und Lerntherapeuten angestellt, um Kinder und Jugendliche zu unterstützen, Lernrückstände aufzuholen. Essen war ein großes Thema. Wenn die Kinder nicht in der Schule sind, können sie dort auch nicht essen. Wir haben mit Essen ausgeholfen in den Familien, wo das Geld knapp war. Wir wollen noch mehr Kindergruppen gestalten für Kinder, die schwierige Dinge in den letzten zwei Jahren während der Pandemie erlebt haben. Wir haben unglaublich viele Ideen und sind darauf angewiesen, dass Menschen uns unterstützen, unsere Ideen umzusetzen.

Was ist die Leitidee bei ihrer Arbeit?

Slüter: Alle Kinder haben ein Recht darauf, gewaltfrei und in Sicherheit aufwachsen zu können. Alle Kinder haben ein Recht darauf, ihren Möglichkeiten entsprechend gefördert zu werden. Und wir sind fest davon überzeugt, dass die Welt besser wird, wenn wir auf eine angemessene Art und Weise Kinder beteiligen an Dingen, die sie selbst betreffen.

Wie können sich Kinder und Eltern an den Kinderschutzbund wenden?

Slüter: Wenn es nicht läuft in der Familie, dann geht man damit nicht auf den Marktplatz und schreit es raus. Häufig erzählt man noch nicht einmal seinen nächsten Freundinnen oder Freunden davon. In der Regel braucht es lange, bis Mütter oder Väter sich eingestehen, dass nicht alles funktioniert. Manchmal braucht es auch andere Menschen, die darauf hinweisen, dass es dem Kind vielleicht nicht gut geht. Man schämt sich. Auch fragt man sich dann, ob man ausreichend gut ist als Vater oder Mutter. Deshalb sind alle Einrichtungen von uns so aufgestellt, dass sie Eltern willkommen heißen und niemanden verurteilen. Unsere Einrichtungen sind auf ganz Hamburg verteilt. Man kann sich direkt an unsere Einrichtungen wenden, wenn Eltern oder auch Kinder und Jugendliche sich solche Fragen stellen oder sich überfordert fühlen oder einen Rat benötigen.

Wie wichtig ist ehrenamtliche Arbeit für Sie?

Slüter: Wir suchen immer Ehrenamtliche, weil wir mehrere Angebote haben, die ausschließlich von Ehrenamtlichen gestaltet werden. Beispiele dafür sind unser ElterntelefonFamilienpaten, die Kontakte zu Familien pflegen und ehrenamtliche Vormünder für Hamburger Kinder und Jugendliche und für minderjährige unbegleitete Geflüchtete. Viele Hamburger und Hamburgerinnen können sich nicht vorstellen, wie es in manchen Familien aussieht, wie manche Wohnungen aussehen. Ich halte es für keine gute Entwicklung, dass 20 Prozent der Hamburger Kinder in Armut aufwachsen. Viele Menschen aus Hamburg wissen das nicht. Ehrenamt bedeutet, dass Menschen, denen es gut geht, bereit sind, Dinge anzugucken, die man nicht jeden Tag sieht und zu helfen. Ich glaube Ehrenamt, gutes Miteinander hilft uns allen, damit die Gesellschaft nicht auseinanderfällt. Man weiß voneinander und kennt Zustände, in denen Kinder und Jugendliche in Hamburg leben. Das hilft, die Situation für benachteiligte Kinder in Hamburg zu verändern. Wir suchen also immer Ehrenamtliche, die Zeit und Engagement mitbringen, unser Hamburg für unsere Kinder ein klein wenig freundlicher und besser zu machen.

Weitere Informationen
Ralf Slüter, Geschäftsführer des Kinderschutzbundes Hamburg steht mit NDR 90,3 Moderatorin Susanne Röhse neben einem Schild der NDR Benefizaktion "Hand in Hand für Norddeutschland" für Kinder in der Corona-Krise © NDR Foto: Alexander Heinz

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 29.11.2021 | 20:00 Uhr