Frau vor einem Hand in Hand Plakat © NDR Foto: Tom Schmitz

Telefonseelsorge in Zeiten von Corona: Wir können Krise!

Wenn bei Uta Krause und ihrem Team jemand anruft, dann hat er oder sie Redebedarf. Dann heißt es Zuhören und Dasein. Im Corona-Jahr mussten die ehrenamtlichen Fachleute besonders oft da sein.

Bei der Telefonseelsorge in Mecklenburg-Vorpommern sind in diesem Jahr mehr Anrufe eingegangen als 2019: Schon über 36.300 Anrufe waren es bislang, rund 250 mehr als im vergangenen Jahr. Dabei kommt nur jeder zwölfte Anrufer durch. Damit die Menschen dennoch mit ihrer Not nicht allein bleiben, werden die Anrufe, die nicht angenommen werden können, an Beratungsstellen in Brandenburg oder Berlin umgeleitet. Dieses Jahr hat auch gezeigt: Jüngere Menschen chatten lieber. Wurden 574 Chats im Jahr 2019 registriert, waren es zwischen Januar und November schon 938.

Viele Sorgen, eine Anlaufstelle

Rund um die Uhr, kostenfrei und anonym, nehmen die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer der Telefonseelsorge Anrufe an. Die Telefonseelsorge ist unter zwei Nummern zu erreichen: (0800) 111 01 11 oder (0800) 111 02 22.

Die Fachleute am anderen Ende haben offene Ohren für alle: Für den Mann, der einen Entzug machen möchte, das Krankenhaus ihn aber nicht aufnehmen kann. Für die Frau, die ihre Enkel nicht sehen kann. Für den Anrufer, der positiv getestet wurde und Angst hat, in der Klinik an die Beatmungsmaschine zu kommen. Für den Selbstständigen, der sein Lebenswerk bedroht sieht oder für die berufstätige Mutter, die gleichzeitig ihre Kinder unterrichten muss. Das berichtet die Sozialpädagogin Uta Krause, die seit 14 Jahren bei der Telefonseelsorge arbeitet.

Offenheit und Fingerspitzengefühl

Wer dort anruft, kann auf Offenheit, Fingerspitzengefühl und vor allem Zeit vertrauen. Dabei sind die Themen der Gespräche ganz unterschiedlich. Mal geht es um die Einsamkeit, mal um den Unmut und das Unverständnis über die Maßnahmen. Erst recht, weil niemand weiß, wie lange sich diese noch hinziehen.

Freiwillige melden sich als Mitarbeiter

Eine bedrückte Frau telefoniert. © picture-alliance/ZB Foto: Marion Gröning
Mit der Hilfe von mehr freiwilligen Helfern und Schichten bewältigte die Telefonseelsorge den Andrang.

Uta Krause ist auch stolz und bewegt über die Arbeit ihres Teams. "Wir können Krise. Dieses Jahr hat gezeigt, was die Telefonseelsorge kann." So haben sich viele Menschen von sich aus gemeldet, um ehrenamtlich bei der Telefonseelsorge in Schwerin, Rostock, Greifswald und Neubrandenburg einzusteigen. Zum anderen haben die Frauen und Männer rund zehn Dienste monatlich übernommen, normal seien es drei. Auch Arbeit nachts oder an Feiertagen gehört dazu.

Unterstützung für die Helfer

Im Rahmen der NDR Benefizaktion "Hand in Hand für Norddeutschland" stellt die Institution ihre Arbeit vor. Von den Spenden möchte man sich gern mehr technische Ausstattung für Videokonferenzen anschaffen. Viele der ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gehören zur Risikogruppe. Aus diesem Grund plant die Telefonseelsorge künftig, die neunmonatige Ausbildung auf kontaktloses Arbeiten umzustellen. Das Geld sei aber auch gedacht, um Supervision für das Team mehr und mehr per Video anzubieten. Denn wer dieses Ehrenamt betreibt, wird auch betreut. Um zum Beispiel zu lernen, wie man mit Gesprächsinhalten umgeht und sich abgrenzt.

"Wertvolle Arbeit am Telefon"

Für Uta Krause ist es wichtig, die Telefonseelsorge mit Spenden zu unterstützen. "Weil ich finde, dass wir wertvolle Arbeit am Telefon leisten, die in unserer Gesellschaft unverzichtbar ist", betont sie. "Wir sind rund um die Uhr da, vor allem dann, wenn Therapeuten oder andere Beratungsangebote nicht verfügbar sind."

NDR Benefizaktion