Glatzel zweimal mit Köpfchen - HSV spielt 2:2 gegen Nürnberg

Stand: 26.09.2021 15:23 Uhr

Auch der Hamburger SV hat es nicht geschafft, dem 1. FC Nürnberg die erste Saisonniederlage zuzufügen. Beim 2:2 (1:1) zeigte der Fußball-Zweitligist aber viel Moral und erneut einen spielerisch ansprechenden Auftritt.

von Hanno Bode

"Das Publikum hat, glaube ich, gemerkt, dass wir das Spiel unbedingt gewinnen wollten. Es war ein richtig gutes Spiel von uns, leider mit zwei Punkten zu wenig für uns. Trotzdem können wir darauf aufbauen", sagte HSV-Linksverteidiger Tim Leibold, der den gesperrten Sebastian Schonlau als Kapitän vertrat. Sein Teamkamerad David Kinsombi schlug in dieselbe Kerbe: "Es ist ein gutes Zeichen, dass wir zweimal nach einem Rückstand zurückgekommen sind. Aber wir ärgern uns auch, dass wir aus unserer Überlegenheit nicht mehr gemacht haben. Uns fehlte in einigen Situation das Quäntchen Glück."

Vuskovic verursacht bei Startelf-Debüt Elfmeter

Die zugelassenen 22.500 Zuschauer im Volksparkstadion waren am frühen Sonntagnachmittag von Beginn an Zeugen einer flotten Partie, in der die wie immer unter Coach Tim Walter voll auf Angriffsfußball programmierten Hamburger durch Kinsombi (12.) und Sonny Kittel (15.) die ersten beiden nennenswerten Torabschlüsse hatten. "Club"-Keeper Christian Mathenia parierte jeweils. Seine Vorderleute kamen indes erst langsam auf Betriebstemperatur, was auch am erneut sehr hoch anlaufenden HSV lag. Doch wenn die Nürnberger die Pressinglinien der Gastgeber einmal überspielt hatten, zeigte sich, dass die Abwehr der Walter-Elf verwundbar ist.

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So geschehen nach knapp 20 Minuten, als Startelf-Debütant Mario Vuskovic (vertrat Schonlau in der Innenverteidigung) seinen Gegenspieler Nikola Dovedan mit den Armen am Weiterlaufen hinderte. Schiedsrichter Felix Zwayer (Berlin) entschied nach Sichtung der Fernsehbilder auf Elfmeter, den Enrico Valentini verwandelte (22.).

Glatzel gelingt per Kopf der Ausgleich

Das törichte Verhalten von Vuskovic, der in seiner kompromisslosen Spielweise ein wenig an den früheren HSV-Publikumsliebling Slobodan Rajkovic erinnert, warf die Norddeutschen jedoch nicht aus der Bahn. Sie stürmten munter weiter und wurden zwölf Minuten später durch den Kopfballtreffer von Robert Glatzel mit dem 1:1 belohnt. Zwayer hatte dem Tor zwar zunächst die Anerkennung verwehrt, weil er davon ausging, dass der im Abseits stehende Tim Leibold noch mit der Fußspitze am Ball war. Aber nachdem der Referee das Bewegtbild studiert hatte, zeigte er in Richtung Mittelkreis.

Walter nahm die Entscheidung des Spielleiters zufrieden zur Kenntnis und begann sogleich, mit seinem rechten Arm zu rudern. Sein Signal an die Mannschaft: Gebt weiter Vollgas!

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HSV kassiert kurz nach der Pause das 1:2

Bis zur Pause tat sich aber nicht mehr viel Erwähnenswertes. Dafür setzte Nürnberg kurz nach dem Wiederbeginn ein großes Ausrufezeichen: Valentini ließ Moritz Heyer am rechten Hamburger Strafraumeck aussteigen und flankte auf Lino Tempelmann, der freistehend per Kopf zum 2:1 traf (46.). Zum zweiten Mal an diesem sonnigen Nachmittag hatte sich der HSV durch schlechtes Abwehrverhalten selbst geschadet. Nun mussten die Gastgeber erneut einem Rückstand hinterherlaufen. Und dass gegen einen Kontrahenten, der taktisch sehr diszipliniert auftrat und mit seinen Kontern stets gefährlich war.

Walter-Elf verfällt nicht in Aktionismus und wird belohnt

Zunächst fanden die Hamburger nicht die richtigen Mittel, die "Club"-Defensive entscheidend auseinanderzuziehen. Aber die Walter-Equipe verfiel deswegen nicht in Aktionismus. Sie verzichtete darauf, sich des Mittels der langen Bälle zu bedienen und so die Brechstange herauszuholen. Stattdessen blieben die Köpfe oben und das Spielgerät am Boden. Zumeist jedenfalls. Denn in der 80. Minute schlug Kittel eine präzise Flanke auf den langen Pfosten, wo "'Air" Glatzel zum zweiten Mal per Kopf erfolgreich war - das 2:2.

In der Schlussphase waren die Hausherren dem Sieg näher als Nürnberg, mussten sich am Ende aber mit einem Remis begnügen, das sie im Tableau nicht weiterbringt. Wohl sehr aber die Erkenntnis, über Moral und die fußballerische Intelligenz zu verfügen, Rückstände aufholen zu können.

8.Spieltag, 26.09.2021 13:30 Uhr

Hamburger SV

2

1.FC Nürnberg

2

Tore:

  • 0:1 Valentini (22., Foulelfmeter)
  • 1:1 Glatzel (34.)
  • 1:2 Tempelmann (46.)
  • 2:2 Glatzel (80.)

Hamburger SV: Heuer Fernandes - Gyamerah, David, Vuskovic, Leibold - Meffert - Heyer, D. Kinsombi (90. Suhonen) - Jatta (64. Wintzheimer), Glatzel, Kittel
1.FC Nürnberg: Mathenia - Valentini, C. Schindler, Sörensen, Handwerker - Geis, Tempelmann, Krauß, Nürnberger (90.+3 Fischer) - Möller Daehli (64. Schleimer) - Dovedan (69. Schuranow)
Zuschauer: 24000

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Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 26.09.2021 | 22:50 Uhr

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