HSV-Trainer Tim Walter © Witters

HSV-Trainer Walter: "Vertrauen in die eigene Stärke"

Stand: 27.09.2021 10:15 Uhr

Erneut hat der HSV viel Aufwand betrieben und ist beim 2:2 gegen Nürnberg zum fünften Mal in Folge ungeschlagen geblieben. Trainer Tim Walter sieht sein Team zwar auf einem guten Weg, aber auch noch Verbesserungspotenzial.

von Johannes Freytag

Bereits unmittelbar nach dem Schlusspfiff der Partie wehrte der HSV-Coach im Hörfunk-Interview Glückwünsche ab. "Wir haben das Spiel nicht gewonnen, deshalb bin ich unzufrieden", schnaubte der 45-Jährige den Reporter an. Und auch am Abend im NDR Sportclub war der Frust noch nicht ganz verdaut: "Ich bin immer noch verärgert über das Ergebnis", erklärte Walter, schob dann aber versöhnlich nach: "Dennoch bin ich mit dem Auftritt meiner Mannschaft sehr zufrieden. Man sieht die Weiterentwicklung. Wir machen vieles schon richtig gut."

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Datenanalyse: Weniger Ballverluste beim HSV

In der Tat zeigte der HSV ein gutes Spiel, agierte dominant und ließ laut Walter "keinen einzigen Torschuss" zu. Tatsächlich waren es laut Datenanalyse von Global Soccer Network (GSN) acht, allerdings gingen nur zwei davon auf das Gehäuse von Daniel Heuer Fernandes. Einen Treffer erzielten die Nürnberger vom Elfmeterpunkt, einen per Kopf. Und da bestätigte sich erneut eine HSV-Schwäche im bisherigen Saisonverlauf: Mit nur 40,5 Prozent gewonnener Kopfballduelle haben die Hamburger den zweitschlechtesten Wert der Zweiten Liga.

"Die Entwicklung steht im Vordergrund, aber natürlich wollen wir auch Spiele gewinnen. Denn das hilft uns in unserer Entwicklung weiter." HSV-Coach Tim Walter

Die andere Seite der Medaille: Es waren auch zwei Kopfballtreffer von Robert Glatzel, die dem HSV das Remis gegen die noch immer ungeschlagenen Franken bescherten. Und auch in einem anderen Punkt zeigten sich die Hanseaten stark verbessert. Hatten sie zuvor im Schnitt 16,57 Ballverluste pro Spiel in der eigenen Hälfte (dritthöchster Wert der Liga), waren es gegen Nürnberg lediglich vier. Auch dass der HSV "binnen vier bis fünf Sekunden" den Ball zurückerobert, ist ein Wert, der Walter gefällt, denn "die Grundvoraussetzung für unser offensives Spiel ist die Defensive. Es ist wichtig, dass wir mit unserer Grundordnung und Kompaktheit unser Spiel vorbereiten."

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Walter: HSV-Spielweise nicht riskant, sondern "mutig"

Das alles als "hoch riskant" zu bezeichnen, lehnt der HSV-Trainer ab. Er nennt die Spielweise seiner Mannschaft "mutig". Es sei wichtig, Vertrauen in die eigene Stärke zu haben: "Und das haben wir, weil wir jung und frisch sind." Überhaupt sei er jeden Tag "mit großer Freude" beim Training, weil "die Jungs absolut gewillt sind, den Weg mitzugehen".

Walter war als junger Spieler selbst fußballerisch hoch veranlagt, es fehlte jedoch das Entscheidende, um auch als Profi erfolgreich zu sein: "Ich konnte mich nicht quälen", gab der 45-Jährige im Sportclub zu, und zieht daraus auch einen Teil seiner Trainingslehre: "Ich möchte nicht, dass die Jungs die gleichen Fehler machen wie ich."

Meffert: Walter macht auch Ersatzspieler besser

Bislang kommt seine Art und Weise offenbar beim Team an. "Es zeichnet ihn aus, dass auch Spieler, die nicht so oft spielen, im Training besser werden, weil er so detailversessen ist", sagte Jonas Meffert, der Walter bereits bei Holstein Kiel erlebte. Und auch Patrick Westermann, ein langjähriger Freund des HSV-Trainers, ist voll des Lobes: "Jedes Team, dass er übernommen hat, hat sich fußballerisch top entwickelt." Da stört es Walter auch nicht, dass er oft als arrogant bezeichnet wird: "Die einen sagen selbstbewusst, die anderen arrogant. Das ist ein schmaler Grat. Aber ich bin eben, wie ich bin."

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Sportclub | 26.09.2021 | 22:35 Uhr

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