Stand: 27.06.2020 14:30 Uhr  - NDR 1 Welle Nord

Holstein Kiel: Schwenke vermisst Fans und Bratwurst-Duft

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Die Kieler Chefetage (v.l.) bei einem Geisterspiel: Axel Hüsgen, Steffen Schneekloth, Wolfgang Schwenke, Stefan Tholund und Hermann Langness.

Seit 2009 ist Wolfgang Schwenke Geschäftsführer des Fußball-Zweitligisten Holstein Kiel, außerdem war er lange als Handball-Profi für den THW Kiel aktiv. Er hat schon viel erlebt: fünf Deutsche Meisterschaften als THW-Spieler, in seiner Funktion als Holstein-Kiel-Geschäftsführer die Rückkehr in die Dritte Liga 2013 und dann den Aufstieg in die nächsthöhere Klasse 2017. Eine solche Saison wie die aktuelle ist aber auch für ihn völlig neu. "Ich glaube, wir sind alle froh nach diesen bewegten Zeiten, wenn die Saison vorbei ist", sagt er im Interview mit NDR Schleswig-Holstein.

Schwenke: Fans fehlen im Stadion

"Gesänge, Fahnenmeer und auch der Bratwurstgeruch, das alles ist gerade weg", sagt er. Der zweifache Familienvater vermisst die Fans im Holstein-Stadion. Bei ausverkauften Spielen sind es dank der neuen Osttribüne immerhin 15.000.

Aktuell plant der Verein mit einem Szenario, bei dem noch bis Dezember keine Zuschauer zu den Partien kommen dürfen. Ein Minus von 200.000 Euro mache Holstein Kiel pro Geisterspiel zu Hause, berichtet der Geschäftsführer. Die Partie gegen den 1. FC Nürnberg am Sonntag ist Heimspiel Nummer fünf nach dem "Re-Start" der Bundesliga. Außerdem habe etwa die Hälfte der etwa 7.000 Dauerkartenbesitzer ihr Geld zurückverlangt, erklärt Schwenke und betont: "Das sage ich völlig ohne Wertung. Da bin ich keinem böse. Ich kenne deren persönliche Verhältnisse nicht."

Je höher die Liga-Platzierung, desto mehr TV-Gelder

Positiv dagegen für Holstein Kiel: 90 Prozent der Sponsoren und Partner haben ihre Zahlungen laut Schwenke normal fortgeführt. Zusätzlich haben Spieler, Berater und der Vorstand auf Gehälter verzichtet. Auch deshalb sind die Kieler bisher ohne größere finanzielle Schäden durch die Corona-Pause und die anschließenden Wochen manövriert.

Dass sich - wenn es so weit ist - die Preise für Dauerkarten oder Einzeltickets erhöhen werden, davon geht Schwenke im Moment nicht aus. Vorstellbar sei eventuell ein Topspielzuschlag. Zunächst hofft er, dass seine Mannschaft sich mit einem Heimsieg gegen den 1. FC Nürnberg aus der laufenden Spielzeit verabschiedet. Dann wäre noch ein einstelliger Tabellenplatz möglich. Nicht nur der Ehre wegen, sondern auch aus finanzieller Sicht wichtig für den Verein: Je besser Holstein Kiel am Ende der Saison platziert ist, desto mehr Fernsehgelder bekommen die "Störche" in den kommenden Jahren.

Die Situation beim Handball ist eine andere

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Schwenke war mit dem THW Kiel fünf Mal deutscher Handball-Meister.

Von hohen Fernsehgeldern wie im Fußball profitiert die Sportart, in der der 52-Jährige jahrelang als Profi und später als Trainer aktiv war, nicht. Geisterspiele wären für Schwenke im Handball keine Option gewesen. "Wirtschaftlich muss man sagen, würde der Handball mit Geisterspielen nicht überleben. Das Fernsehgeld ist eben lange nicht so hoch, die leben von den Zuschauern in der Halle", erklärt der ehemalige Handball-Profi. In der vergangenen Woche hatte sich die Liga auf einen Saisonstart in der Handball-Bundesliga am 1. Oktober verständigt - im besten Fall mit Zuschauern.

Mit dem THW wurde Schwenke als Spieler fünf Mal Deutscher Meister. Ein so besonderes Meisterschaftsfoto wie das des aktuellen Kaders hat er aber wohl nicht an der Wand hängen: Mit Mundschutz, Handschuhen und ausreichend Abstand hatte das Team um Trainer Filip Jicha Anfang Juni die Meisterschale in der heimischen Arena entgegengenommen. "Ich fand das irgendwie cool, das bildlich so festzuhalten", sagt Schwenke. Trotz vorzeitigem Saisonende ist der THW für ihn verdienter Meister der Handball-Bundesliga geworden. "Sie waren einfach das stabilste Team über die gesamte Zeit hinweg."

Schwenke freut sich auf Spielpause

Während die Handballer schon seit Monaten keine Spiele mehr haben, kann sich nun am Sonntag um etwa 17.30 Uhr nach einer außergewöhnlichen Saison mit Corona-Unterbrechung auch Holstein Kiel in die "richtige" Pause verabschieden. Die verbringt Wolfgang Schwenke mit seiner Frau an der Ostseeküste: "Fahrradfahren, Spazierengehen, am Strand liegen und ein Buch lesen. Mal nicht an Fußball denken. Und danach freue ich mich wieder auf die nächste Saison", sagt er.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Schleswig-Holstein Aktiv | 27.06.2020 | 16:30 Uhr

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