Stand: 24.04.2020 21:59 Uhr

Corona-Krise: Werder Bremen muss Schulden machen

Werder Bremens Aufsichtsratschef Marco Bode, Sportchef Frank Baumann und Geschäftsführer Klaus Filbry (v.l.). © picture alliance / dpa Foto: Carmen Jaspersen
Die Werder-Führung hat die Liquidität des Clubs bis zum "Frühherbst" gesichert.

Die Corona-Krise hat Werder Bremen in finanzielle Schieflage gebracht. "Wir müssen Schulden aufnehmen", gestand Clubboss Klaus Filbry am Freitag ein, betonte allerdings auch: "Wir sind unverschuldet und einzig aufgrund der Corona-Pandemie samt ihrer Folgen in diese Situation gelangt."

Durch den Gehaltsverzicht in der Profiabteilung und die Kurzarbeit auf der Geschäftstelle wurden zuletzt bereits die laufenden Kosten gesenkt. Gemeinsam mit den Banken sei es nun gelungen, die Liquidität bis in den Frühherbst abzusichern. Wie groß das Loch in der Kasse wird, entscheiden die kommenden Wochen. Noch immer ist nicht klar, ob und wann die Bundesliga fortgesetzt werden kann. Aus diesem Grund ist auch die letzte TV-Rate bisher nicht in voller Höhe an die Vereine gezahlt worden.

Rechnungen umfassen mehrere Szenarien

Die Kreditaufnahme stellt ein Novum dar - nie zuvor waren die Bremer Verantwortlichen seit der Ausgliederung der Profiabteilung im Jahr 2003 zu diesem Schritt gezwungen. "Wir sind in der Pflicht, den wirtschaftlichen Fortbestand von Werder zu sichern", sagte Filbry, der mehrere Szenarien vorstellte.

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Sie reichen von der Beendigung dieser Saison mit Geisterspielen und Partien mit Zuschauern noch in diesem Jahr bis zu einem Abbruch der aktuellen Spielzeit und einem Ausschluss der Zuschauer bis zum Jahresende.

Doch schon der beste kalkulierte Fall trifft Werder hart. Rückerstattungen aus den Eintrittskartenverkäufen belaufen sich laut Angaben der Grün-Weißen auf bis zu sieben Millionen Euro. Außerdem müssten bald noch Rechnungen in Höhe von fünf Millionen Euro beglichen werden. Und dann steht auch immer noch im Raum, dass die letzte TV-Rate, die Werder 15 Millionen Euro bringen würde, nicht in voller Höhe gezahlt wird. Filbry rechnet vor: "Das würde sich auf weit über 20 Millionen Euro summieren."

"Würden die Türen nicht gleich abschließen"

Doch das wäre nur der Anfang, sofern weiterhin keine Zuschauer ins Weserstadion dürften. Auf 8,5 Millionen Euro beziffert Filbry die fehlenden Einnahmen aus den Heimspielen bis zum Ende des Jahres. "Zudem müssten bereits vertraglich fixierte Leistungen für Sponsoren und Partner in einer Größenordnung von vier Millionen Euro zurückerstattet oder kompensiert werden", sagte der Vorsitzende der Geschäftsführung. "Auch in diesem Worst-Case-Szenario würden wir nicht gleich die Türen abschließen." Allerdings drohe insgesamt ein Verlust von mehr als 40 Millionen Euro.

Und was wäre, wenn die Politik keine Geisterspiele erlaubt? Bei der Antwort gibt sich Filbry keinen Illusionen hin. Mit den gleichen Argumenten könnte dann auch der Start der neuen Saison verhindert werden. Der 53-Jährige ist sich sicher: "Das würde die Bundesliga nicht überleben."

Dieses Thema im Programm:

NDR 2 Sport | 24.04.2020 | 23:03 Uhr

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