Stand: 15.11.2016 17:26 Uhr

Verbraucher-Kredit als Schuldenfalle

von Dörte Petsch & Leonie Puscher

Die Zahl der Menschen, die ihre Kredite nicht mehr abbezahlen können, steigt. Zu diesem Ergebnis kommt der am 10. November 2016 erschienene "SchuldnerAtlas" der Creditreform Wirtschaftsforschung. 6,8 Millionen Menschen in Deutschland sind demnach überschuldet.

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"Auch du kannst dir das leisten"

Zeitgleich nimmt auch die Zahl der Verbraucherkredite zu. Zahlreiche Fachmärkte und der Online-Handel werben mit günstigen Finanzierungen, oft mit null Prozent Zinsen. Das kommt bei vielen Kunden gut an. Ob nun das dringend benötigte Haushaltsgerät oder der lang gehegte Wunsch: Darauf sparen, das war gestern. Auf Pump kaufen liegt im Trend. Der Kaufbetrag kann meist über einen Zeitraum von sechs bis 24 Monaten abbezahlt werden. Alles ganz einfach, Anzahlung nicht nötig. Bei vielen Finanzierungen müssen lediglich Personalausweis und EC-Karte vorgelegt werden. Nach einer kurzen Online-Überprüfung der "Kreditwürdigkeit"  ist das Geschäft abgeschlossen. Die Händler sind hier allerdings nur Kreditvermittler. Das Geld kommt von einer Bank. Mit der schließt der Kunde einen Kreditvertrag ab. So kommt die Bank natürlich auch in den Genuss neuer Kundendaten.

Banken verdienen an Überschuldung

Schuldnerberater kritisieren, dass die Anzahl der Verbraucherkredite steigt. Die Angebote seien sehr verlockend und teilweise würden sie den Kunden förmlich aufgedrängt. Verbraucher liefen so Gefahr, in der Schuldenfalle zu landen. Volker Hertenstein arbeitet seit 22 Jahren als Schuldnerberater bei der Caritas Greifswald. In den Finanzierungsangeboten sieht er ein System: "Ein einzelner Ratenvertrag, der auf null Prozent läuft, ist nicht das Problem, sondern die Folgen, die sich daraus ergeben." So einer Finanzierung würden nicht selten weitere Angebote der Bank folgen und die seien dann eben nicht mehr zinsfrei. Da würden oft Jahreszinsen von 13 Prozent und mehr fällig. "Die Bank hat ein Interesse, dass sie sich verschulden, denn damit macht die Bank Gewinn", warnt Volker Hertenstein. Er und seine Kollegen beobachten, dass Menschen, die bereits viele verschiedene Kredite abbezahlen müssen, immer noch weitere bekommen. Zu dem zinsfrei erworbenen Computer oder TV-Gerät gibt es nicht selten eine Kreditkarte obendrauf. Die kann schnell zu neuen Schulden führen.

Schulden sind gesellschaftsfähig

Ob für das neue Mobiltelefon, für das Haus oder das neue Sofa, Schulden sind kein Tabu und kein Makel mehr. Bei den meisten Menschen kommt das System "Konsum auf Pump" gut an, und wenn dann auch noch Folgeangebote in Anspruch genommen werden, verdienen die Banken prächtig daran. Ein System, das ganz schnell zusammenbrechen könne, warnt Schuldnerberater Volker Hertenstein: "Häufige Überschuldungsursachen sind der Verlust von Arbeit, Krankheit, Trennung und Scheidung." Die überraschende Veränderung der Lebenssituation könne eine Zahlungsunfähigkeit auslösen. Und dann gibt es da noch die Menschen, die den Verlockungen der ach so günstigen Finanzierungen immer wieder und viel zu oft erliegen. Erst auf zu großem Fuß gelebt, dann überschuldet.

Dieses Thema im Programm:

Panorama 3 | 15.11.2016 | 21:15 Uhr

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