Stand: 14.09.2020 08:33 Uhr

Gänsehautstimmung bei knapper Hansa-Niederlage

von Hanno Bode, NDR Sport

Es hat nicht sein sollen für den FC Hansa Rostock. Der Fußball-Drittligist ist in der ersten Runde des DFB-Pokals gegen Bundesliga-Aufsteiger ausgeschieden. Die Leistung der Mecklenburger stimmte aber trotz der 0:1 (0:1)-Niederlage. Ein Zwei-Klassen-Unterschied zwischen beiden Teams war über weite Strecken der Partie nicht zu erkennen. Die Gäste hatten zwar mehr Ballbesitz und ein Chancenplus. Insgesamt stemmte sich Hansa im dritten Pokal-Duell mit den Schwaben in den vergangenen drei Jahren aber bis zum Schluss eindrucksvoll gegen die Niederlage.

"Stuttgart ist nicht unverdient eine Runde weitergekommen, der VfB hatte unterm Strich mehr Tormöglichkeiten", befand Hansa-Coach Jens Härtel. "Wenn wir die Sensation schaffen und den Erstligisten rauskegeln wollen, müssen wir unsere Chancen nutzen. Das haben wir nicht, aber wir haben alles reingehauen. Hinten raus war es eine offene Feldschlacht. Das gibt uns Mut für die Saison."

7.500 Fans sorgen für stimmungsvolle Kulisse

Es herrschte Gänsehautstimmung im Ostseestadion. Der Anpfiff war längst ertönt, die Musik aus den Lautsprechern verstummt, da sangen die Rostocker Anhänger noch immer aus vollen Kehlen die Hymne "Hansa forever". Die Atmosphäre im ersten Heimspiel der Hanseaten seit dem 9. März (3:0 gegen Eintracht Braunschweig) mit Zuschauern war prächtig. Die stimmungsvolle Kulisse erinnerte an die Zeit vor Beginn der Coronavirus-Pandemie, als sich die Fans in den Stadien noch ungezwungen in den Armen liegen konnten. In der von der Politik so gerne beschworenen "neuen Normalität" soll auch auf den Rängen Abstand gehalten werden. Die meisten der zugelassenen 7.500 Zuschauer hielten sich daran. Gewiss sehr zur Freude von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig, die sich die Partie von der Tribüne aus anschaute.

Schwesig sieht beherzten Hansa-Auftritt

Die Landesmutter und Vorsitzende der SPD Mecklenburg-Vorpommern sah einen beherzten Auftritt des Außenseiters. Das Team von Coach Jens Härtel warf ganz viel Leidenschaft und Einsatzwillen in die Waagschale. Jede Grätsche, jeder gelungene Spielzug wurde von den Hansa-Fans lautstark gefeiert. Getragen von seinem nach Live-Fußball dürstenden Anhang versuchten die Rostocker, die technisch überlegenen Schwaben früh anzulaufen, sie in Zweikämpfe zu verwickeln und so ihren Spielfluss zu stören. Das gelang natürlich nicht immer. Doch bis zur 41. Minute sorgten der aufmerksame Keeper Markus Kolke sowie die mangelnde Stuttgarter Entschlossenheit im Abschluss dafür, dass der Underdog die Null halten konnte.

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Fan von Hansa Rostock im Ostseestadion © Witters Foto: Tim Groothuis

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Dann wurde Daniel Didavi am Sechzehner nicht energisch genug angegangen, sodass der frühere Wolfsburger abziehen konnte. Der Schuss prallte an den Pfosten und vor die Füße von Silas Wamangituka, der nur noch abstauben musste (42.). Trotz des Rückstands gab es zur Halbzeit viel Applaus von den Rängen für die tapfer kämpfende Heimmannschaft.

Verhoek vergibt Riesenchance zum Ausgleich

Stuttgart drängte nach dem Seitenwechsel auf das 2:0, agierte in vorderster Front aber weiterhin zu zögerlich und kompliziert. Hansa und seine unvermindert fröhlich singenden und klatschenden Fans durften weiter auf die Überraschung hoffen. Und hätte, ja hätte, John Verhoek in der 62. Minute seine Riesenchance zum 1:1 genutzt, die Sensation wäre vielleicht möglich gewesen. Aber nach einem viel zu kurzen Rückpass von Wataru Endo zu Keeper Gregor Kobel, den der Niederländer erlief, scheiterte der Stürmer daraufhin mit seinem Schuss am Schlussmann. Auf der Gegenseite bewahrte der überragende Kapitän Kolke sein Team mit einer weiteren Parade - diesmal gegen den eingewechselten Darko Churlinov - vor einem höheren Rückstand (67.).

Strittige Szene kurz vor Ultimo erhitzt Gemüter

Es war die letzte nennenswerte Gelegenheit bis in die Nachspielzeit, als Pascal Breier und Erik Engelhardt eine Flanke von Lukas Scherff jeweils um Haaresbreite verfehlten (90.+1.). Vergeben war die Chance zum 1:1, kurz danach der Pokaltraum geplatzt, als Schiedsrichter Felix Zwayer (Berlin) abpfiff. "Fußball-Mafia DFB!", hallte es danach von Rängen. Rostocks Fans wollten kurz vor Ultimo ein Handspiel des VfB-Verteidigers Marcin Kaminski im Stuttgarter Strafraum gesehen haben. Der Unparteiische war sehr zu ihrem Unmut anderer Meinung gewesen.

Fans greifen vor Spiel Polizisten an

Im Vorfeld der Partie waren Polizisten mit Pyrotechnik und Flaschen angegriffen worden. Zwei Beamte erlitten dabei ein Knalltrauma. Zu Festnahmen sei es nicht gekommen, die beiden Polizisten konnten ihren Dienst fortsetzen, wie ein Sprecher der Bundespolizei am Sonntagabend sagte. Demnach seien bei einem Fanmarsch die beiden Beamten auf Höhe des S-Bahnhofs Parkstraße massiv mit Pyrotechnik angegriffen worden. Im späteren Verlauf seien Polizeiautos und Einsatzkräfte zudem mit Flaschen beworfen worden, erneut sei Pyrotechnik gezündet worden. Die Fahrzeuge wurden dabei nicht beschädigt, wie es hieß.

Laut Polizei begann der Fanmarsch mit etwa 100 Menschen, später beteiligten sich demnach insgesamt 450. Immer wieder sei es zum Einsatz von Pyrotechnik, Rauchtöpfen und Raketen gekommen, hieß es. Die Kriminalpolizei ermittelt nun wegen des Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz und wegen des Verdachtes des Landfriedensbruchs.

1.Spieltag, 13.09.2020 15:30 Uhr

Hansa Rostock

0

VfB Stuttgart

1

Tore:

  • 0:1 Wamangituka (42.)

Hansa Rostock: Kolke - Neidhart, Riedel, Roßbach - Butzen (74. Engelhardt), B.B. Bahn, Löhmannsröben (81. Herzog), Scherff - Farrona Pulido (57. Breier), Vollmann (57. Litka) - Verhoek (74. Rother)
VfB Stuttgart: Kobel - M. O. Kempf, Anton, Kaminski - Wamangituka, Mangala, Endo, Massimo (64. Churlinov) - Didavi (74. Klement), Castro (83. Coulibaly) - Kalajdzic (74. Al Ghaddioui)
Zuschauer: 7500

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Zuschauer mit einer Fahne des FC Hansa Rostock © picture-alliance/dpa-Zentralbild Foto: Bernd Wüstneck

7.500 Zuschauer bei Hansa-Heimspielen erlaubt

Drittligist Hansa Rostock darf seine Heimspiele vor bis zu 7.500 Zuschauern im Ostseestadion austragen. Die Mecklenburger empfangen am Sonntag Bundesliga-Aufsteiger VfB Stuttgart im DFB-Pokal. mehr

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 13.09.2020 | 22:30 Uhr

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