Kinderschutzbund: Corona-Pandemie macht Kinder traurig

Stand: 30.11.2021 05:00 Uhr

Zum zweiten Mal während der Pandemie hat der Jugendrat des Kinderschutzbundes die Jugendlichen in Schleswig-Holstein gefragt, wie sie sich fühlen. Das Ergebnis: Corona beeinträchtigt die Stimmung deutlich.

Der Jugendrat des Kinderschutzbundes (SH) wollte wissen, wie die Stimmung bei den jungen Leuten im Land ist. Mehr als 300 Jugendliche im Alter von 14 bis 19 Jahren haben an der Online-Befragung teilgenommen. Sie ist zwar nicht repräsentativ, gibt aber einen guten Einblick in die Gefühlslage vieler Jugendlicher. "Für uns als Jugendrat ist es ja wichtig zu wissen, was geht eigentlich in den Köpfen gerade ab? Gerade in diesen Zeiten", sagt Keivan Azimi vom Jugendrat. Jeder Jugendliche würde ein spannendes und tragisches Einzelschicksal in sich tragen.

Bei vielen sind die Gedanken aber alles andere als positiv: 40 Prozent gaben an oft traurig zu sein, das ist ein Anstieg von 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Emma Döhler vom Jugendrat hatte eine Verschlechterung der Stimmungslage im persönlichen Umfeld bereits ausgemacht. "Das anhand der Zahlen zu sehen, dass sich das mit dem 'Bist du oft traurig?' fast verdoppelt hat, fand ich noch mal erschreckend zu sehen", sagt sie.

Jugendliche beklagen Mangel an schulischer Mitbestimmung

Mehr als die Hälfte der Befragten hat das Gefühl, nicht in schulische Entscheidungen eingebunden zu sein. Fast genauso viele haben zu Hause niemanden, der gut bei den Hausaufgaben helfen kann, stehen in Schulfragen also weitgehend alleine da. Das führt zu Frust und bei fast jedem Dritten zu der Angst, in der Schule nicht mehr mitzukommen (Vorjahr 20 Prozent). "Dass wir überall negative Effekte sehen, ist traurig", findet Jugendratsmitglied Lorenzo Schüller.

Emma Döhler befürchtet, dass sich durch die aktuell steigenden Infektionszahlen die Situation noch weiter verschlechtern könnte. In der Schule seien wieder Themen wie die Maskenpflicht beherrschend. Die sei richtig und gut, um sich zu schützen, gerade weil sich die jüngeren Schüler nicht impfen lassen könnten. "Man weiß noch nicht, wo es wirklich hingeht. Die Zahlen steigen und ich glaube, wir wissen einfach nicht, wie es enden wird. Und ich glaube, das ist das, was auch allen Angst macht. Es gibt ja noch keinen Plan, keine Schritte", sagt Emma Döhler. Auch sie wisse gerade nicht, wie sie sich verhalten solle.

Jungendrat: Vertrauen in die Politik lässt nach

Und Emma Döhlers Gefühlsmix deckt sich mit den Zahlen der Umfrage. Knapp 60 Prozent schauen positiv in die Zukunft, aber auch mehr als 40 Prozent eben nicht. Das Lachen lässt sich die Jugend dennoch nicht nehmen. Fast 70 Prozent gaben an, oft zu lachen. Und die meisten haben einen besten Freund oder eine beste Freundin zum Quatschen - über alle Themen. Außerdem finden viele gut, dass durch die Pandemie die Digitalisierung der Schulen vorangetrieben worden ist. Dennoch haben die meisten den Wunsch, dass die Schulen nicht wieder geschlossen werden. Dieser Wunsch wird mit den anderen Ergebnissen der Umfrage vom Jugendrat über den Kinderschutzbund nun an die Politik herangetragen.

Schon im vergangenen Jahr haben Keivan Azimi, Emma Döhler und Lorenzo Schüller im Sozialausschuss des Landtags gesprochen. Viel hat sich seitdem aber nicht verändert, findet Emma: "Die Jugend wird wieder nicht präsent und wird nicht gehört. Und ich glaube, dadurch geht auch einfach das Vertrauen langsam in die Politik so ein bisschen weg." Damit sich nicht mehr so viele ihrer Alterskameraden hilf- und machtlos fühlen, will sich der Jugendrat weiter für sie einsetzen und zum Beispiel mit Seminaren über Kinder- und Jugendrechte aufklären.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 30.11.2021 | 07:00 Uhr