Ein junges Paar mit roten Jacken sitzen auf dem Boden und schauen in einen Sonnenuntergang © Colourbox Foto: Poprotskiy Alexey

So gut sind Funktionsjacken wirklich

Sendedatum: 07.06.2021 21:00 Uhr

Wasserdicht, winddicht, atmungsaktiv: Diese Eigenschaften versprechen Funktionsjacken. Aber brauchen wir diese High-Tech-Textilien wirklich? Und stimmen die Angaben der Hersteller?

von Romy Hiller

Funktionsjacken sollen vor Wind und Nässe schützen und luftig genug sein, um nicht ins Schwitzen zu kommen. Es gibt sie in vielen Formen und Farben - und in fast jeder Preisklasse.

Membranen machen Funktionsjacken wetterfest

Damit die Jacken ihre funktionellen Eigenschaften erhalten, sind sie besonders aufgebaut. Mit Membranen, also dünnen Schichten zwischen Außenstoff und Innenfutter einer Jacke, die zum Beispiel für Atmungsaktivität sorgen sollen.

Durch die Membranen verdampft Schwitznässe von innen nach außen, gleichzeitig darf keine Feuchtigkeit von außen nach innen dringen. Die Trennschichten müssen also eine anspruchsvolle Doppelaufgabe erfüllen. Welche Unterschiede gibt es?

  • Mikroporöse Membranen, zum Beispiel Goretex, haben winzige Poren, durch die zwar Wasserdampfmoleküle entweichen, Wassertropfen aber nicht eindringen können. Namhafte Hersteller wie Arc’teryx, Patagonia, Adidas oder Mammut setzen darauf.
  • Hydrophile Membranen, zum Beispiel aus Polyurethan, haben keine Poren. Sie saugen die Schwitznässe auf und leiten sie nach außen. Verwendet werden die sogenannten PU-Membranen unter anderem von Bergans, Vaude oder Ortovox.

Jacken überzeugen im Labor - aber nicht alle bestehen den Praxistest

Eigene Stichproben des NDR in Zusammenarbeit mit dem Textilinstitut der Universität Dornbirn haben gezeigt: Im Labor halten alle Jacken, was die Hersteller versprechen. Im Praxistest jedoch zeigen sich deutliche Unterschiede. Während die Goretex-Membran Schweiß nahezu vollständig verdampft hat, entstand bei der PU-Membran nach kurzer Zeit Staunässe, die zu einem unangenehmen Feuchtigkeitsgefühl geführt hat.

Wie wichtig ist die Wassersäule?

Geht es um die Wassersäule ihrer Jacken, wollen sich die Hersteller schier überbieten: 10.000 Millimeter, 15.000 Millimeter oder gar 20.000 Millimeter Wassersäule sind keine Seltenheit mehr. Aber ist das auch sinnvoll?

Die Wassersäule gibt an, welchen Druck das Obermaterial einer Funktionsjacke aushält, bis der erste Wassertropfen hindurch gepresst wird. Ist beispielsweise von 10.000 Millimetern die Rede, wäre eine Jacke auch beim Druck einer Wassersäule von zehn Metern Höhe noch wasserdicht. Das Gewebe würde dem Druck des Gewichts trotzdem stand halten.

Überdimensionale Wassersäulen als Marketing-Masche?

In der Realität kommt das jedoch praktisch nicht vor, sagt Textilexpertin und Alpinwissenschaftlerin Alexandra Schweikart: "Im Alltag ist eine solche Wassersäule völlig überdimensioniert. Man sagt, dass ungefähr ab 1.000 Millimetern Wassersäule eine Jacke völlig dicht ist." Warum übertreffen sich die Hersteller dennoch mit immer neuen Rekordwerten? "Das Meiste wird produziert, weil es technisch machbar ist. Denn, je größere Zahlen die Hersteller auf ihre Jacken schreiben können, desto besser verkaufen sie sich", sagt Alexandra Schweikart.

Funktionsjacken - darauf sollte man beim Waschen achten

Wind, Regen, Matsch: Ein Outdoor-Tag hinterlässt Spuren. Auch wenn Funktionsjacken für solche Bedingungen gemacht sind und Schmutz einfach abgewischt werden könnte - irgendwann reicht das nicht mehr. Bevor die Funktionsjacken jedoch in der Waschmaschine landen, sollte man einiges beachten:

  • Funktionsjacken immer auf links und möglichst separat waschen. Durch das Bewegen in der Trommel mit anderen Stoffen, durch Reißverschlüsse oder Knöpfe, könnte die Funktionsschicht zu stark abgerieben und beschädigt werden.
  • Flüssigwaschmittel für Feines oder ein Spezialwaschmittel für Funktionstextilien verwenden. Pulverförmiges Waschmittel eignet sich nicht, da es sich unter Umständen bei niedrigen Temperaturen nicht vollständig auflöst und auf der Oberfläche absetzt.
  • Keinen Weichspüler verwenden. Dieser setzt sich in den Poren oder auf der Oberfläche der Membranen ab und könnte sie verstopfen. Die Jacke wäre nicht mehr atmungsaktiv und wasserdicht.
  • Nicht zu heiß waschen: Funktionstextilien sollten im Schonprogramm bei 30 Grad gewaschen und gut gespült werden. Nicht zu stark schleudern.

Weitere Informationen
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Dieses Thema im Programm:

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