Eine Frau sitzt mit Mund-Nasen-Bedeckung an ihrem Arbeitsplatz. © NDR Foto: Birte Steuer

Sozialberatung in Coronazeiten: Caritas hilft im Chat

Stand: 07.12.2020 07:33 Uhr

Kathleen Weilemann arbeitet seit zwölf Jahren bei der Caritas in Lübeck als Beraterin. Die Online-Beratung mit Chatfunktion ist ein wichtiger Bestandteil ihrer Arbeit geworden.

Wie jeden Morgen kommt sie mit Mundschutz zur Caritas in Lübeck. Kaum hat sich Weilemann an ihrem Schreibtisch eingerichtet und den Computer hochgefahren, klingelt das Telefon. Auch ihr Mail-Account ist wieder voll. "Gerade über das Wochenende sammeln sich die Anfragen", sagt die Vorsitzende des Arbeitskreises Soziales. Doch bevor Weilemann sich um die Mails kümmern kann, versucht sie erst einmal ihrem Klienten am Telefon zu helfen. Und das kann schon mal dauern.

Pandemie erschwert den persönlichen Kontakt

Der ständige persönliche Kontakt zu Menschen und ihren Sorgen ist für die Beraterin immer selbstverständlich gewesen. Seit der Corona-Pandemie ist aber nichts mehr wie es war. Mund- und Nasenschutz, Abstandsregelungen und Trennscheiben als Spuckschutz gehören mittlerweile zum Alltag. "Das sind Maßnahmen, die natürlich nötig und wichtig sind, um überhaupt noch Kontakt mit den Klienten haben zu können", sagt Weilemann. Dafür wurde der Beratungsraum der Caritas extra Corona-konform mit den nötigen Abständen den Hygieneregeln entsprechend umgestaltet.

Bedrückende Zeit im Lockdown

Das sei aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein, erzählt sie und wird konkret: "Das größte Problem ist, dass der persönliche Kontakt zu den Menschen nicht mehr so stattfinden kann, wie noch vor Corona." In der ersten Lockdown-Phase im Frühjahr musste die Caritas in Lübeck sogar drei Wochen schließen. "Für ein Haus, das immer und zu jederzeit für jeden offen steht, war die Zeit sehr bedrückend", blickt Weilemann zurück.

Ein Tisch, geteilt mit einer Trennwand, in einem Beratungsraum von Caritas. © NDR Foto: Birte Steuer
Persönliche Gespräche finden bei der Caritas Lübeck nur noch selten statt.

Der Bedarf an Rat und zugleich aber auch an konkreter Unterstützung und Hilfe in besonderen Situationen war jedoch weiter da. Seit dieser Zeit sind das Telefon und die Onlineberatung mit Chatfunktion die Mittel, um überhaupt weiter mit den Menschen in Kontakt sein zu können. Das erschwert die Arbeit der Caritas derzeit sehr. Nicht zuletzt auch wegen sprachlicher Barrieren mit Menschen, die einen Migrationshintergrund haben und auch schlecht hören.

Sorgen erreichen Caritas Mitarbeiter ungefiltert

Dass Menschen derzeit viele Ängste und Sorgen haben, zeigt sich vor allem an den vielen E-Mails, die die Beraterinnen bekommen. Das soziale Leben der Menschen leidet und kommt ungefiltert bei ihnen an, wie sie erzählen. "Man spüre förmlich, wie sehr die Menschen mit der Isolation zu kämpfen haben und die Nähe zu anderen brauchen", sagt Weilemann. Sie und ihre Kolleginnen sprechen und chatten mit Menschen, die Angst haben, ihr Haus zu verlassen, weil sie unter anderem Risikopatienten sind. Es melden sich Menschen, die ihre Arbeit durch Corona verloren haben und nicht mehr wissen, wie sie ihre Miete zahlen und ihre Familie ernähren sollen. Auch Schwangere suchen die Beratung, weil sie sich sorgen, ohne ihren Mann ihr Kind im Krankenhaus entbinden zu müssen.

Hilfe im Dschungel der Behörden

Die Geschichte einer Frau hat die Vorsitzende des Arbeitskreises Soziales besonders berührt. Die junge, alleinerziehende Mutter war gerade umgezogen und verlor in der Corona-Krise ihre Arbeit. Sie weiß nicht, wie sie die Kaution und Möbel bezahlen soll. Da sie das Geld jetzt dringend braucht und nicht warten kann, bis sie staatliche Hilfe bewilligt und ausgezahlt bekommt, hat Weilemann einen Antrag bei einer kirchlichen Stiftung gestellt. Die haben einen Fond, der Menschen in Notlagen sofort helfen kann. Die Caritas in Lübeck vermittelt in solchen Fällen.

Außerdem ist die Einrichtung für viele Menschen die erste Anlaufstelle, um durch den Dschungel der Behörden zu kommen. Viele Ämter bieten während der Corona-Pandemie Sprechzeiten nur noch mit Terminvergabe an oder verweisen auf Online-Anträge. Das stresst viele Menschen, die zum Beispiel wichtige Anträge, wie Arbeitslosengeld, Hartz IV und andere Dinge beantragen wollen. "Die erste Anlaufstelle ist dann für viele die Caritas", erzählt Weilemann.

Mehr chatten als telefonieren

Durch das Tool der Online-Beratung mit Chatfunktion kann die Beraterin mittlerweile deutlich mehr Klienten helfen als über das Telefon. "Das geht schneller als per Mail und man kann auch über die Chatfunktion Unterlagen schicken", erklärt Weilemann. Dafür müssen sich die Klienten auf der Seite der Caritas anmelden. Das Ganze ist anonym. Mit einem Klick ist der Hilfesuchende dann auch schon so gut wie mit einer der Beraterinnen verbunden.

Mit neuen Laptops den Menschen ein bisschen näher sein

Auch wenn diese Form der Kommunikation einiges erleichtert, ersetzt sie aber trotzdem nicht den persönlichen Austausch. Deshalb wünschen sich Weilemann und ihre Kolleginnen neue Laptops mit einer Kamera, um so ihren Klienten wieder ein bisschen näher sein zu können. "Den anderen während eines Gesprächs zu sehen, macht die Kommunikation einfacher und das Schöne ist, man sieht, wie es dem anderen geht - und kann so noch einmal ganz anders auf denjenigen eingehen“, wir leisten hier Beziehungsarbeit", sagt Weilemann. Und dafür braucht die Caritas in Lübeck Spenden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Moin Schleswig-Holstein – mit Mandy Schmidt und Horst Hoof | 07.12.2020 | 07:10 Uhr

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