Jugendliche beim Spielmacher Training in Harburg © NDR Foto: Petra Volquardsen

Training fürs Leben: Die "Spielmacher" in Harburg

Stand: 04.12.2020 10:07 Uhr

Jugendliche können es trotz aller Startschwierigkeiten schaffen, ihr Leben zu meistern - wenn sie Chancen bekommen. Das Projekt Spielmacher im Harburger Phönixviertel und auf St. Pauli setzt dafür auf eine Mischung aus Bildung und Fußball.

von Petra Volquardsen

Eine Gruppe Jungs beim Fußballspielen in der Sporthalle der Schule Maretstraße. Was erstmal aussieht wie ein normales Training ist tatsächlich viel mehr. "Die Kinder lieben Fußball und deswegen kommen sie zu uns. Über Fußball können wir sie erreichen" erklärt Süleymann Efe. Der 37-Jährige ist Sozialarbeiter und Fußballtrainer.

Ein gemeinsames Mittagessen zum Start

Vor dem Training in der Halle haben sich alle schon nebenan im Bürgerzentrum "Feuervogel" getroffen. Die Jugendlichen kommen direkt von der Schule und bekommen erstmal etwas zu Essen. Polenta mit Roter Bete gibt es diesmal. "Das gemeinsame Mittagessen ist für uns ein wichtiger pädagogischer Bestandteil", sagt Jens Körner, der das Projekt Spielmacher vor sieben Jahren mit gegründet hat.

Erst Theorie, dann Fußball

Jugendliche beim Theorieunterricht der Spielmacher © NDR Foto: Petra Volquardsen
Im Theorieteil beschäftigen sich die Jugendlichen diesmal mit dem Thema Kommunikation.

Dann folgt eine Runde Theorieunterricht. Diesmal sind André Anhalt und Rafael Dittfurth zu Gast. Die beiden Gewaltpräventionstrainer sprechen mit den Jugendlichen über das Thema Kommunikation. Bei den nächsten Treffen soll es dann noch um Respekt, Achtung und Toleranz gehen.

Wie funktioniert Körpersprache, wie wichtig ist der erste Eindruck, darum geht es diesmal: "Du kommst durch die Tür und der andere guckt dich an. Was sieht er? Schlurfst du rein, guckst du nach unten? Kommst du in Schlabberklamotten oder in Anzug und Krawatte? All das nimmt er als erstes wahr und für diesen Eindruck braucht er maximal drei Sekunden."

Ein Traum, bei den Spielmachern mitzumachen

Später in der Sporthalle spielen die Jugendlichen Fußball, machen aber auch weitere Übungen. Der 15-jährige Yazid leitet eine Mitspielerin durch den Parcours. Sie hat die Augen geschlossen, er lenkt sie allein durch seine Stimme: "Eine kleine Stufe ist da. Genau. Und jetzt ein kleiner Schritt nach vorne."

Yazid ist mit zwölf Jahren zu den Spielmachern gekommen. "Das war ein Traum bei den Jüngeren: Spielmacher, Spielmacher." Als er selbst dabei ist, merkt er, dass er hier nicht nur Fußball spielen, sondern auch viel lernen kann: "Es kommt drauf an, wie man selbst drauf ist. Wenn man gut zu jemand anderem ist, kommt das Gute wieder zurück."

Mach was aus einem Leben und sei stark

Spielmacher-Trainer Süleymann Efe und Jens Körner © NDR Foto: Petra Volquardsen
Süleymann Efe (li.) und Jens Körner leiten das Projekt Spielmacher.

Viele der Jugendlichen, sagt Trainer Süleymann Efe, haben Probleme in der Schule und insgesamt eher schwierige Startbedingungen: "Die Eltern sind oft bildungsfern. Gewalt ist ein Problem, Drogen auch." Jens Körnererklärt: "Die Philosophie von Spielmacher ist, dass jeder das Steuerrad seines Lebens selbst in der Hand hat. Das wollen wir versuchen, zu transportieren: Mach was aus einem Leben und sei stark."

Alles anders durch Corona

Auch als das Training wegen Corona ausfallen musste, hat das Spielmacher-Team Kontakt zu den Jugendlichen gehalten. Gemeinsame Unternehmungen wie Freundschaftsspiele oder Stadionbesuche mussten in diesem Jahr ausfallen. Aber: Alle sind froh, dass sie sich wieder regelmäßig treffen können. Beim Fußballspielen in der Halle sind die Jugendlichen in kleine Gruppen aufgeteilt. Umso wichtiger, dass weitere Trainer zur Unterstützung da sind.

Spielmacher hat mir sehr geholfen

ehemaliger Spielmacher-Teilnehmer: Moubarak Alassani © NDR Foto: Petra Volquardsen
"Spielmacher hat mit sehr geholfen": Moubarak Alassani hat als Jugendlicher mitgemacht und hilft jetzt als Trainer.

Der 24-jährige Moubarak Alassani hat als Jugendlicher selbst bei den Spielmachern mitgemacht und viel gelernt: "Wie man miteinander umgeht, da hat Spielmacher mir sehr geholfen." Auch bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz hat er Unterstützung bekommen. Michael Lorkowski ist ehemaliger Fußballprofi und war früher unter anderem Trainer beim FC St. Pauli: "Nirgendwo anders muss man sich so zusammen reißen und benehmen wie beim Mannschaftssport".

Ohne Spenden geht es nicht

In Harburg machen bis zu 130, in St. Pauli nochmal rund 150 Jugendliche mit. Seit kurzem gibt es auch ein Mädchenteam, sagt Christina Bloch vom Verein "IN VIA", die das Projekt koordiniert. Zwar werden die Spielmacher vom Bezirk Harburg gefördert. Dennoch gilt auch hier: Ohne Spenden geht es nicht. "Für Honorarkräfte und Fachpädagogen, für Materialien, fürs Mittagessen, all das ist sehr kostenintensiv", so Bloch.

Unterstützung aus der NDR Benefizaktion "Hand in Hand für Norddeutschland" ist gerade auch im Corona-Jahr höchst willkommen. Damit die Spielmacher auch künftig viele Jugendliche fit machen können - im Fußball und fürs Leben.   

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Landesfunkhausdirektorin Sabine Rossbach und NDR Intendant Joachim Knuth halten einen symbolischen Scheck in den Händen. © NDR Foto: Marco Peter

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 08.12.2020 | 16:45 Uhr

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