Stand: 02.06.2020 16:33 Uhr

Plastikmüll beim Einkauf und zu Hause vermeiden

Gurken, Limetten und Paprika in Folie, Schnittkäse und Aufschnitt in Plastikverpackungen, Joghurt in Kunststoffbechern. Wer Lebensmittel einkauft und zu Hause auspackt, steht meist vor einem stattlichen Plastikberg. Jeder Bundesbürger sorgt im Schnitt für 38 Kilogramm Plastikmüll pro Jahr. Dieser Müll wird weltweit immer mehr zu einem Problem, weil er meist nicht recycelt wird, sondern Natur und Meere verschmutzt. Die Corona-Pandemie sorgt derzeit für noch mehr Kunststoffabfälle: So verkaufen Restaurants häufig Speisen zum Mitnehmen - meist in Plastikbehältern.

Einkauf: Stofftaschen und Mehrwegnetze mitnehmen

Der einfachste Weg, den eigenen Plastikberg zu verkleinern: Auf Plastik verzichten, wenn es Alternativen gibt wie unverpacktes Obst und Gemüse. Milch und Joghurt sind meist auch in Glasbehältern erhältlich. Doch selbst bei Glas gilt: Die Ökobilanz fällt häufig nur gut aus, wenn es mehrfach verwendet wird und der Inhalt aus der Region stammt. Statt Plastiktüten zu kaufen, ist es hilfreich, Stofftaschen wiederholt zu nutzen.

Eine Supermarktkundin legt Äpfel in ein Mehrwegnetz © Picture-Alliance / Real GmbH
Wer die Umwelt schonen möchte, kauft unverpacktes Obst und Gemüse und benutzt ein Mehrwegnetz.

In vielen Supermärkten werden Mehrwegnetze angeboten, die an Wäschebeutel erinnern und in denen mehrfach Obst und Gemüsebtransportiert werden können. Sie wiegen etwas mehr als der typische dünne Plastikbeutel, deshalb bieten einige Supermärkte Varianten mit einem Barcode-Etikett an. Es hilft, an der Scannerkasse automatisch das tatsächliche Gewicht der gekaufen Ware zu ermitteln. Das funktioniert allerdings nur in den Supermarkt- oder Discounter-Ketten, in denen Kunden den Beutel gekauft haben. Stammt das Netz aus einem anderen Laden, müssen Käufer die Ware an der Kasse herausnehmen oder den geringen Aufpreis in Kauf nehmen. Leider werden auch die Mehrwegnetze meist aus Kunststoff-Fasern wie Polyester hergestellt.

Verpacktes Obst und Gemüse dominiert Handel

Ein in Plastik verpackter Brokkoli und ein unverpackter. © colourbox Foto: colourbox
Noch immer ist der Anteil von verpacktem Obst und Gemüse im Handel hoch.

Doch selbst wenn der umweltbewusste Verbraucher mit Mehrwegnetz und umweltfreundlicher Einkaufstasche ausgerüstet ist, macht es ihm der Handel noch immer schwer, unverpacktes Obst und Gemüse zu kaufen. Eine Studie, in der die Verbraucherzentrale die acht wichtigsten deutschen Lebensmittelhändler untersucht hat, kam 2019 zu dem Ergebnis, dass fast zwei Drittel der Ware in Plastik verpackt angeboten wurden. Dabei war die Quote unter den Discountern mit bis zu 81 Prozent besonders hoch. Ärgerlich ist auch, dass Kunden im Durchschnitt für unverpacktes Obst und Gemüse deutlich mehr bezahlen müssen.

Im Haushalt auf Plastik verzichten

Frischhaltedosen © fotolia.com Foto: PhotoSG
Frischhaltedosen sind praktisch und können anders als Folie immer wieder verwendet werden.

Einfacher als beim Einkauf ist es, im Haushalt auf Plastik zu verzichten: Gläser statt Plastikbecher, Metall-Besteck statt Einweg-Gabeln, Leitungs- statt Mineralwasser, Frischhalteboxen und Bienenwachstücher statt Frischhaltefolie. Zum Abwaschen und Putzen eignen sich Luffa-Schwämme, sie sind vollständig biologisch abbaubar. Das reduziert nicht nur die Müllmenge, sondern spart auch bares Geld. Viele Produkte sind in Verpackungen mit viel, wenig oder ganz ohne Plastik erhältlich. Dann können Kunden entscheiden: ein Laib frisches Brot statt geschnittenes im Plastikbeutel, ein Stück Seife statt Flüssigseife oder Duschgel, Waschpulver im Karton statt Flüssig-Waschmittel.

Mitraten
Plastikmüll auf Mülldeponie © colourbox

Quiz zum Plastikwahnsinn: Kennen Sie die Fakten?

Wie viel Plastikmüll produzieren die Deutschen, wie viel davon wird recycelt und wie viele Kunststoffabfälle landen Jahr für Jahr in unseren Meeren? Testen Sie Ihr Wissen im Quiz! Quiz

Bioplastik als Alternative?

Als moderne Alternative zu Kunststoffen aus Erdölprodukten wird immer häufiger sogenanntes Bioplastik wie Polylactide (PLA) angeboten. Es basiert auf pflanzlichen Rohstoffen - etwa Mais, Zuckerrohr oder Milchsäure. Der Verbraucherzentrale Bundesverband hält den Begriff "bio" in diesem Zusammenhang allerdings für irreführend und spricht von "Agrokunststoff". Theoretisch seien PLA zwar kompostierbar, jedoch nur bei hohen Temperaturen, die erst in professionellen Anlagen erreicht würden. Im heimischen Kompost oder in der freien Natur verlaufe der Abbau sehr langsam.

Misch-Kunststoffe, die lediglich Bio-Anteile enthalten, lassen sich gar nicht kompostieren. Auch das Umweltbundesamt sieht die Verwendung von Biokunststoffen kritisch und weist darauf hin, dass sie nicht über die Biotonne entsorgt werden dürfen, sondern in den gelben Sack gehören.

Weitere Informationen
Plastikverzicht an der Fleischtheke: durch eine Frischebox, die immer wieder verwendet wird. © NDR/nonfictionplanet
30 Min

Wie ich auf Plastik verzichten kann

Plastikverpackungen sind praktisch, aber sie verrotten gar nicht oder nur langsam. Die Vermüllung auch der Nordsee ist dramatisch. Wie lässt sich Plastik im Alltag vermeiden? 30 Min

Aus einer gelben Wertstofftonne ragt Plastikmüll hervor. © imago/Gottfried Czepluch

Was darf in Wertstofftonne und Gelben Sack?

Worin unterscheiden sich Gelbe Tonne und Wertstofftonne und warum sollte der Deckel vom Joghurtbecher abgetrennt werden? Wir erklären, worauf es beim Mülltrennen ankommt. mehr

Wiederverwendbare Strohhalme im Vergleich
7 Min

Wiederverwendbare Strohhalme im Vergleich

Plastik-Trinkhalme sind in der EU ab 2021 verboten. Sind Strohhalme aus Papier, Bambus, Edelstahl und Nudeln eine umweltfreundliche Alternative? 7 Min

Gemüse in Plastik verpackt. © fotolia Foto: diecidodic

Fragen und Antworten zum Plastikwahnsinn

Rund 38 Kilogramm Plastik-Verpackungsmüll produziert jeder Bundesbürger pro Jahr. Wie steht es um die Wiederverwertung? mehr

Plastik, Müsli

Leben ohne Plastik: Kann das gelingen?

Ein Leben ohne Plastik probiert Markt Autor Uwe Leiterer im Selbstversuch aus. Gelingt der Verzicht auf Verpackungsmüll? Und wie wirkt er sich auf die Gesundheit aus? mehr

Dieses Thema im Programm:

Mein Nachmittag | 02.06.2020 | 16:20 Uhr

Mehr Verbrauchertipps

zwei Bratpfannen mit Speck und Spiegelei © colourbox Foto: Sunny Forest

Pfannen kaufen und richtig pflegen

Pfannen gibt es aus Gusseisen und Edelstahl, mit Teflon oder Keramik beschichtet. Welches sind die Vor- und Nachteile? mehr

Eine Frau befreit einen Gehweg vor ihrem Wohnhaus vom Schnee. © picture alliance / dpa Themendienst Foto: Tobias Hase

Winterdienst: Wer muss wann Eis und Schnee räumen?

Bei Schnee und Eis müssen Anlieger tagsüber die Gehwege vor ihrem Grundstück räumen. Die wichtigsten Regeln im Überblick. mehr

Eine Photovoltaikanlage auf dem Dach eines Einfamilienhauses. © imago images / U. J. Alexander

Photovoltaikanlagen: Vorteile, Kosten und Fördermittel

In den letzten Jahren ist die Einspeisevergütung für Solarstrom gesunken. Trotzdem kann sich die Investition lohnen. mehr

Ein Teller mit kurz angebratenem Tunfisch © picture alliance / Zoonar Foto:  H.LEITNER

Thunfisch: Qualität erkennen und richtig einkaufen

Thunfisch ist nicht nur bei Sushi-Fans beliebt. Aber wie erkennen Verbraucher eine gute und nachhaltige Qualität? mehr