Bremens Romano Schmid ist enttäuscht, während im Hintergrund HSV-Spieler einen Treffer bejubeln. © IMAGO / Revierfoto

HSV besiegt Werder in einem rasanten Nordderby in Bremen

Stand: 18.09.2021 22:50 Uhr

Neun Gelbe Karten, zweimal Gelb-Rot - zwei Tore und viele weitere Chancen: Das 109. Nordderby, das erste in der 2. Fußball-Bundesliga, hatte es in sich. Am Ende siegte der HSV am Samstagabend auswärts bei Werder Bremen mit 2:0 (2:0).

von Florian Neuhauss

21.000 Zuschauer sorgten für einen angemessenen Rahmen für das erste Nordderby seit Februar 2018. Allerdings hatten nur die 1.050 von der Elbe angereisten HSV-Anhänger Grund zum Jubeln - und ließen in den Schlussminuten ein "Oh, wie ist das schön" durch das Weserstadion schallen. Die Mannschaft von Trainer Tim Walter war in den entscheidenden Momenten schlicht wacher. In der Tabelle musste Werder den großen Rivalen wieder passieren lassen.

"Ich bin unglaublich glücklich. So hat man sich das vor dem Spiel ausgemalt. Dass es dann so kommt, ist wunderschön", sagte HSV-Torschütze Robert Glatzel. Werder-Keeper Michael Zetterer befand: "Es lief heute gegen uns. Das ist ein herber Rückschlag. Wir wollten unbedingt gewinnen - für die Fans, die Stadt, den Verein, für uns als Team."

 

Glatzel sorgt für Hamburger Blitzstart

Die Partie hätte für den HSV gar nicht besser beginnen können. Keine zwei Minuten waren gespielt, da fand Tim Leibold im Werder-Strafraum Moritz Heyer, der volley in die Mitte weitergab. Dort kam Glatzel frei zum Abschluss und versenkte den Ball sicher per Kopf zum 1:0 im langen Eck. Den schlafmützigen Anfang steckten die Hausherren allerdings gut weg. Mit Härte hielten die Bremer dagegen - Kapitän Christian Groß holte sich nach einem Foul am Torschützen Gelb ab (5.).

In der Folge gab es nach harten Zweikämpfen immer wieder Spielunterbrechungen. Schiedsrichter Sascha Stegemann hatte alle Hände voll zu tun - und Probleme bei der einheitlichen Ahndung der Vergehen. Keinen Zweifel gab es an der Gelb-Roten Karte für Groß. Der Routinier grätschte an der Grundlinie vollkommen übermotiviert in Daniel Heuer Fernandes hinein und räumte den HSV-Keeper ab (31.).

Ducksch jubelt, aber nur Heyers Tor zählt

Trotz der Unterzahl waren die Bremer vor der Pause ganz nah dran am Ausgleich. Erst kam Ducksch im Zweikampf vor dem Tor mit HSV-Verteidiger Sebastian Schonlau zu Fall und forderte Elfmeter. Stegemanns Pfeife blieb aber stumm (36.). Anders sechs Minuten später, aber wieder zum Leidwesen von Ducksch: Der Stürmer hatte einen Freistoß sehenswert über die Mauer hinweg ins Tor geschossen und bejubelte schon den Ausgleich, als Stegemann die Party im Stadion jäh unterbrach. Mitchell Weiser hatte den vorgeschriebenen Abstand zur HSV-Mauer nicht eingehalten...

Weitere Informationen
Manager Frank Baumann von Werder Bremen © imago images/Nordphoto Foto: Kokenge

TV-Tipp: Frank Baumann zu Gast im Sportclub

Der Werder-Sportchef spricht am Sonntag ab 22.50 Uhr im Sportclub über das Nordderby und Werders Ambitionen. mehr

Und wäre das nicht genug für die geschundene grün-weiße Seele, landeten die Hamburger in der Nachspielzeit noch einen Leberhaken. Bakery Jatta, der einzige HSV-Spieler mit Nordderby-Erfahrung, versetzte auf der rechten Seite gleich zwei Bremer und flankte. In der Mitte war diesmal Heyer vollkommen frei per Kopf zur Stelle und platzierte den Ball genau dort, wo er 45 Minuten zuvor bereits im Netz gelandet war - 2:0 (45.+2). Am siebten Spieltag war es schon das vierte Saisontor des Abwehrmannes.

Gelb-Rot für Schonlau, Joker Füllkrug sticht nicht

Das Nordderby brauchte nach der Pause nicht lange, um wieder Fahrt aufzunehmen. In der 52. Minute sah in Schonlau auch der Kapitän des HSV nach wiederholtem Foulspiel Gelb-Rot. Beim folgenden Freistoß aus 17 Metern sprühte der Schiedsrichter mit seinem Spray für die Werder-Spieler extra auch die Seitenabstände neben die Mauer. Doch der Schuss von Ducksch fand nicht den Weg zum Tor.

Weitere Informationen
Werders Santiago Garcia fliegt durch die Luft, gefoult von HSV-Profi Dennis Diekmeier (unten) © Witters

Werder - HSV: Bewegte Derby-Geschichte erbitterter Rivalen

Titel, Tränen und Triumphe: Werder Bremen und der HSV sind seit Jahrzehnten erbitterte Konkurrenten. NDR.de blickt auf die bewegte Geschichte des Derbys zurück. mehr

Ganz anders Jatta, der nach einer guten Stunde am Ende eines Hamburger Konters frei vor Zetterer auftauchte, aber am stark reagierenden Keeper scheiterte. Es hätte 0:3, aber kurz darauf auch schon 2:2 stehen können. Joker Niclas Füllkrug hatte bereits Heuer Fernandes versetzt, ballerte dann aber am leeren Tor vorbei (74.). Drei Minuten später kam Füllkrug nach einem haarsträubenden Fehler in der HSV-Defensive erneut zum Abschluss, scheiterte aber am Keeper.

In den Schlussminuten hatte Werder Chance um Chance - mal standen sich die Hausherren selbst im Weg, mal flog der Ball aus bester Position in den Bremer Nachthimmel. Auch nach insgesamt 96 mitreißenden Minuten blieb es beim 2:0-Erfolg der Hamburger.

7.Spieltag, 18.09.2021 20:30 Uhr

Werder Bremen

0

Hamburger SV

2

Tore:

  • 0:1 Glatzel (2.)
  • 0:2 Heyer (45. +2)

Werder Bremen: Zetterer - Weiser (66. J. Mbom), L.L. Mai, Veljkovic, A. Jung (73. Füllkrug) - Groß - Rapp, N. Schmidt (67. Assalé) - Nankishi (38. Gruew), Ducksch, R. Schmid
Hamburger SV: Heuer Fernandes - Gyamerah, David, Schonlau, Leibold - D. Kinsombi (82. Vuskovic), Meffert, Heyer (82. Suhonen) - Jatta (70. M. Kaufmann), Glatzel (58. Reis), Kittel (70. Wintzheimer)
Zuschauer: 21050

Weitere Daten zum Spiel

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 19.09.2021 | 22:50 Uhr

Mehr Fußball-Meldungen

HSV-Trainer Tim Walter © Witters

HSV vor Paderborn: Mit mehr Effizienz die Remis-Serie brechen

Auf und abseits des Rasens läuft es beim HSV alles andere als rund. Heute Abend beim SC Paderborn steht das Walter-Team unter Druck. mehr