Schadstoffe in Puzzles

Stand: 04.12.2020 10:53 Uhr

Puzzeln ist beliebt. Laboruntersuchungen zeigen jedoch: In manchen Puzzles sind Stoffe, die dort nichts zu suchen haben sollten.

von Wiebke Neelsen

Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel – diese Symptome können auftreten, wenn flüchtige organische Stoffe in der Raumluft vorhanden sind. Dabei gibt es keine Grenzwerte für diese wissenschaftlich als VOC (volatile organic compounds) bezeichneten Verbindungen. Allerdings gibt es Leitwerte des Umweltbundesamtes: Werte über 0,3 Milligramm pro Kubikmeter in der Raumluft können bedenklich sein, wenn es Richtwert-Überschreitungen bei Einzelstoffen gibt. Jetzt wurden solche Stoffe bei einer Laboruntersuchung zwar nicht in der Raumluft, aber beim Ausgasen aus Puzzles nachgewiesen.

Viele Puzzles überschreiten VOC-Leitwert

Markt hat folgende Puzzles auf VOC untersuchen lassen:

  • eines vom Hersteller Vatos, gekauft auf Amazon
  • ein Spiel eines chinesischen Herstellers, bestellt auf dem Portal Wish
  • ein Puzzle vom Marktführer Ravensburger
  • und ein Puzzle gekauft bei Woolworth.

Alle enthielten VOC: Das von Wish enthielt umgerechnet etwas mehr als 0,3 Milligramm VOC pro Kubikmeter. Das Puzzle von Amazon und das von Ravensburger enthielten jeweils rund 0,5 Milligramm pro Kubikmeter. Das Puzzle von Woolworth hatte sogar rund 0,9 Milligramm VOC pro Kubikmeter.

Allerdings hat das Labor in einer sogenannten Prüfkammeruntersuchung lediglich ermittelt, ob VOC aus den Puzzles ausgasen – nicht jedoch, ob VOC auch in der Raumluft messbar sind. Die Leitwerte des Umweltbundesamtes gelten nur für die Raumluft, nicht für Werte, die aus Produkten ausgasen. Dazu wäre eine separate Untersuchung vor Ort, also: nicht unter Labor-Bedingungen erforderlich. Allerdings: "Die höchsten Konzentrationen sind zu erwarten, wenn das Puzzle neu geöffnet wird und dann ist die Wahrscheinlichkeit am höchsten, dass diese VOC-Konzentrationen auch sofort in der Raumluft vorhanden sind und der Verbraucher damit in Kontakt kommt", erklärt Susanne Michaluk vom Labor für Innenraumtoxikologie Dr. Blei.

VOC finden sich in Farben und Kleber

Die Hersteller äußern sich auf die konkrete Frage, warum sie VOC in den Puzzles einsetzen, nicht oder geben vage Hinweise auf die Produktion. Ravensburger schreibt beispielsweise, man sei mit Lieferanten im Gespräch, um VOC künftig "... im Rahmen des technisch Machbaren noch effektiver zu vermeiden."

Susanne Michaluk kann daher nur vermuten, warum die Stoffe in Puzzles gefunden wurden: „Bei Betrachtung der Einzelkomponenten und ihrer Eigenschaften kann man davon ausgehen, dass es hauptsächlich in Farbbestandteilen, Lacken und Beschichtungen vorkommt, aber auch in Kleberschichten, die auch in der Produktion Anwendung finden.“ Woolworth schreibt, das Produkt entspreche den Anforderungen der geltenden Richtlinien. Das sei die falsche Herangehensweise, so Michaluk: "Die Hersteller dürfen bestimmte kritische Substanzen tatsächlich verwenden. Man kann nur an die Hersteller appellieren: Werdet noch besser als das, was der Gesetzgeber von euch fordert, versucht, mit Alternativen zu arbeiten, damit bestimmte Stoffe gar nicht mehr enthalten sind."

Woolworth schreibt, das Produkt entspreche den Anforderungen der geltenden Richtlinien. Das sei die falsche Herangehensweise, so Michaluk: "Die Hersteller dürfen bestimmte kritische Substanzen tatsächlich verwenden. Man kann nur an die Hersteller appellieren: Werdet noch besser als das, was der Gesetzgeber von euch fordert. Versucht, mit Alternativen zu arbeiten, damit bestimmte Stoffe gar nicht mehr enthalten sind."

Zum Schutz vor VOC: Puzzle auslüften

Sowohl das Labor als auch eine Allgemeinärztin empfehlen, neue Puzzles grundsätzlich erst einmal an der frischen Luft auslüften zu lassen, damit die Konzentration von VOC im Puzzle abnimmt. Auch während des Puzzelns könne es helfen, ab und zu für eine gute Durchlüftung zu sorgen. Unklar ist jedoch, ob es bei einer längeren Lagerung in der Verpackung wieder zu einer Aufkonzentrierung von VOC kommt. Erneutes Auslüften vor dem Puzzlespaß wirkt dem entgegen.

Dieses Thema im Programm:

Markt | 07.12.2020 | 20:15 Uhr

NDR Logo
Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: https://www.ndr.de/ratgeber/verbraucher/Schadstoffe-in-Puzzles,puzzle232.html

Mehr Verbrauchertipps

Ein Autofahrer kratzt Eis von der Frontscheibe seines Wagens. © Colourbox

Eis kratzen: So werden Autoscheiben eisfrei

Wenn Autoscheiben im Winter zugefroren sind, muss das Eis runter, bevor die Fahrt beginnt. Mit diesen Tipps klappt es. mehr

Ein Mann schneidet zu Hause einer Frau die Haarspitzen. © picture alliance/ Zoonar Foto: Robert Kneschke

Weg mit "Corona-Matte" im Lockdown: Haare selbst schneiden

Sich selbst die Haare schneiden, weil der Friseurbesuch gerade nicht drin ist - das ist nicht einfach, aber möglich. mehr

Medizinische OP-Masken und FFP-2-Masken liegen auf einem Tisch. © NDR Foto: Anja Deuble

OP- und FFP2-Masken: Wie gut schützen sie vor Corona?

Masken schützen vor der Verbreitung von Coronaviren, aber nicht alle wirken gleich gut. Unterschiede und Tipps zur Aufbereitung. mehr

Ein altes Fotoalbum © photocase.de Foto: Margot Kessler

Analoge Fotos digitalisieren - so geht’s

App, Flachbettscanner oder Albumscanner - es gibt mehrere Möglichkeiten, alte Fotos zu digitalisieren. mehr