Thomas Wüstefeld © Witters WIG_2404_2 Foto: Tim Groothuis

Neu-HSV-Vorstand Wüstefeld sieht Gesprächsbedarf wegen Geisterspielen

Stand: 05.01.2022 15:38 Uhr

Als neuer Finanzvorstand soll Thomas Wüstefeld, bislang Aufsichtsratschef der HSV Fußball AG, den Fußball-Zweitligisten wirtschaftlich stabilisieren. Wegen der Corona-Beschränkungen und Spielen ohne Zuschauer will er das Gespräch mit der Politik suchen.

Zusammen mit Sportvorstand Jonas Boldt wird Wüstefeld vorübergehend die Doppelspitze des Fußball-Zweitligisten Hamburger SV bilden. Ab Donnerstag ist der 53-Jährige kommissarisch für zwölf Monate neuer Vorstand. Wüstefeld lässt sein Aufsichtsratsmandat für ein Jahr ruhen. Vereinspräsident und Ex-Nationalspieler Marcell Jansen wird für diesen Zeitraum erneut die Rolle des Aufsichtsratsvorsitzenden übernehmen.

Am Dienstag hatte der HSV mitgeteilt, dass der bisherige Finanzvorstand Frank Wettstein den Club mit sofortiger Wirkung verlässt. Sein Vertrag, der nicht über das Saisonende hinaus verlängert werden sollte, wurde aufgelöst.

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Wüstefeld will Corona-Regelungen nicht hinnehmen

Wüstefeld kündigte in einem Interview auf der Webseite des HSV an, die jüngsten Corona-Regelungen des Hamburger Senats für den Sport nicht hinnehmen zu wollen. "Ich werde jetzt schnell Kontakt zur Hamburger Politik aufnehmen, um die aus meiner Sicht nicht nachvollziehbare Corona-Behandlung bzw. den Zuschauerausschluss für den Hamburger Profisport im Vergleich zum Amateursport oder auch zur Kultur anzusprechen und dort unsere Position zu vertreten", sagte er. Ähnlich hatte sich bereits der Präsident des Ligarivalen FC St. Pauli, Oke Göttlich, geäußert.

Von Montag an sind bei Sportveranstaltungen in der Hansestadt nur noch 200 Zuschauer im Innenbereich und 1.000 Zuschauer im Freien zugelassen sind. Die Heimspiele des HSV und des FC St. Pauli sollen aber als Geisterspiele ohne Publikum stattfinden - so auch das anstehende Stadtderby am 21. Januar im Volksparkstadion. "Da gibt es viel Gesprächs- und Erklärungsbedarf", meinte Wüstefeld mit Blick auf die Senatsbeschlüsse.

Stabilisierung der Gesamtlage des Vereins

Der Interimsvorstand will auch weitere Gespräche zur Stabilisierung der Gesamtlage des HSV führen - unter anderem mit Banken, der Stadt, Sponsoren und dem Vermarkter. Dies erfolge in Anbetracht der zu erwartenden Einbußen im laufenden Geschäftsjahr. Im November hatten die Hamburger ein Bilanzminus von 4,7 Millionen Euro gemeldet. Das für das laufende Geschäftsjahr strebt der HSV ein Umsatzplus von rund 40 Prozent an, allerdings basierend darauf, dass wieder Zuschauer im Stadion dabei sind.

Keine Vergütung für Vorstandstätigkeit

Wüstefeld kassiert für seine Arbeit beim Fußball-Zweitligisten kein Gehalt. Er lasse sich seine "Tätigkeit für den HSV nicht vergüten, ich arbeite pro bono", sagte der der Hamburger Unternehmer. Zudem betonte Wüstefeld, dass es so geplant sei, nur eine begrenzte Zeit als Vorstand auszuhelfen. Seine Entsendung finde "bewusst und gemäß Aktiengesetz nur für zwölf Monate statt", sagte Wüstefeld, der mit seinem Unternehmen "CaLeJo GmbH" zuletzt 5,11 Prozent der Anteile an der HSV Fußball AG von Klaus-Michael Kühne gekauft hat.

Ein Vorstandsnachfolger auf lange Sicht solle nun "mit der gebotenen Ruhe" gefunden werden, teilte Wüstefeld mit.

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Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 05.01.2022 | 15:17 Uhr

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