Stand: 19.10.2016 12:04 Uhr  | Archiv

Tipps zum Kauf von Ferngläsern

Ein Junge sieht mit einem Fernglas au einem Kornfeld © fotolia.com Foto: grafikplusfoto
Scheue Wildtiere beobachten - das geht am besten mit einem Fernglas. Denn wenn sie Menschen bemerken, nehmen sie schnell Reißaus.

Wer in Norddeutschland entlang der Küste oder in den Wäldern unterwegs ist, benötigt keine komplizierte Ausrüstung. Neben wettergerechter Kleidung und Bestimmungsliteratur lohnt es sich, ein Fernglas mitzunehmen. Denn die scheuen Wildtiere lassen sich oft nur aus größerer Entfernung beobachten. Verwirrend groß ist die Auswahl an Ferngläsern, entsprechend auch die Preisspannen. Welche Kriterien beim Fernglas-Kauf zu beachten sind:

Was will ich beobachten?

Zunächst einmal ist es wichtig zu wissen, für welchen Zweck man das Fernglas benötigt. Generell unterscheidet man zwischen schweren Großferngläsern und leichteren Reiseferngläsern. Einige Hersteller bieten auch Zwischengrößen an. Wer eine Wanderung an der Küste oder im Wald unternimmt und Tiere beobachten möchte, sollte kein allzu schweres Objekt wählen. "In diesem Fall wäre ein Reisefernglas meist völlig ausreichend. Ein Großfernglas ist wegen des hohen Gewichts und der größeren Verwacklung eher für stationäre Beobachtungen geeignet", erklärt Optiker Thomas Waldhelm aus Norderney.

Technische Daten eines Fernglases

Ein Junge schaut durch ein Fernglas © raperonzolo / photocase.de Foto: raperonzolo
Je mehr ein Fernglas vergrößert, umso unhandlicher und schwerer ist es. Daher sollte man gut überlegen, wofür man es braucht.

Die Leistung eines Fernglases wird mithilfe von zwei Zahlen angegeben. 10 x 50 bedeutet beispielsweise, dass das Glas zehnfach vergrößert. 50-fach gibt die Lichtausbeute an, das heißt, die Eintrittspupille ist 50 Millimeter breit. Mit einer achtfachen Vergrößerung lassen sich Kraniche oder Seehunde bereits gut beobachten. Wer allerdings in der Dämmerung unterwegs ist, sollte auf eine höhere Lichtausbeute achten. Auch für ältere Menschen empfiehlt Waldhelm eine größere Eintrittspupille, da die Augen unabhängig von der Sehstärke mehr Licht benötigen.

Fokussierung

Meistens erfolgt die Scharfstellung per Mitteltrieb, der oben auf dem Fernglas zwischen den beiden Okularen sitzt. Wer aufgrund einer Sehschwäche eine individuelle Einstellung für jedes Auge benötigt, kann ein Fernglas mit eine solchen speziellen Funktion erwerben. Allerdings kosten diese ab 300 Euro aufwärts.

Elektronische Bildstabilisierung: Pro und contra

Komfortabler, aber auch teurer ist eine elektronische Bildstabilisierung. Sie sorgt für ein schärferes, klareres und kontrastreicheres Bild. Allerdings wird das Gerät dadurch schwerer und empfindlicher bei Stürzen. Zudem sollte man stets Ersatzbatterien bereit halten. Günstige Ferngläser mit elektronischer Bildstabilisierung gibt es ab etwa 350 Euro.

Augenabstand und Augenmuscheln

Jeder Mensch hat einen individuellen Augenabstand, der sich meistens zwischen 56 und 76 Millimetern bewegt. Nicht jeder passt in dieses Maß, doch Walhelm beruhigt: "Für diejenigen, die einen größeren Augenabstand haben, gibt es entsprechende Modelle." Die Augenmuscheln bestehen aus weichem Kunststoff und sollen dafür sorgen, dass kein Licht von der Seite ins Sehfeld fällt. "Ob diese Verbindung zwischen Okular und Auge bequem ist, lässt sich nur durch Ausprobieren herausfinden", so Waldhelm, der außerdem rät: "Speziell Brillenträger sollten testen, ob sie ohne Beeinträchtigung sehen können."

Qualität der Gläser

Wichtig für ein gutes Seherlebnis ist laut Waldhelm die Qualität des verwendeten Glases. Es sollte frei von Blei, Arsen und anderen Zusatzstoffen sein, da hierdurch die Bildqualität schlechter wird. Für das Gehäuse werden heutzutage überwiegend Aluminium, Magnesium-Legierungen sowie Kunststoffverbindungen verwendet. Diese sollen genügend Stabilität bieten und gleichzeitig nicht zu schwer sein. Außerdem sollten sie unempfindlich gegenüber Temperaturschwankungen oder Nässe sein. Wichtig ist zudem der Schutz der Linsen, die nicht zerkratzen dürfen. Viele Ferngläser sind deshalb mit speziellen Schutzkappen ausgestattet.

Stark vergrößernde Spektive für Standortbeobachtungen

Ein Mann mit Brille schaut durch ein Fernglas. © NDR Foto: Hauke von Hallern
Der Einsatz eines Spektivs lohnt sich nur, wenn man für längere Zeit vom gleichen Standpunkt aus beobachtet.

Eine noch höhere Vergrößerung als Ferngläser bieten Spektive. Diese Monokulare oder Fernrohre können nur stationär mit Stativ eingesetzt werden. Denn aufgrund ihrer Bauweise und Länge sind sie deutlich schwerer als Ferngläser. Außerdem verlangt ihre hohe Vergrößerung nach einem sicheren Stand, da die Verwacklung sonst immens wäre. Zwar werden vergleichsweise günstige, kleine Spektive ab 200 Euro angeboten. Doch für ein gutes Spektiv kann man schnell mehr als 1.000 Euro ausgeben.

Weitere Informationen
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Dieses Thema im Programm:

NDR Fernsehen | Die schönsten Küsten im Norden | 20.01.2019 | 20:15 Uhr

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