Eine Frau sitzt an einem Laptop, auf dem ein Mann beim Videochat zu sehen ist. © Colourbox Foto: Aleksandr

Homeoffice-Pflicht fällt weg: Was bedeutet das?

Stand: 01.07.2021 12:23 Uhr

Mit dem Auslaufen der "Bundes-Notbremse" am 30. Juni ist die Pflicht für Arbeitgeber entfallen, ihren Beschäftigten die Arbeit im Homeoffice zu ermöglichen. Was heißt das für Arbeitnehmer?

Das Ende der Homeoffice-Pflicht bedeutet nicht, dass alle Arbeitnehmer sofort unter normalen Bedingungen an den Arbeitsplatz zurückkehren müssen. Unternehmen müssen weiterhin Corona-Maßnahmen aufrechterhalten. Dazu gehört die Begrenzung der Zahl der Beschäftigten in geschlossenen Räumen, die Erstellung von Hygieneplänen und zwei Tests pro Woche. Das ist in der neuen Corona-Arbeitsschutzverordnung geregelt, die mit dem 1. Juli in Kraft getreten ist und bis zum 10. September gelten soll.

Viele Unternehmen ermöglichen weiterhin Homeoffice

Viele Unternehmen bieten ihren Beschäftigten auch weiterhin freiwillig an, von zu Hause aus zu arbeiten, um sie bestmöglich vor einer möglichen Infektion zu schützen. So räumt Volkswagen seinen Beschäftigten weiterhin die Möglichkeit zur Heimarbeit ein, bei der TUI können Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz frei wählen. Auch die niedersächsische Landesverwaltung ermöglicht das Arbeiten von zu Hause aus. Andere Arbeitgeber kehren schrittweise zur Präsenz am Arbeitsplatz zurück.

Nach Angaben des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) haben Beschäftigte und Arbeitgeber in vielen Unternehmen gute Erfahrungen mit dem Homeoffice gemacht. "Deswegen wollen viele daran festhalten", erklärte Oliver Stettes, Leiter des Kompetenzfeldes Arbeitsmarkt und Arbeitswelt beim IW.

Nicht ohne Erlaubnis im Homeoffice bleiben

Das Arbeiten im Homeoffice basiert allerdings immer auf einer einvernehmlichen Vereinbarung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Es könne weder einseitig beschlossen oder angeordnet werden, so die Berliner Arbeitsrechtlerin Alicia von Rosenberg. "Jeder Arbeitnehmer muss an seinen Arbeitsplatz im Betrieb zurückkehren, wenn der Arbeitgeber dies anordnet - auch inmitten der Corona-Pandemie, es sei denn, der Gesetzgeber kommt aufgrund einer veränderten Pandemie-Lage zu dem Schluss, erneut Sonderregelungen zu erlassen."

Viele Beschäftigte möchten weiter zu Hause arbeiten

Unabhängig von Corona wünschen sich viele Beschäftigte, dauerhaft nach Bedarf im Homeoffice oder mobil arbeiten zu können. Das ergab eine Befragung der Krankenkasse DAK-Gesundheit in mehreren Bundesländern. In Niedersachsen etwa können sich 41 Prozent der Befragten vorstellen, in Zukunft mindestens die Hälfte ihrer Zeit von zu Hause aus zu arbeiten. Hinzu kommen 10 Prozent, die kaum noch ins Büro möchten.

DGB fordert dauerhafte gesetzliche Regelung, Arbeitgeber dagegen

Der Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) fordert einen Rechtsanspruch auf Homeoffice oder mobiles Arbeiten. Viele Beschäftigte wünschten sich für die Zukunft einen gesunden Mix aus Präsenzarbeit und der Möglichkeit, mobil arbeiten zu können, so DGB-Chef Reiner Hoffmann. "Zu diesem gesunden Mix gehören aber klare Spielregeln". Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände lehnt dies ab. "Eine Homeoffice-Regulierung ist weder nötig noch sinnvoll", sagte deren Hauptgeschäftsführer Steffen Kampeter. "Damit die Wirtschaft wieder in Fahrt kommt, braucht sie die richtigen Rahmenbedingungen: Flexibilität und Freiräume für Innovationen statt weiterer Regulierungen."

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NDR Info | 30.06.2021 | 14:00 Uhr

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