Eine Eckfahne mit dem Vereinswappen von Eintracht Braunschweig © imago images/foto2press

Eintracht Braunschweig macht Fan-Attacken öffentlich

Stand: 09.07.2021 14:23 Uhr

Fußball-Drittligist Eintracht Braunschweig hat während der Abstiegssaison in der Zweiten Liga zahlreiche Drohungen und Übergriffe von Fans gegen Spieler und Verantwortliche dokumentiert und nun auch öffentlich gemacht.

"Nach dem Abstieg steigerten sich die Tiraden im Internet bis hin zu Todeswünschen- und Drohungen gegen Spieler und sportlich Verantwortliche", heißt es in einer Stellungnahme des Vereins auf Anfrage der "Braunschweiger Zeitung". Profis und Funktionäre hätten sich "in ihrem subjektiven Sicherheitsgefühl zum Teil stark beeinträchtigt" gefühlt.

So wurden nach Angaben der Eintracht bereits im November 2020 zwei Mitglieder des Teams nach der Rückkehr von einer 0:4-Niederlage in Darmstadt am Braunschweiger Stadion tätlich angegriffen.

"Wir sind uns absolut sicher: Der überwältigende Teil der Eintracht-Fans steht auch bei sportlichem Misserfolg solch radikalen Aktionen absolut ablehnend gegenüber." Eintracht-Präsident Christoph Bratmann

Persönliche Angriffe gegen Spieler

"Nach dem Abstieg wurden Mitglieder der Mannschaft in der Stadt persönlich angepöbelt und beleidigt", heißt es in der Mitteilung. "In einem Fall wurde ein Spieler, welcher zusammen mit seiner Frau und einem Säugling im Kinderwagen spazieren ging, erst beleidigt und dann von seiner Familie weggestoßen." Ein Mitglied der Clubführung habe an seiner Wohnungstür "mehrere Nachrichten mit Beleidigungen und der Drohung gefunden, es wäre besser, wenn er die Stadt verlassen würde".

Randale vor dem Teamhotel

Die Braunschweiger stiegen im Mai nur ein Jahr nach ihrer Zweitliga-Rückkehr wieder ab. Nach der entscheidenden Heimniederlage gegen den Mitabsteiger Würzburger Kickers randalierten zahlreiche Fans vor dem Hotel in der Innenstadt, das die Mannschaft aus Quarantäne-Gründen während der letzten Saisonwochen beziehen musste. Die Leitung des Hotels verschloss an jenem Abend die Außentüren, so dass niemand in das Gebäude eindringen konnte.

"Man darf als junger Spieler ja gar nicht mehr zu einem abstiegsgefährdeten Verein gehen, denn dann musst du ja am Ende einer Saison bereit sein, Gewalt zu ertragen." Eintracht-Zeugwart Christian Skolik

Eintracht-Zeugwart und - Busfahrer Christian Skolik hatte sich anschließend in einem emotionalen Facebook-Beitrag an die Fans gewandt und eine fortschreitende Enthemmung beklagt.

Eintracht-Mitgliedern droht Vereinsausschluss

Die Polizei nahm damals vor dem Hotel die Daten von 31 Personen auf. Nach Angaben der Eintracht habe die Staatsanwaltschaft der Übermittlung dieser Daten an den Verein zugestimmt. Bei einem Abgleich sei herausgekommen, dass 24 der 31 Personen Mitglieder von Eintracht Braunschweig sind, 22 von ihnen gehören der Fan-Abteilung an. Der Vorstand will diese Mitglieder nun aus dem Verein ausschließen.

Über einen Kamm scheren möchte der Club seine Anhänger selbstredend nicht. "Wir sind uns absolut sicher: Der überwältigende Teil der Eintracht-Fans steht auch bei sportlichem Misserfolg solch radikalen Aktionen absolut ablehnend gegenüber", sagte Vereinspräsident Christoph Bratmann. "Es ist sehr schade, dass die Fanabteilung durch solch ein Verhalten eines Teils ihrer Mitglieder in Misskredit gebracht wird."

Weitere Informationen
Christian Skolik, Zeugwart und Busfahrer von Eintracht Braunschweig © IMAGO / Hübner

Braunschweig-Busfahrer beklagt Enthemmung von Fußball-Fans

In einem emotionalen Video hat sich der Zeugwart und Busfahrer des abstiegsbedrohten Zweitligisten, Christian Skolik, an die Fans gewandt. mehr

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 09.07.2021 | 19:30 Uhr

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