Ein Helfer reinigt und desinfiziert die Scheiben an der Auswechselbank des VfL Wolfsburg. © picture alliance/dpa | Swen Pförtner

Dritte Corona-Welle: Der Fußball hat ein Problem

Stand: 15.03.2021 13:08 Uhr

Die dritte Corona-Welle rollt und hat auch den Profifußball erfasst. Mit Holstein Kiel und Hannover 96 sind zwei Clubs in Quarantäne, weitere könnten angesichts der aggressiveren britischen Virusvariante folgen. Die anstehenden Länderspieleinsätze rund um den Globus wirken da völlig deplatziert.

von Matthias Heidrich

Es braucht zurzeit nicht viel, um sich auszumalen, dass Holstein Kiel (vier positive Fälle) und Hannover 96 (ein Fall) nur der Anfang sind. Die ausgefallenen Spiele und ein schiefes Tabellenbild der Zweiten Liga dürften das geringste Problem sein. Der Profifußball wird sich wohl auf weitere Teams in häuslicher Isolation einstellen müssen - der wesentlich aggressiveren britischen Virusvariante sei Dank. Sie breitet sich in Deutschland immer schneller aus und lässt sich auch von der vermeintlichen "Bundesliga-Blase" nicht aufhalten. "Die dritte Welle ist nicht mehr zu verhindern", sagte Gesundheits-Experte Karl Lauterbach (SPD).

96-Arzt Partenheimer: "Es gibt keine Garantie"

Hygienekonzepte hin oder her, der Fußball ist wie auch der Rest der Gesellschaft ein Stück weit machtlos gegen diesen Gegner, darauf lassen auch die Aussagen von Hannovers Mannschaftsarzt Axel Partenheimer schließen. "Obwohl wir uns an alle Hygiene- und Sicherheitsvorschriften gehalten haben, gibt es keine Garantie, dass so ein Fall nicht auftritt", sagte der Hygiene-Beauftragte der Niedersachsen. "Zum Schutz der Spieler und um ein weiteres Ausbreiten der Infektion zu verhindern, ist die Quarantäne unumgänglich."

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Die schwindelerregenden Inzidenz-Prognosen des Robert-Koch-Instituts (RKI) lassen für die Zeit nach Ostern nichts Gutes erahnen. Zu Hause bleiben war bereits in den Wellen zuvor das probateste Mittel, um der Pandemie den Wind aus den Segeln zu nehmen. Der Fußball geht laut Rahmenterminkalender nach dem kommenden 26. Spieltag allerdings auf Weltreise. Zahlreiche Länderspiele mit den dazugehörigen Trips der Spieler stehen in alle Ecken der Erde an.

"Es wird in der ganzen Bundesliga darüber nachgedacht, Spieler eventuell nicht abzustellen. Das ist bei uns auch ein Thema", sagte Trainer Adi Hütter von Eintracht Frankfurt, der die geplanten Reisen "wahnsinnig gefährlich" und "grundsätzlich nicht gerade intelligent" findet.

Das Problem Länderspiel-Reisen am Beispiel Pavlenka

Konflikte zwischen den Clubs und Profis sind programmiert. Beispiel Werder Bremen: Für Stammtorwart Jiri Pavlenka stehen mit Tschechien die ersten WM-Qualifikationsspiele in Estland (24. März) und zu Hause gegen Belgien (27. März) an, die Pavlenka für sein Land gerne bestreiten möchte. Deutschlands Nachbarland ächzt aktuell wie kein zweiter Staat weltweit unter der dritten Corona-Welle. Tschechien wird als "Virusvariantengebiet" geführt. Demnach müsste der Werder-Schlussmann nach einem Einsatz im Spiel am 27. März bei seiner Rückkehr nach Bremen in eine 14-tägige Quarantäne gehen - und würde seinem Arbeitgeber in den folgenden Partien Anfang April in Stuttgart und gegen Leipzig fehlen.

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Werders Lizenzspieler-Leiter Clemens Fritz hat bereits erklärt, "dass wir da einfach nicht mitgehen, weil die Spieler für uns zu wichtig sind". Die FIFA-Regularien geben den Clubs aktuell die Möglichkeit, die Freigabe der Spieler zu verweigern, wenn diesen bei der Rückkehr eine Quarantäne von mindestens fünf Tagen droht.

Neutrale Spielorte? Nicht für Deutschland und Schottland

Während viele Verbände neutrale Spielorte für ihre Partien gesucht haben, um strikte Corona-Regeln zu umgehen, hat der DFB darauf verzichtet. Das wiederum könnte schwerwiegende Folgen haben. Nationalspieler wie Timo Werner oder Ilkay Gündogan, die in der englischen Premier League unter Vertrag stehen, werden zumindest in den beiden Heimspielen gegen Island und Nordmazedonien fehlen, weil sie aus dem britischen Risikogebiet nicht ohne Weiteres einreisen können.

Apropos Risikogebiet: Mittlerweile steht fest, dass die Partie Schottland - Österreich am 25. März in Glasgow wirklich stattfinden wird. Der schottische Verband pochte auf sein Heimrecht, wegen der Terminknappheit kam für die Österreicher keine Verlegung infrage. Aber mit welchen Spieler kann der ÖFB im Hampden Park antreten? Nationaltrainer Franco Foda nominierte zuletzt 19 Deutschland-Legionäre. Doch die Bundesliga-Clubs dürften kein Interesse daran haben, ihre Spieler - zu denen auch die Wolfsburger Pavao Pervan und Xaver Schlager gehören - angesichts der drohenden 14-tägigen Quarantäne für dieses Duell abzustellen.

Saisonunterbrechung wegen britischer Virusvariante?

Für die Vereine ist die Bundesliga das täglich Brot, das das Überleben sichert. Die britische Virusvariante hat ohne Zweifel das Potenzial, erneut für eine Saisonunterbrechung zu sorgen. Darum dürften die Gedanken der Club-Verantwortlichen mehr kreisen, als um die Länderspielaufgaben ihrer Angestellten. Am 22. März stehen die nächsten Bund-Länder-Beratungen mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zum weiteren Vorgehen in der Corona-Krise an, direkt nach dem 26. Bundesliga-Spieltag.

Derselbe Spieltag war im vergangenen März der erste gewesen, der aufgrund der aufkommenden Corona-Pandemie nicht mehr stattfand. Zwei Monate dauerte damals die Saisonunterbrechung, ehe es am 16. Mai mit dem Bundesliga-Fußball weiterging.

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Sportclub | 14.03.2021 | 22:55 Uhr

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