Fans im Flutlicht des Bremer Weserstadions © Witters

DFL fordert Clubs zum Energiesparen auf - Spielplan-Änderung die Lösung?

Stand: 06.09.2022 10:33 Uhr

Die Bundesligavereine sollen nach Auffassung der Deutschen Fußball Liga (DFL) zwischen 15 und 20 Prozent Energie einsparen, um in der Krise ihren Beitrag für die Gesellschaft zu leisten. Die Clubs selbst machen sich Gedanken - auch über eine mögliche Umstellung des Spielplans.

Im Zuge des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine und den dadurch drastisch steigenden Kosten für Energie gab der Ligaverband nach einer Präsidiumssitzung den Vereinen diese Empfehlung. Zu berücksichtigen seien allerdings "die sehr unterschiedlichen Gegebenheiten an den einzelnen Standorten", etwa mit Blick auf "Besitzverhältnisse von Stadien und jeweils genutzte Energieformen", erklärte die DFL und kündigte regelmäßige gemeinsame Sitzungen mit den 36 Clubs der Bundesliga und der Zweiten Liga zu dieser Thematik an.

DFB: Wollen Lockdown verhindern

Die Spitze des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) blickt mit Sorge auf die drohende Energiekrise. "Ein Lockdown ist etwas, was wir uns auf gar keinen Fall wünschen können. Wir können die Plätze nicht einen dritten Winter in Folge geschlossen halten", sagte DFB-Präsident Bernd Neuendorf am Dienstag beim Workshop Amateurfußball: "Deshalb befürworten wir mit Blick auf Energiefragen Entlastungen für Vereine. Der Sport ist da gemeinsam energisch unterwegs."

Der für die Amateure zuständige Vizepräsident Ronny Zimmermann sieht die Politik in der Pflicht. "Die Corona-Krise ist noch nicht vorbei, da kommt die nächste Krise on top", äußerte Zimmermann: "Beim Blick auf die eigene Stromrechnung kann man sich leicht vorstellen, was auf die Vereine zukommen kann. Wenn es keine Unterstützung von Kommune, Land oder Bund gibt, stehen wir vor bitteren Monaten."

Rettig: "Profifußball muss auch seinen Beitrag leisten"

Die Diskussion rund um den Energiekrise und deren Auswirkungen wird seit Wochen geführt. Jüngst äußerte sich Andreas Rettig, ehemaliger Manager des FC St. Pauli, dazu. "Wenn aktuell über ein Rationieren von Energie nachgedacht wird und Haushalte sparsamer damit umgehen müssen, dann muss der Profifußball auch seinen Beitrag leisten", sagte er.

Für ihn sei es unverständlich, "wenn im Winter die Rasenheizung und das Flutlicht volle Pulle laufen". Laut Rettig verbraucht eine Rasenheizung ölbetrieben circa 2.000 Liter Heizöl am Tag: "Das ist ungefähr so viel wie ein Einfamilienhaus im ganzen Jahr. Ich denke, dass man hier tatsächlich umdenken, beziehungsweise vorbereitet sein muss."

Clubs entwerfen verschiedene Szenarien

Auch in den Clubs wird über verschiedene Szenarien diskutiert. Wo stecken Einsparpotenziale, wenn Energiepreise steigen und sich die Versorgungssituation verschärft? Wie lassen sich Stromfresser wie Rasenheizung, Flutlicht und Klimatisierung zähmen? Eine der auffälligsten Maßnahmen, bevor es Herbst und damit ernster wird, betrifft die Beleuchtung der Stadien. So schaltet der FC Bayern München die rote Außenbeleuchtung seiner Arena nur noch drei statt bislang sechs Stunden ab Dunkelheit ein. Der Borussia-Park in Mönchengladbach wird nicht mehr täglich, sondern nur noch am Spieltag grün illuminiert.

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Doch es gibt vielschichtige Probleme. Einige Clubs wie Eintracht Frankfurt oder der 1. FC Köln sind lediglich Mieter oder andere wie Werder Bremen und der VfB Stuttgart Miteigentümer. Somit können sie eigenständig nur begrenzt Maßnahmen forcieren.

Flutlicht-Einsatz begrenzen?

Dazu kommen die derzeit vorgeschriebenen Rahmenbedingungen aus den Fernsehverträgen, wonach für eine gleichmäßige Qualität der TV-Übertragungen selbst tagsüber das Flutlicht eingeschaltet sein muss. Auch für die Funktionalität der Torlinientechnik ist eine Mindesthelligkeit mithilfe des Flutlichts nötig. Wobei ein Modellversuch beim Karlsruher SC, bei dem die LED-Scheinwerfer eine Halbzeit ausblieben, nach ersten Einschätzungen reibungslos verlief.

DFL-Geschäftsführerin Donata Hopfen hatte zuletzt vor "Symbolpolitik" im Umgang mit den deutschen Proficlubs im Zuge der Energiekrise gewarnt. Es sei wichtig, "Maß zu halten", sagte Hopfen Mitte August am Rande der DFL-Generalversammlung in Dortmund.

Mehrheit der Deutschen für Umstellung des Spielplans

Damit Energiekosten für die Bundesliga eingespart werden können, würde eine deutliche Mehrheit der Deutschen eine Umstellung des Spielbetriebs auf eine Saison von Frühjahr bis Herbst befürworten. 34 Prozent sehen das "auf jeden Fall" für einen richtigen Weg, 27 Prozent antworteten mit "eher ja" auf eine entsprechende Frage. Ablehnend stehen einem veränderten Saison-Rhythmus demnach 17 Prozent der Bundesbürger gegenüber, wie aus einer repräsentativen Erhebung des Meinungsforschungsinstituts "Yougov" hervorgeht.

Union-Präsident Zingler: Vorbild Skandinavien

Präsident Dirk Zingler von Bundesligist Union Berlin unterstützt die Umstellungsgedanken. "Wir werden uns überlegen müssen, ob wir künftig nicht auch zwischen Mai und August spielen wollen und nicht mehr im Winter", sagte Zingler der "Berliner Zeitung". Eine Anpassung des Kalenders würde laut Zingler die finanzielle Lage etwas entspannen, da sich die Ausgaben für das Betreiben von Beleuchtung und Heizung verringern würden. Als Vorbild nannte er die skandinavischen Ligen, in denen der Fußball im Winter ruht.

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Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 06.09.2022 | 12:25 Uhr

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