Trainer Florian Kohfeldt vom Fußball-Bundesligisten VfL Wolfsburg © IMAGO / Christian Schroedter Foto: Christian Schroedter

Wolfsburg und die "K"-Frage: Kriegt Kohfeldt die Kurve?

Stand: 16.01.2022 12:59 Uhr

Der VfL Wolfsburg taumelt weiter in Richtung Abstiegsplätze. Mit dem 0:0 gegen biedere Herthaner aus Berlin endete zwar die Pleitenserie der "Wölfe". Doch in den kommenden Wochen warten Gegner anderen Kalibers auf die Niedersachsen.

von Hanno Bode

Die Szenerie im Wolfsburger Fußball-Tempel hatte nach dem Abpfiff des Duells mit Hertha BSC schon skurrile Züge. Da standen die VfLer nun enttäuscht auf dem Rasen und haderten mit den vergebenen Großchancen im ersten Abschnitt sowie der Nullnummer. Und aus den Lautsprechern erklang zugleich ein Lied, dessen Text so gar nicht zur aktuellen Situation beim Meister von 2009 passt. Abgespielt wurde die Vereinshymne "Immer nur du", in der es in der ersten Strophe unter anderem heißt: "Bei dir vergisst man seine Sorgen, verliert man Raum und Zeit. Hier gibts Wunder am Fließband, Freudentränen im Akkord. Und man hat im Stadion das Gefühl, man will nie wieder fort."

Pleiten in Serie statt "Wunder am Fließband"

Die musikalische Liebeserklärung erinnert an bessere Tage des Werksclubs, die ja noch gar nicht so lange her sind. Ungeschlagener Tabellenführer war der VfL nach fünf Spieltagen und trug das Logo seines Eigners, eines recht großen Autoherstellers, stolz in der Champions League auf der Brust. Das waren zwar keine "Wunder am Fließband". Und "Freudentränen im Akkord" flossen zu dieser Zeit vermutlich auch nur wenige an der Aller. Aber sie waren zufrieden in Wolfsburg. Bis, ja bis, die Talfahrt begann.

Gerade einmal zwei Siege haben die "Wölfe" seit dem vierten Bundesliga-Spieltag gefeiert. Der Trainerwechsel von Mark van Bommel zu Florian Kohfeldt Ende Oktober brachte nicht die erhoffte Trendwende. Auch unter dem 39-Jährigen geht's seit Wochen nur in eine Richtung: steil bergab.

Schmadtke und Schäfer stehen zu Coach Kohfeldt

Das torlose Remis gegen offensivmüde Berliner stoppte zwar die Serie von acht Pflichtspiel-Niederlagen in Folge. Aber das sei natürlich "kein Befreiungsschlag" gewesen, sagte Kohfeldt. Der Coach genießt trotz lediglich acht Punkten aus zehn Partien unter seiner Regie weiter das Vertrauen der Vereinsverantwortlichen. "Ich sehe, wie er mit der Mannschaft umgeht, welche Inhalte er installiert. Die Überzeugung überwiegt nach wie vor das aktuelle Bild", hatte VfL-Geschäftsführer Jörg Schmadtke vor dem Hertha-Duell gesagt. Sportdirektor Marcel Schäfter bekräftige nach der Begegnung diese Haltung des Clubs. Man werde "gemeinsam" im Training einige Punkte "bearbeiten", erklärte der 37-Jährige.

Doch mit Treueschwüren ist es im Profifußball ja bekanntlich so eine Sache. Sie erweisen sich nicht selten als Lippenbekenntnisse, wenn sich der sportliche Erfolg nicht einstellt.

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Wolfsburgs Jerome Roussillon (r.) kämpft gegen Berlins Ishak Belfodil um den Ball. © IMAGO / Joachim Sielski

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Auf die "Wölfe" warten schwere Aufgaben

Und ob sich der VfL rasch aus dem Tabellenkeller verabschieden kann, ist mit Blick auf die nun bevorstehenden Aufgaben zumindest fraglich. RB Leipzig, Greuther Fürth, Eintracht Frankfurt und TSG Hoffenheim heißen die kommenden Gegner des Meisters von 2009, der seinen bis dato letzten Sieg am 6. November gegen den FC Augsburg (1:0) gefeiert hat. Das 0:0 gegen Berlin war zwar "ein ganz kleiner Schritt in die richtige Richtung", wie Sportdirektor Schäfer meinte und darauf hinwies, dass "heute ein paar Dinge dabei waren, die richtig ordentlich waren". Doch als richtiger Mutmacher diente die Vorstellung eben auch nicht.

Kohfeldt: "Müssen Zügel extrem scharf in der Hand halten"

"Es gibt keinen Grund, zu glauben: Es wird wieder. Wir müssen die Zügel extrem scharf in der Hand behalten", sagte Kohfeldt. Es könnte von Vorteil für den VfL sein, dass der 39-Jährige aus seinen Zeiten bei Werder Bremen im Abstiegskampf erprobt ist. Allerdings trainierte er an der Weser eine Mannschaft, die nicht über die fußballerische Qualität seines jetzigen Teams verfügte und damit weniger überraschend als nun die "Wölfe" um den Klassenerhalt kämpfen musste.

Und Kohfeldt coachte seinerzeit einen Club, der nicht so groß dachte, wie es der VfL Wolfsburg tut. Wie heißt es noch so schön in der dritten Strophe der Vereinshymne: "Wir holen den Pokal, du machst es für uns wahr. Und wie's auch immer laufen wird, Europa wir sind da."

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Eine Fußballtabelle vor eine Fußballmotiv © Colourbox

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Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 16.01.2022 | 22:50 Uhr

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