Stand: 14.09.2020 09:17 Uhr

Eintracht Braunschweig: Sehnsucht nach Kontinuität

von Hanno Bode, NDR.de
Eintracht Braunschweigs Coach Daniel Meyer (l.) gibt Martin Kobylanski und Fabio Kaufmann (v.l.) Anweisungen. © imago images / Hübner
Neu-Coach Daniel Meyer (l.) soll Eintracht Braunschweig in der Zweiten Liga etablieren.

Eintracht Braunschweig hat zwei turbulente Jahre inklusive des Fast-Abstiegs 2019 und des Aufstiegs in diesem Sommer hinter sich. Trainer und Spieler gaben sich in diesem Zeitraum an der Hamburger Straße die Klinke in die Hand. Das soll sich nun ändern. Der Teamcheck.

So lief die vergangene Saison

Nachdem der Abstieg in der Vorsaison nur wegen der besseren Tordifferenz hatte verhindert werden können und Coach André Schubert überraschend zu Holstein Kiel wechselte, startete der BTSV unter dem neuen Trainer Christian Flüthmann (war zuvor Schuberts Assistent) ausgezeichnet in die neue Serie. An den ersten neun Spieltagen standen die Niedersachsen sechsmal auf einem direkten Aufstiegsplatz. Dann jedoch trat die Eintracht fußballerisch und ergebnistechnisch auf der Stelle. Die Folge: Flüthmann wurde nach einem 1:1 am 15. Spieltag bei Preußen Münster entlassen. Auf den 38-Jährigen folgte Marco Antwerpen.

Erfolgsserie nach dem Re-Start

Braunschweigs Benjamin Kessel (vorn) feiert mit seinen Mitspielern den Aufstieg in die 2. Bundesliga. © dpa - Bildfunk Foto:  Hauke-Christian Dittrich
Die Eintracht machte am vorletzten Drittliga-Spieltag den Aufstieg perfekt.

Das ganz große Vertrauen wurde dem früheren Stürmer von Vereinsseite allerdings nicht entgegengebracht. Er erhielt lediglich einen Kontrakt bis zum Saisonende. Bis zur Corona-bedingten Pause vermochte es Antwerpen nicht, das Potenzial aus der mit Martin Kobylanski und Nick Proschwitz prominent verstärkten Mannschaft herauszuholen.

Nach dem Re-Start warf der 48-Jährige ob der vielen englischen Wochen dann wie kein anderer Drittliga-Coach die Rotationsmaschine an. In jeder Partie stand nahezu ein komplett anderes Team auf dem Rasen. Das sorgsame Haushalten mit den körperlichen Ressourcen war das Erfolgsgeheimnis der "Löwen". Sie gewannen sieben der elf Partien nach der Zwangspause und sicherten sich am vorletzten Spieltag durch ein 3:2 gegen Waldhof Mannnheim den Aufstieg.

Wer kommt, wer geht?

Trotz der Zweitliga-Rückkehr und der Empfehlung des inzwischen zum Geschäftsführer Sport aufgestiegenen Peter Vollmann dazu wurde Antwerpens Kontrakt von der Vereinsführung nicht verlängert. Sie traute es dem 48-Jährigen offenbar nicht zu, das Team fußballerisch weiterzuentwickeln. Tatsächlich hatte die Mannschaft spielerisch in Antwerpens Amtszeit nur selten überzeugende Leistungen gezeigt. Für ihn kam in Daniel Meyer ein Übungsleiter, der lange im Nachwuchsbereich tätig war und zudem als Trainer des FC Erzgebirge Aue (von 2018 bis 2019) bereits Zweitliga-Erfahrung gesammelt hat.

Meyer: "Kader war unausgewogen"

Neben Antwerpen mussten auch andere Aufstiegshelden den Meister von 1967 verlassen. Unter anderem spielten die Routiniers Bernd Nehrig, Marc Pfitzner und Stephan Fürstner in den Planungen der Verantwortlichen keine Rolle mehr. "Es ging darum, die Wettbewerbsfähigkeit in der Zweiten Liga herzustellen. Wir sind nicht der Aufsteiger, über den alle gesagt haben: Das war hochverdient. Der Kader war sehr unausgewogen, weil hier in den letzten zwei Jahren mehrere Leute in der Verantwortung waren", erklärte Neu-Coach Meyer mit Blick auf die hohe personelle Fluktuation in der jüngeren Eintracht-Vergangenheit.

Mix aus gestandenen Spielern und Talenten

Einen Umbruch gab es allerdings auch in diesem Sommer. Und so bizarr das klingt: Die Eintracht hat ihn vor allem deshalb vollzogen, damit sie in näherer Zukunft keine weiteren Umbrüche mehr vollziehen muss.

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Mit dem neuen Trainer und den vielen neuen Spielern hoffen die Niedersachsen, endlich wieder eine Achse gefunden zu haben, die auch über mehrere Jahre trägt. Der BTSV verpflichtete gleich mehrere Akteure wie Yassin Ben Balla (MSV Duisburg), Fabio Kaufmann (Würzburger Kickers) Jannis Nikolaou (Dynamo Dresden) oder Michael Schultz (Waldhof Mannheim), um die sich auch viele andere Zweitliga-Clubs bemüht hatten. Prominentester Zugang ist fraglos Felix Kroos, der Bruder von Weltmeister Toni Kroos (Real Madrid). Der Mittelfeldmann wurde von Union Berlin an die Hamburger Straße gelockt. Bei den "Eisernen" war der 29-Jährige bis 2018 sogar Kapitän.

Da Meyer als früherem Nachwuchs-Chef des 1. FC Köln zu wenige Talente mit Perspektive im Kader standen, kamen auch noch junge Spieler wie Iba May (VfL Wolfsburg) oder Njegos Kupusovic (Roter Stern Belgrad) dazu.

Der Trainer

Meyer stellte bei seiner bisher einzigen Station im Profibereich in Aue unter Beweis, einer Mannschaft eine Handschrift geben zu können. Der 41-Jährige schaffte mit den Sachsen den Klassenerhalt, wurde in der Folgesaison dann aber nach zwei Siegen zum Auftakt bei den "Veilchen" beurlaubt. Warum? Darüber geben Meyer und sein Ex-Verein bis heute keine Auskunft. Wie dem auch sei: In Braunschweig möchte der aus Halle an der Saale stammende Fußballlehrer gerne länger arbeiten als im Erzgebirge. "Ich sehe uns in der kommenden Saison als sportlichen Herausforderer, oberste Priorität hat der frühzeitige Klassenerhalt. Mittelfristig sehe ich meine Aufgabe darin, mit der Eintracht einen überzeugenden und modernen Fußball zu entwickeln und den Verein dauerhaft wieder fest im Kreis der Zweitligisten zu etablieren", erklärte Meyer.

Ausblick auf die Saison

Getreu dem Motto: "Nicht kleckern, sondern klotzen", hat die Eintracht-Chefetage einen Kader zusammengestellt, der von den Namen her nun fraglos das Potenzial hat, den Ligaverbleib ohne größere Probleme zu realisieren.

Der 5:4-Erfolg in der ersten Runde des DFB-Pokals gegen die ambitionierte Hertha aus Berlin zeigte, zu welchen Leistungen das umformierte Team fähig ist. Mit dem Rückenwind aus dieser Partie und der ohnehin noch vorhandenen Aufstiegseuphorie könnte der BTSV bereits in der Hinrunde das Fundament für den anvisierten Klassenerhalt legen. Dass Rückschläge bei einer stark umgebauten Mannschaft unausweichlich sind, ist Meyer bewusst. Die Frage wird sein, wie die in der jüngeren Vergangenheit zuweilen recht aufgeregte Vereinsführung auf eine Ergebnisdelle reagieren würde.

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Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 13.09.2020 | 22:30 Uhr

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