Yannick Jaeschke (r.) bejubelt einen Treffer im Spiel bei Atlas Delmenhorst. © picture alliance Foto: Martin Ewert

TSV Havelse: Schweinfurt bezwingen, Drittliga-Traum erfüllen

Stand: 12.06.2021 10:04 Uhr

Regionalligist TSV Havelse geht als Außenseiter in die Entscheidungsspiele gegen den 1. FC Schweinfurt 05 um den Drittliga-Aufstieg. Die Niedersachsen sind dem Gegner schon vor gut 30 Jahren begegnet, in ihrer einzigen Zweitliga-Saison. NDR.de zeigt das Hinspiel heute live!

von Christian Görtzen

Es war für den TSV Havelse und seine Fans ohne Frage einer der schönsten Tage in einer besonderen Saison. Die "Schnüdel" waren zu Gast im Wilhelm-Langrehr-Stadion, das zu jener Zeit noch TSV-Kampfbahn hieß. Gegen den damaligen Mitaufsteiger 1. FC Schweinfurt 05, deren Spieler unter dem eigentümlichen Spitznamen firmieren, bestritt das Team aus dem Stadtteil von Garbsen am 8. August 1990 sein erstes Zweitliga-Heimspiel der Vereinshistorie. Es wurde ein rauschender Abend vor 2.400 Zuschauern.

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Die Mannschaft des TSV Havelse schwört sich ein. © Imago/Joachim Sielski Foto: Joachim Sielski

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4:1 im ersten Zweitliga-Heimspiel gegen Schweinfurt

Die Niedersachsen ließen Ball und Gegner laufen und siegten am Ende mit 4:1. Der spätere deutsche Nationalspieler Jens Todt, Joachim Gehrmann, der italienische "Capocannoniere" (Torjäger) Berardino Capocchiano und Spielmacher Lars-Peter Beike erzielten die Tore für das Team von Trainer Volker Finke. In der Startelf stand auch der Verteidiger Karl Eggestein, der Vater von Johannes und Maximilian, den beiden Profis von Bundesliga-Absteiger Werder Bremen.

Zwar stiegen am Ende der Saison beide Teams wieder in ihre Amateur-Oberliga ab, doch es soll hier nicht unerwähnt bleiben, dass Havelse im Rückspiel in Schweinfurt ein 1:1 erreichte. Es könnte ja für die Norddeutschen als gutes Omen taugen, schließlich gibt es in den beiden Entscheidungsspielen um den Aufstieg in die Dritte Liga ein Wiedersehen mit dem Vertreter der Regionalliga Bayern.

Gelingt nach 28 Jahren die Drittliga-Rückkehr?

Dieses Mal ist die Reihenfolge anders. Zunächst geht es für TSV-Trainer Jan Zimmermann und sein Team zum Hinspiel beim Bayern-Vertreter, 1.000 Zuschauer sind für das Spiel zugelassen. Am Sonnabend (im Livestream bei NDR.de) darauf findet das Rückspiel im eigenen Stadion statt. Mit dem Abschneiden von damals, einem Sieg und einem Remis, wäre nach 28 Jahren die Rückkehr in die Drittklassigkeit geschafft.

VIDEO: Jan Zimmermann wechselt zu Hannover 96 (2 Min)

Dass der TSV Havelse überhaupt den Norden im Duell um den Drittliga-Aufstieg vertritt, hat der Club auch einer Entscheidung am "grünen Tisch" zu verdanken. Nach dem Abbruch der Saison aufgrund der Corona-Pandemie wandte der Norddeutsche Fußballverband (NFV) eine staffelinterne Quotienten-Regelung an. So blieben nach dem Verzicht des SC Weiche Flensburg 08 und von Werder Bremen II am Ende aus der Süd-Staffel Havelse und aus der Nord-Staffel der FC Teutonia 05 Ottensen übrig.

Votum pro Havelse - VfB Oldenburg dagegen

Das NFV-Präsidium entschied unter Einbeziehung der beteiligten Clubs letztlich zugunsten von Havelse. "Es gab eine Befragung von 22 Vereinen. Meiner Kenntnis nach waren 19 dafür, zwei haben sich enthalten, einer war dagegen", sagte TSV-Präsident Manfred Hörnschemeyer dem NDR. Gegner dieses Modells war der VfB Oldenburg, der sich dafür aussprach, wie in Bayern den Vertreter durch eine Aufstiegsrunde zu ermitteln. "Wenn die Corona-Zahlen früher heruntergegangen wären, dann hätte man auch eine andere Entscheidung treffen können, ganz klar", so Hörnschemeyer.

TSV-Präsident: "Wir stehen nicht unter Druck"

Befürchtungen, dass es so kommen könnte wie beim VfB Lübeck, hat er nicht. Die Travestädter waren vor einem Jahr nach einer abgebrochenen Saison auch dank der Quotientenregel aufgestiegen und sind dann mit 1,3 Millionen Euro Schulden sofort wieder abgestiegen. "Ich bin seit achteinhalb Jahren Vorsitzender, wir haben in dem Zeitraum die Schulden halbiert auf jetzt 200.000 Euro", sagte Hörnschemeyer.

"Die Spieler sind bereit, die wollen alles für die Dritte Liga geben. Da haben wir als Verein gesagt: 'Gut, wir versuchen das.' Wenn es nicht reicht, dann ist es so, aber dann haben wir es versucht. Wir stehen nicht unter Druck." TSV-Präsident Manfred Hörnschemeyer

Alles kann, nichts muss - so haben sie es schon damals gehalten. Beim TSV Havelse sind sie noch heute stolz darauf, für ein kurzes Jahr in der Zweiten Liga gespielt zu haben. Dass es danach bis in die sechstklassige Landesliga Hannover hinabging, das sei dann eben so - mal Sonne, mal Sturm. Und überhaupt: Für einzelne Personen jenes Teams war der TSV ein Sprungbrett zu großen Clubs.

TSV-Torjäger Capocchiano einst zu Lazio Rom

Finke wurde Coach beim SC Freiburg, dem 1. FC Köln und trainierte auch die Nationalmannschaft Kameruns. Der italienische Stürmer Capocchiano, mit 14 Treffern Toptorjäger des Vereins im Zweitligajahr, unterschrieb zunächst bei 1860 München. Dann aber verpflichtete ihn vor Saisonbeginn der Serie-A-Club Lazio Rom für 180.000 Mark. Dort konnte er sich aber nicht durchsetzen, sodass er zum Zweitligisten AS Bari wechselte. Und Mittelfeldspieler Todt brachte es über die Stationen Freiburg, Bremen und VfB Stuttgart auf drei Einsätze für die deutsche Nationalmannschaft.

"Diese Dorf-Atmosphäre im Stadion hat viel ausgemacht, da ist ein besonderes Zusammengehörigkeitsgefühl entstanden", sagte Todt im "Sportbuzzer" über das große Plus des TSV Havelse zu jener Zeit. Darauf hoffen sie auch jetzt im Rückspiel gegen Schweinfurt. Dann könnten womöglich bis zu 1.000 Zuschauer dabei sein, so Hörnschemeyer.

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Fußballtrainer Jan Zimmermann © IMAGO / Joachim Sielski

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Zimmermann: "Schweinfurt wird uns alles abverlangen"

TSV-Trainer Zimmermann, der nach den beiden Duellen zum Zweitligisten Hannover 96 wechselt und dort neuer Chefcoach wird, sieht in Schweinfurt "einen starken Gegner, der uns alles abverlangen wird". Dass er bei 96 "natürlich schon in Prozesse eingebunden" sei, während mit Havelse jetzt die wichtigen Duelle anstehen, sei für ihn kein Problem. "Ich bekomme das alles gut unter einen Hut", versicherte der 41-Jährige, der schon in der C-Jugend für den TSV spielte.

"Aber es geht gar nicht um mich. Es geht um den Verein und um die Jungs, die sich das verdient haben. Und die machen einen sehr guten Eindruck", sagte Zimmermann über die Auftritte in zahlreichen Testspielen. Ganz so schlecht scheinen die Voraussetzungen also offenbar nicht zu sein, um die favorisierten "Schnüdel" zu düpieren.

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Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 12.06.2021 | 12:45 Uhr

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