VIDEO: HSV-Sportchef Mutzel: "Es ist keine Krise" (1 Min)

HSV in der Ergebniskrise: Grüßt schon wieder das Murmeltier?

Stand: 22.02.2021 16:48 Uhr

Zweimal in Folge hat der Hamburger SV in der zweiten Saisonhälfte den Bundesliga-Aufstieg verspielt. In dieser Saison hinterließ der Zweitligist bis vor wenigen Wochen einen stabileren Eindruck. Doch nun zeigt er wieder altbekannte Symptome.

von Hanno Bode

Exakt 519 Kilometer trennen das Stadion des Fußball-Zweitligisten Würzburger Kickers auf dem Mittleren Dallenbergweg und das des Ligarivalen Hamburger SV an der Sylvesterallee. Mit dem Bus, der auf der Autobahn bekanntlich nicht schneller als 100 km/h fahren darf, dauert es mindestens fünfeinhalb Stunden, um diese Strecke zu absolvieren. Vorausgesetzt, die Insassen drängen nicht bei jeder Gelegenheit (Tankstelle) auf eine Pipipause. Die Kicker des HSV hatten am Sonntagabend nach ihrem Gastspiel beim Aufsteiger also viel Zeit, ihre merkwürdigste Vorstellung in dieser Saison Revue passieren zu lassen.

Beim 2:3 gegen das bis dahin komplett abgeschlagene Tabellenschlusslicht hatte der Aufstiegs-Topfavorit nicht nur fußballerisch enttäuscht, sondern auch bis zur Schlussphase jene Mentalität und Leidenschaft vermissen lassen, die ihn im bisherigen Saisonverlauf ausgezeichnet hatte. "Wir haben jetzt eine lange Busfahrt vor uns und werden sehr ins Detail gehen, was die Analyse betrifft", kündigte Coach Daniel Thioune an.

Hamburgs Trainer Daniel Thioune © dpa-Bildfunk Foto: Timm Schamberger/dpa

AUDIO: HSV-Trainer Thioune: "Das tut schon weh" (3 Min)

In der Form nur Bundesliga-Punktelieferant

Dass die Rückfahrt dem 46-Jährigen für die Aufdröselung der Begegnung ausreichte, ist anzuzweifeln. Viel zu viel hatte seine Mannschaft falsch gemacht. Geradezu unfassbar viel für ein Team, das sich in der kommenden Saison doch so gerne unter anderem mit dem FC Bayern München, RasenBallsport Leipzig oder den Borussen aus Dortmund und Gladbach messen will. Legt man nur die Leistung aus dem Würzburg-Spiel zugrunde, sollte der HSV vielleicht besser eine weitere "Ehrenrunde" in der Zweiten Liga drehen - es wäre beim Nicht-Aufstieg die vierte -, als es auf Duelle mit den deutschen Branchenriesen anzulegen.

Thioune: "Keine Frage der Formation oder Ordnung"

"Es war sicherlich nicht gut heute", erklärte Thioune und beklagte, "dass wir in diesem Spiel über weite Strecken die PS nicht so auf den Platz bekommen haben". Eine gute Beschreibung des lange blutleeren und fußballerisch uninspirierten Hamburger Auftritts. Nachfragen zur Taktik - Thioune hatte von einem 4-3-3- auf ein 3-4-2-1-System umgestellt - entgegnete der Trainer: "Es war weder eine Frage der Formation noch der Ordnung. Wir haben es einfach nicht gut gemacht."

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Hamburgs Khaled Narey (r.) und Jan Gyamerah sind enttäuscht. © IMAGO / HMB-Media Foto: Timm Schamberger/dpa

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Man kann die katastrophale Abwehrleistung inklusive eines zum wiederholten Male patzenden Keepers Sven Ulreich und den ideenlosen Offensiv-Auftritt am Dallenberg als Ausrutscher titulieren und abtun. Schließlich war es die erste Pleite des HSV nach zuvor elf ungeschlagenen Partien in Folge. Es gibt aber eben nach lediglich einem Sieg aus den vergangenen fünf Begegnungen auch die Möglichkeit, einen Trend beim Traditionsclub zu sehen. Den Trend, wie bereits in den Vorjahren in eine Negativspirale geraten zu sein, die am Ende erneut den Aufstieg kosten könnte. Noch aber ist der stets erfrischend ehrliche Thioune nicht bereit, einen Krisenstab einzuberufen.

"Statistiken interessieren mich nicht. Die Ergebnisse sind nicht gut. Aber von einer Krise sind wir sehr, sehr weit entfernt." Daniel Thioune, Trainer des Hamburger SV

Sportdirektor Michael Mutzel forderte, dass aus dem "beschissenen Spiel" in Würzburg "schnell die Lehren gezogen werden müssen". So einen Auftritt dürfe das Team nicht noch einmal zeigen. In der Krise sieht Mutzel den HSV allerdings ebenfalls nicht: "Es ist keine Krise, dafür haben wir zu viele gute Spiele gemacht in den letzten Wochen, fast Monaten, auch zu viel Gutes gezeigt."

Trotz Ergebniskrise Vorfreude aufs Stadtderby

Ein souveräner Aufstiegsanwärter ist der HSV aber eben nach zwischenzeitlich überwiegend überzeugenden Vorstellungen derzeit auch nicht mehr. Und ausgerechnet in dieser schwierigen Phase wartet nun am kommenden Montag (20.30 Uhr, im Livecenter bei NDR.de) das Stadtderby beim krisenerprobten und sich seit Wochen im Höhenflug befindlichen FC St. Pauli auf das Thioune-Team. Bammel vor dem Trip auf die sündigste Meile der Welt haben sie beim HSV jedoch nicht. Versichern sie jedenfalls. "Die letzten 90 Minuten in Würzburg waren nicht das, was wir uns vorgestellt haben. Das wird aber wieder ein ganz anderes Spiel. Und wir freuen uns darauf", sagte Kapitän Tim Leibold. "Wir gehen das Spiel wie alle anderen an, wir starten bei 0:0", erklärte Thioune.

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Moral und Rückkehrer machen Hoffnung

Viel Trotz also bei den Hamburgern nach ihrem Trostlos-Trip nach Würzburg. Und es besteht ja auch durchaus Hoffnung auf Besserung. So feierte der wegen seiner Laufstärke und fußballerischer Qualitäten sehr wertvolle Jeremy Dudziak nach überstandener Verletzung im zweiten Abschnitt sein Comeback. Zudem steht Innenverteidiger Stephan Ambrosius nach abgesessener Gelbsperre gegen St. Pauli wieder zur Verfügung. Personalien, die Thioune mehr Handlungsspielraum geben, die den Druck im Kader erhöhen. Doch das Stadtderby wird nicht nur zu einer sportlichen Bewährungsprobe für den HSV. Es wird auch aufzeigen, ob der HSV im Vergleich zu den ganz ähnlich verlaufenen Vorjahren psychisch stabiler ist.

Thioune ist diesbezüglich optimistisch, weil seine Equipe nach einem 0:3-Rückstand in Würzburg noch auf 2:3 verkürzte. "Wir besitzen eine gewisse Mentalität und wollten uns nicht ergeben", sagte der Coach. Gibt's allerdings auch nach dem St.-Pauli-Duell nicht mehr als die Moral zu loben, wird die Busfahrt zurück zum Volksparkstadion zur Spielanalyse keinesfalls genügen. Sie dauert lediglich ein paar Minuten...

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Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 21.02.2021 | 23:00 Uhr

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