Rostocks Markus Kolke (l.) und Jan Löhmannsröben bejubeln den Aufstieg in die Zweite Bundesliga. © WITTERS Foto: FrankPeters

Aufstieg! Hansa Rostock kehrt zurück in die Zweite Liga

Stand: 23.05.2021 07:23 Uhr

Hansa Rostock hat den Sprung in die Zweite Liga geschafft. Am letzten Spieltag reichte am Sonnabend ein 1:1 (1:1) gegen den VfB Lübeck. 7.500 Zuschauer waren im Ostseestadion dabei.

von Sebastian Ragoß

Um 15:22 Uhr endete für Hansa eine Zitterpartie mit lautem Jubel in der Arena und davor, wo sich 2.000 bis 3.000 Fans versammelt hatten: Die Spieler lagen sich in den Armen und feierten nach neun Drittliga-Jahren den Aufstieg, der aber noch einmal am seidenen Faden hing. Letztlich sicherte sich die Mannschaft von Trainer Jens Härtel dank der besseren Tordifferenz Rang zwei vor dem FC Ingolstadt.

Löhmannsröben: Aufstieg besser als jeder Sex

Dem Hansa-Coach war nach den nervenaufreibenden 90 Minuten die Erschöpfung deutlich anzusehen. Gleichzeitig war aber die Freude groß. "Jetzt bist du in den Geschichtsbüchern von Hansa. Deswegen bin ich total stolz", sagte Härtel. Der Mann für deutliche Worte bei Hansa ist Jan Löhmannsröben. Sein Kommentar zum Aufstieg? "Der Moment ist schöner als der beste Sex, den ich jemals hatte. Heute will ich einfach nur noch saufen."

Rostocks Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen (parteilos) drückte sich natürlich etwas dezenter aus. "Heute ist eine ganze Region aufgestiegen", freute sich der Däne. Die Zuschauer hielten sich an die Aufforderung, den Platz nicht zu stürmen. Sie blieben auf den Tribünen. Vor und im Stadion wurden jedoch Bengalos gezündet. Vereinzelt seien Feuerwerkskörper in Richtung der Einsatzkräfte geworfen worden. Dabei sei ein Beamter am Auge verletzt worden, teilte die Polizei mit.

6.000 Fans vor dem Rostocker Rathaus

Am Abend versammelten sich rund 6.000 Fans vor dem Rostocker Rathaus. Auch hier wurden Böller gezündet. Die Stimmung blieb dennoch friedlich, wie die Polizei zum Abschluss berichtete. Madsen zeigte sich am Ende der Feier auf dem Neuen Markt erleichtert, dass es keine Eskalation gegeben hat: "Es ist eine unglaublich geordnete Veranstaltung gewesen." Es sei auch positiv ausgegangen, als die Mannschaft auf dem Markt aufgetaucht war und mitgefeiert hatte. Dies sei eine Entscheidung der Vereins gewesen.

Ausschreitungen im Stadtgebiet in der Nacht

Allerdings kam es in der Nacht dann doch zu Ausschreitungen: Gegen 23 Uhr sammelten sich rund 250 Personen - alkoholisiert und in Fanbekleidung des FC Hansa - im Bereich der Margaretenstraße und entzündeten einen mobilen Verkaufsstand. Beim Eintreffen der Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr wurden diese mit Pyrotechnik und Flaschen angegriffen. Es wurden Barrikaden aus Mülltonnen errichtet und angezündet. Bis 2.30 Uhr konnte die Polizei mit großem Einsatz den Platz räumen und der Feuerwehr die Löscharbeiten ermöglichen. Im Verlauf der Ausschreitungen wurden neben dem Verkaufsstand 20 Mülltonnen durch die Brände zerstört sowie mehrere geparkte PKW stark beschädigt. Das genaue Schadensausmaß ist noch unbekannt.

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Verbrannter Müll und verbrannte Mülltonnen am Rand einer Straße. © NDR Foto: NDR

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Einnahmen steigen deutlich

In der kommenden Saison werden die Mecklenburger Teil einer Zweiten Liga sein, die mit zahlreichen Großclubs und Möchtegern-Großclubs so prominent besetzt ist wie nie zuvor. 15 Spieler aus dem aktuellen Kader haben einen Vertrag für die Zweite Liga, die deutlich höheren Einnahmen aus TV-Geldern und Werbung geben Rostock zusätzliche Möglichkeiten, um das Team zu verstärken.

Rostock flattern die Nerven

Der letzte Schritt zum Aufstieg war jedoch deutlich steiniger als gedacht. Die bereits als Absteiger feststehenden Lübecker wollten nicht nur ein netter Gast bei der Aufstiegsfeier sein, sondern gingen mit vollem Engagement in die Partie und machten Hansa das Leben viel schwerer als erwartet. "Wir haben uns heute auf der letzten Rille ins Ziel gerettet", sagte Härtel.

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Hansa Rostocks Torwart Markus Kolke feiert mit seinem Sohn auf dem Arm den Aufstieg. © IMAGO / Fotostand

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Sein Team war nervös, fahrig und wirkte mit der Situation ein wenig überfordert. Die Lübecker Führung durch Soufian Benyamina (26.) machte es noch schlimmer. Entsetzen machte sich breit, die Partie hätte Hansa entgleiten können, da Ingolstadt gleichzeitig in Führung ging und nun vor dem FCH lag. Doch kurz vor der Pause wurde John Verhoek im Strafraum gefoult, Bentley Baxter Bahn verwandelte den Elfmeter sicher und sorgte für ein wenig Erleichterung (41.).

Kolke eröffnet die Feierlichkeiten

Doch für eine Beruhigung des Nervenflatterns sorgte der Ausgleich nicht wirklich. "Man hat deutlich gemerkt, dass wir was zu verlieren hatten", gab Löhmannsröben zu. Lübeck hatte auch in der zweiten Hälfte zunächst sehr viel Platz, konnte ihn aber nicht nutzen. Schließlich schwanden ein wenig die Kräfte beim Absteiger, sodass Hansa das Geschehen zumindest vom eigenen Tor fernhalten konnte.

Auf den Rängen wurde aus Anspannung mehr und mehr Vorfreude auf den Abpfiff. Dieser erfolgte nach 92 gespielten Minuten. Der Startschuss für die Aufstiegsparty, die Keeper Markus Kolke mit einer Magnumflasche Champagner einleitete. Es folgten mehrere Ehrenrunden, Bier- und Champagnerduschen: Für Hansa und seine zahlreichen Fans wird dieser 22. Mai noch lange Zeit in Erinnerung bleiben.

38.Spieltag, 22.05.2021 13:30 Uhr

Hansa Rostock

1

VfB Lübeck

1

Tore:

  • 0:1 Benyamina (26.)
  • 1:1 B.B. Bahn (41., Foulelfmeter)

Hansa Rostock: Kolke - Neidhart, Riedel, Roßbach, Scherff - Löhmannsröben, Rhein - Omladic (90. Butzen), B.B. Bahn (70. Vollmann), Türpitz (70. Herzog) - Verhoek
VfB Lübeck: Gommert - Thiel, Malone, Rieble, Hertner (83. Weißmann) - Mende, Boland - Y. Deichmann, Deters (72. Hebisch), Ramaj (72. Kircher) - Benyamina (30. Wolf)
Zuschauer: 7500

Weitere Daten zum Spiel

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 22.05.2021 | 13:30 Uhr

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