Frau mit Kind auf dem Schoß sitz am Laptop © picture alliance / dpa-tmn | Christin Klose Foto: Christin Klose

Hand in Hand: Hilfe für alleinerziehende Studentinnen

Stand: 01.12.2020 12:38 Uhr

In der Corona-Pandemie brauchen viele Menschen besondere Unterstützung. Die NDR Benefizaktion "Hand in Hand für Norddeutschland" hilft. Wir stellen ein Projekt der Caritas speziell für alleinerziehende Studentinnen vor.

von Annkathrin Bornholdt

Als Svenja Loßau schwanger wurde, steckte sie mitten im Masterstudium. Der Traum vom Abschluss schien für die begeisterte Soziologie-Studentin erst einmal geplatzt: "Ich dachte, mit Kind kann es jetzt erstmal nur darum gehen, Geld zu verdienen. Dann haben sich aber mit der Zeit meine Perspektiven verändert, sodass ich darauf wieder Lust bekommen habe und es mir auch zugetraut habe, das Studium zu beenden."

Vom Vater ihres Sohnes getrennt, sah sie für ihr Studium keine weitere Perspektive. Bis sie über das Familienbüro der Universität Hamburg Kontakt zu Madame Courage bekam - das Stipendium ist ein Gemeinschaftsprojekt des Sozialdiensts Katholischer Frauen (SKF) und des Zonta-Clubs Hamburg Hafen und richtet sich an Alleinerziehende im letzten Studienjahr, die keinen Anspruch auf staatliche Hilfen mehr haben: "Das ist ausschlaggebend dafür gewesen, dass ich mein Studium wieder aufnehmen konnte."

Britta Maihofer © NDR.de Foto: Annkathrin Bornholdt
Britta Maihofer arbeitet in Hamburg-Altona beim Sozialdienst Katholischer Frauen in der Beratungsstelle für Frauen, Familien und Schwangere.
Hilfe in Lockdown-Zeiten

Unterstützt wurde Svenja Loßau dabei unter anderem von Britta Maihofer, die beim SKF schwangere und alleinerziehende Frauen berät und mit ihnen alle Finanzierungsmöglichkeiten abklopft: "Gerade in der Abschlussphase gibt es nicht genug Zeit, um neben dem Studium noch einen Job zu machen, ein Kind zu versorgen und sich auf ein Examen vorzubereiten."

Svenja Loßau musste ihre Finanzen offenlegen und ein Empfehlungsschreiben der Universität vorweisen. Ihre Bewerbung auf ein einjähriges Stipendium bei Madame Courage war schließlich erfolgreich. Doch dann kam die nächste Hürde: die Coronakrise. Im ersten Lockdown mit geschlossenen Kitas musste sie ihren dreijährigen Sohn wochenlang alleine zuhause betreuen, Uni und Bibliothek waren geschlossen. Das warf sie in ihrer Zeitplanung zurück.

Herzensangelegenheit für Projektpartner

"Wir haben den Stipendiatinnen die Möglichkeit gegeben, einen Verlängerungsantrag zu stellen, merken aber im Projekt, dass wir da an unsere Grenzen kommen", sagt Britta Maihofer vom SKF. "Es muss einfach zusätzliches Geld rein." Die gute Nachricht: Svenja Loßau wurde eine Verlängerung der eigentlich zwölfmonatigen Förderung in Aussicht gestellt. Im April möchte sie ihre Masterarbeit abgeben.

Petra Helf © NDR.de Foto: Annkathrin Bornholdt
Petra Helf ist Mitglied im Zonta-Club Hamburg Hafen und Mitbegründerin von Madame Courage in Hamburg.

Madame Courage Hamburg gibt es seit 2012 und ist auch für den Projektpartner, die Frauen vom Zonta-Club Hamburg Hafen, eine Herzensangelegenheit. Club-Mitglied und Mitbegründerin von Madame Courage Hamburg Petra Helf: "Wir haben erlebt, dass das ein Befreiungssschlag ist und dass das Energien und Kräfte freisetzt. Der Stolz der Stipendiatinnen, wenn sie dann endlich ihr Examen in der Hand halten - das ist unübersehbar, wie wichtig das im Rahmen ihres gesamten Studiums letztendlich war."

Unterstützung und viel Zuspruch

Finanziert werden die Stipendien allein durch Spenden. 15 Frauen konnten so schon gefördert werden. Hilfe zur Selbsthilfe sei das Ziel von Madame Courage, sagt Petra Helf. "Wir geben den Kandidatinnen die Möglichkeit, über den Berg zu kommen, begleiten dann nach Möglichkeit noch die ersten Wege im Berufsleben und stellen die Weichen, dass sie wieder auf eigenen Beinen stehen." Und so auch weniger Gefahr laufen, später im Leben in finanzielle Not zu geraten.

Mit der Unterstützung bei Bewerbungen, Coachings und viel Zuspruch leisten die Zonta-Frauen auch ideelle Untersützung. Svenja Loßau bekommt zum Beispiel Hilfe beim Korrekturlesen ihrer Masterarbeit: "Ich habe teilweise schon etwas losgeschickt und bekam auch sehr positive Rückmeldungen. Das ist natürlich nochmal so ein Anstoß weiterzumachen, es motiviert auch - gerade von diesen Frauen, die selbst schon so viel erreicht haben."

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 01.12.2020 | 07:20 Uhr