Stand: 23.04.2019 06:02 Uhr

HSV im DFB-Pokal: Zeit für neue Helden

Manuel Wintzheimer (M.) und der HSV wollen die Überraschung schaffen.

Dem Hamburger SV fehlt noch ein Sieg, um erstmals nach 32 Jahren wieder in das Finale des DFB-Pokals einzuziehen. Doch die Vorzeichen für das Duell mit RB Leipzig stehen nicht sonderlich gut. Der Zweitligist steckt in der Krise - wieder einmal.

Eigentlich müsste der Himmel für alle, die den HSV im Herzen tragen, voller Geigen hängen. Nach Jahren des Dahindarbens in der Fußball-Bundesliga inklusive vieler Nebengeräusche und des ersten Abstiegs als negativem Höhepunkt, steht der Traditionsclub in dieser Serie glänzend da. Zumindest auf dem Papier. Vier Wochen vor dem Saisonschluss belegen die Hamburger einen Aufstiegsplatz und haben heute zudem im DFB-Pokal die große Chance, mit einem Sieg gegen RasenBallsport Leipzig ins Finale einzuziehen (20.45 Uhr, live im Ersten und im Livecenter bei NDR.de). Die Euphorie in der Elbmetropole um das sportliche Aushängeschild der Stadt hält sich dennoch in überschaubaren Grenzen.

Becker: "Favoritenrolle ist klar verteilt"

Bis Montagmittag waren noch 6.000 Karten für das Vorschlussrunden-Duell mit den "Roten Bullen" im freien Verkauf. Selbst viele der jede Menge Kummer gewöhnten und leidgeprüften HSV-Fans scheinen nach fünf sieglosen Liga-Partien in Serie keine große Hoffnung auf eine Sensation zu haben. Zumal in Leipzig, aktuell Bundesliga-Dritter, noch ein ganz anderes Kaliber auf das Team von Coach Hannes Wolf wartet als es Darmstadt, Magdeburg und Aue zuletzt vor eigenem Publikum waren. Ein mickriges Pünktchen sammelten die Norddeutschen aus diesen Partien. "Die Favoritenrolle ist klar verteilt, da brauchen wir uns nichts vormachen. Du spielst fünfmal gegen Leipzig: Dreimal verlierst du, einmal spielst du unentschieden und einmal gewinnst du. Und den Tag brauchen wir am Dienstag", sagte HSV-Sportvorstand Ralf Becker im NDR Sportclub zur Ausgangslage für seinen Club.

RB vor der Brust, Union im Kopf

Was aus Sicht des Außenseiters Hoffnung macht? Auf den ersten Blick: nichts. Die Hamburger "bemühen" sich seit Wochen, endlich aus den Aufstiegsrängen zu fallen. Lediglich 16 Punkte holte das Wolf-Team im Jahr 2019. Nur weil die Konkurrenz ebenfalls regelmäßig patzt, sind die Norddeutschen tabellarisch gesehen noch im Soll. Doch am kommenden Sonntag (13.30 Uhr) droht ihnen bei einer Pleite bei Union Berlin und einem gleichzeitigen Sieg von Paderborn gegen Heidenheim der Sturz auf Rang vier. Ein durchaus denkbares Szenario in Anbetracht der - gelinde ausgedrückt - zuletzt biederen Auftritte. Muffensausen bekommt Becker deshalb zwar noch nicht: "Wir sind Tabellenzweiter, das ist eine gute Ausgangssituation", doch der Sportvorstand dementierte auch nicht, dass nicht alles Gold ist, was oberflächlich glänzt: "Wir müssen trotzdem ein paar Dinge besser machen, um dann unsere Ziele zu erreichen."

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Coach Wolf gibt sich kämpferisch

Ob es mit ein "paar Dingen" getan sein wird, um Leipzig das Wasser reichen zu können, darf allerdings angezweifelt werden. Gegen die "super Mannschaft" (Wolf) wird der HSV wohl über sich hinauswachsen und RB gleichzeitig einen ziemlich schwachen Tag erwischen müssen, damit es mit der Sensation klappt. "Du hast im Fußball immer eine Chance. Wir wollen hier alles geben, um standzuhalten", gab sich Hamburgs Coach kämpferisch. "Wir würden sehr, sehr gerne ein Finale in Berlin spielen", erklärte er später noch mit einem breiten Lächeln im Gesicht. Nun, Spötter könnten diese Aussage auch so deuten, dass Wolf und sein Team ja ihr Finale in Berlin schon sicher haben. Denn die Partie am Sonntag bei Union ist fraglos ein kleines Endspiel um Rang zwei.

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Aber natürlich meinte der Übungsleiter das große Finale. Das im Olympiastadion, in dem der HSV 1987 seinen bis dato letzten Titel gewann. Die Helden vom 3:1-Sieg gegen die Stuttgarter Kickers hießen unter anderem Uli Stein, Manfred Kaltz und Dietmar Beiersdorfer. Nun werden neue Helden gesucht - erst einmal für das Halbfinale. Orel Mangala, Douglas Santos oder Kyriakos Papadopoulos könnten sie vielleicht heißen. Oder eben auch nicht. Denn hinter den Einsätzen der drei angeschlagenen Leistungsträger stehen Fragezeichen. Dass er einige seiner Stammkräfte gegen RB auf der Bank lässt, um sie für die Union-Partie zu schonen, schloss Wolf aus. "Es wäre grundsätzlich total falsch, wenn wir das irgendwie herschenken. Wir wollen da alles, was in unserer Macht steht, auf den Platz bringen."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 2 Bundesligashow | 23.04.2019 | 20:00 Uhr

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