Stand: 11.05.2020 20:06 Uhr

Dritte Liga soll ab 26. Mai neu starten

Nick Proschwitz (l.) von Eintracht Braunschweig im Kopfballduell mit Hansa Rostocks Nils Butzen © imago images / Christian Schroedter Foto: Christian Schroedter
Auch die Dritte Liga will die Saison bald mit Geisterspielen fortsetzen.

Zwei Wochen nach der Bundesliga und der Zweiten Liga soll auch in der Dritten Liga der Ball wieder rollen. Ungeachtet der Neu-Infektionen und der daraus resultierenden 14-tägigen Quarantäne beim Zweitligisten Dynamo Dresden hat das Präsidium des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) den Neustart für den 26. Mai festgelegt. Der neue Rahmenterminplan sieht vor, die verbleibenden elf Spieltage mit fünf englischen Wochen zu absolvieren, sodass die Drittliga-Saison am 30. Juni endet.

BTSV-Teamtraining frühestens am Wochenende

Die Zeit bis zum Wiederanpfiff dürfte jedoch alles andere als ruhig verlaufen.

Schon der Termin stößt nicht überall auf ein positives Echo. "Wir hatten bei den Videokonferenzen innerhalb der Liga vereinbart, dass alle Mannschaften mindestens 14 Tage Zeit zum Trainieren bekommen sollen", sagte Eintracht Braunschweigs Sportchef Peter Vollmann. Die Niedersachsen können jedoch frühestens am Wochenende nach Abschluss der zweiten Corona-Testreihe - bei negativen Befunden - mit dem Mannschaftstraining beginnen.

Ein späterer Starttermin hätte allerdings eine Saisonverlängerung in den Juli hinein bedeutet. Das wiederum ist rechtlich problematisch, weil zahlreiche Profiverträge zum 30. Juni auslaufen. In Braunschweig betrifft das 17 Arbeitspapiere - auch das von Trainer Marco Antwerpen. Bei Hansa Rostock enden 14 Verträge, beim SV Meppen neun.

"Hygienekonzept gut, aber..."

Das Hygienekonzept des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) bezeichnete Vollmann als "gut" - auch wenn es ein wackeliges Konstrukt sei, wie der Fall Dresden zeige: "Die Mannschaft wird komplett zurückgeworfen - das ist ein Wettbewerbsnachteil, den man gar nicht mehr ausgleichen kann. Und dann steigt ja auch die Verletzungsgefahr. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es in der Dritten Liga keine positiven Tests gibt."

Maul: Medizinisches Konzept ist umsetzbar

Auch Hansas Clubchef Robert Marien hatte im Gespräch mit NDR 1 Radio MV die geplante Saisonfortsetzung begrüßt: "Geisterspiele sind die beste der schlechtesten Optionen." Kritik am Hygienekonzept kann Marien auch nicht nachvollziehen: Natürlich verfüge nicht jeder Club wie Hansa über "drei Honorarärzte" und "genügend Platz", aber man könnte "VIP-Räume herrichten und kostengünstig Container aufstellen". Zudem übernehme die DFL mit dem Solidarfonds die Finanzierung der erforderlichen Coronatests. "Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg", sagt Marien. In dieselbe Kerbe schlug auch Roland Maul, Geschäftsführer des SV Meppen. "Jeder Drittligist ist angehalten, seine Hausaufgaben zu erfüllen und die Rahmenbedingungen zu schaffen. Und aus unserer Sicht ist das medizinische Konzept sehr wohl umsetzbar", erklärte der 47-Jährige dem NDR Hörfunk. SVM-Coach Christian Neidhart ergänzte: "Wenn jetzt irgendwie noch etwas kommen sollte, das alles abgeblasen werden muss, dann spielen wir - glaube ich - in diesem Jahr gar keinen Fußball mehr. Keine Ahnung, was dann noch vom Fußball übrig bleiben würde."

Liga zerstritten und mit Wettbewerbsnachteilen

Wie unterschiedlich die Bedingungen und Befindlichkeiten in der Liga dennoch sind, zeigte nicht nur das knappe Votum für die Fortsetzung mit Geisterspielen. Auch die unterschiedlichen politischen Entscheidungen in den jeweiligen Bundesländern sorgen für Unmut und Wettbewerbsnachteile. So trainieren 13 Clubs bereits zum Teil schon seit Wochen in Kleingruppen, sieben sind hingegen derzeit durch behördliche Auflagen die Hände gebunden. Der Hallesche FC darf beispielsweise bis 27. Mai in seinem Stadion keine "Wettkämpfe" stattfinden lassen. Für solche Fälle will der DFB neutrale Spielorte vorschlagen, was HFC-Präsident Jens Rauschenbach auf die Palme bringt: "Dem DFB ist es egal, ob wir auf dem Mond oder in Weißrussland spielen." Waldhof Mannheim sieht zudem in der Idee der neutralen Spielorte eine "neue Sachlage" mit möglicherweise Mehrkosten für die Vereine und hat eine neue Abstimmung der Clubs beantragt.

Über diese Frage und möglicherweise doch eine Entscheidung für einen Abbruch der Saison muss der Außerordentliche Bundestag des DFB am 25. Mai befinden. Das letzte Wort über die Liga-Fortsetzung ist also noch lange nicht gesprochen.

Weitere Informationen
Das Logo der Dritten Liga © imago images/Jan Huebner

Drittliga-Serie soll mit Geisterspielen weitergehen

Mit einer knappen Mehrheit haben die Fußball-Drittligisten für eine Fortsetzung der momentan unterbrochenen Saison gestimmt. Ein Szenario sieht fünf englische Wochen bis zum 30. Juni vor. mehr

Ein Fußball mit dem Drittliga-Logo liegt auf dem Rasen. © imago images / Noah Wedel

Hygienekonzepte für 3. Liga und Frauen-Bundesliga

Der Deutsche Fußball-Bund hat Hygiene-Konzepte für die Dritte Liga und die Frauen-Bundesliga vorgelegt. Er orientiert sich sehr stark an dem für die Bundesliga der Männer. mehr

Hansa Rostocks Vorstandschef Robert Marien © picture alliance Foto: Selim Sudheimer

Hansa Rostock hofft auf baldigen Drittliga-Wiederbeginn

Hansa Rostocks Vorstandschef Robert Marien hat die Bundesliga-Öffnung ab Mitte Mai begrüßt und hofft auf einen baldigen Drittliga-Start. Die Corona-Zwangspause sei existenzbedrohend. mehr

Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 11.05.2020 | 17:25 Uhr

Mehr Fußball-Meldungen

Kevin Wolze vom VfL Osnabrück tritt eine Ecke im Stadion an der Bremer Brücke © imago images / Nordphoto

Fan-Rückkehr in Osnabrück fraglich - 2.226 bei St. Pauli

Der VfL Osnabrück weiß noch nicht, ob das Duell mit Hannover am Freitag vor Zuschauern stattfinden kann. Die Stadt hat wegen der vielen Neuinfektionen einen Krisenstab eingerichtet. St. Pauli spielt vor 2.226 Fans. mehr

Das Stadion von Eintracht Braunschweig. © picture alliance/Sielski-Press Foto: Joachim Sielski

Eintracht distanziert sich von Foto mit rechtsextremen Inhalten

Ein gewaltbereiter Rechtsextremer hat die Kulisse des Stadions von Eintracht Braunschweig dazu genutzt, um per Foto zur Teilnahme an einer Kundgebung aufzurufen. Der Club distanzierte sich davon. mehr

Abwehrmauer des VfL Wolfsburg in einem Testspiel in Köln. © imagos images Foto: Claus Bergmann

VfL Wolfsburg: Ohne Fans gegen Tschernihiw

Nach Kukesi ist vor Tschernihiw - zumindest für den VfL Wolfsburg in der Qualifikation der Europa League. Die "Wölfe" sind am Donnerstag gegen die Ukrainer eindeutig favorisiert. mehr

St. Paulis Daniel-Kofi Kyereh (l.) erzielt den Anschlusstreffer zum 1:2 gegen den VfL Bochum © Witters Foto: Christof Koepsel

St. Pauli punktet dank toller Moral und Kyereh in Bochum

Der FC St. Pauli hat am ersten Zweitliga-Spieltag ein 2:2 beim Aufstiegskandidaten VfL Bochum geschafft. Die Hamburger lagen bereits mit 0:2 zurück, trafen dann in der Schlussphase doppelt. mehr

Fußball im Netz © Mikael Damkier

NDR Fußball-Tippspiel - Jetzt mitmachen!

Das NDR Tippspiel für die Saison 2020/2021 läuft. Einsteigen, mittippen und Teams gründen: Wir suchen den Fußball-Experten im Norden. mehr