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Fahrraddiebstahl: Fahrradschlösser im Vergleich

Stand: 13.09.2021 10:15 Uhr

Fahrradschlösser sollen einen Diebstahl verhindern. Doch nicht alle Modelle bieten den gleichen Schutz - manche sind sekundenschnell geknackt. GPS-Tracker und Versicherungen helfen beim Verlust des Rades.

von Romy Hiller und Christian Lang

Fahrraddiebstahl ist ein weit verbreitetes Phänomen: Mehr als 260.000 Fahrraddiebstähle wurden laut Bundeskriminalamt im Jahr 2020 registriert.  Schutz davor bieten Fahrradschlösser. Wichtig beim Kauf ist allerdings die Wahl des richtigen Schlosstyps. Auch beim Abschließen selbst ist einiges zu beachten.

Fahrradschloss-Typen im Überblick

Beim Kauf haben Radfahrer die Wahl zwischen diesen häufig angebotenen Schlosstypen:

  • Faltschloss
  • Kettenschloss
  • Bügelschloss
  • Spiralschloss

Faltschloss: Auf die Länge achten

Weit verbreitet sind Faltschlösser: Sie bestehen aus mehreren Gliedern, die in der Regel aus extra gehärtetem Stahl gefertigt wurden und über Gelenke miteinander verbunden sind. Die Halterung für das Faltschloss wird am Fahrradrahmen angebracht. Ein Faltschloss muss lang genug sein, um das Fahrrad an einem Laternenpfahl, Geländer oder Fahrradständer anschließen zu können.

Kettenschloss: Schwer zu transportieren

Deutlich flexibler sind Kettenschlösser: Sie sind aus verschiedenen Segmenten zusammengesetzt, lassen sich aber in alle Richtungen bewegen und damit leicht an Gegenständen befestigen. Allerdings gibt es für Kettenschlösser oft keine Halterung. Viele Radfahrerinnen und Radfahrer transportieren das kiloschwere Schloss am Lenker, im Rucksack oder um den Hals. Wer ein Kettenschloss kauft, sollte darauf achten, dass alle Ringe der Kette einzeln verschweißt sind und nicht an der Naht aufgehebelt werden können. Wegen ihres hohen Gewichts sind Kettenschlösser nicht zu empfehlen, wenn man Wert auf ein besonders leichtes Rad legt.

Bügelschloss: Breite des Bügels wichtig

Im Gegensatz zu Faltschlössern oder Kettenschlössern sind Bügelschlösser starr. Mit einem Bügel in U-Form lässt sich der Fahrradrahmen an ein Geländer oder Fahrradständer anschließen. Hochwertige Bügelschlösser aus Stahl sind schwer zu knacken, allerdings sind Bügelschlösser für Laternenpfähle oft zu schmal. Deshalb sollte man beim Kauf auf einen möglichst breiten Bügel achten.

Spiralschloss: Leicht zu knacken

Viele Radfahrer schwören auf das Spiralschloss, auch Kabelschloss oder Kringelschloss genannt. Es ist günstig, extrem leicht und lässt sich sehr weit auseinanderziehen. Dadurch ist das Spiralschloss äußerst flexibel. Der entscheidende Nachteil: Diebe haben bei Spiralschlössern leichtes Spiel. Der mit Kunststoff ummantelte Draht lässt sich mit einem kleinen Bolzenschneider leicht durchtrennen. Deshalb sollte man ein Spiralschloss nur zur Sicherung von Zubehörteilen wie Helm oder Korb verwenden.

Tipps zum Fahrradschloss-Kauf

  • Auf ein hohes Sicherheitslevel achten: Einige Hersteller haben ihre eigene Skala, zum Beispiel von 0 bis 6 oder von 0 bis 15. Je höher der Wert, umso schwieriger soll das Schloss zu knacken sein.
  • Das Schloss sollte etwa 10 Prozent des Fahrradpreises kosten.
  • Wer sein Rad mit zwei Schlössern sichert, sollte zwei unterschiedliche Schlosstypen verwenden.
  • Zahlenschlösser sind sicherer als Schlösser mit einem Schlüssel, weil sie nicht mit einem sogenanntem Lockpicking-Besteck geknackt werden können. Mit solchen Werkzeugen arbeiten viele Fahrraddiebe.

Fahrradschloss-Test der Stiftung Warentest

Die Stiftung Warentest hat Fahrradschlösser aller Kategorien auf Sicherheit, Handhabung und Schadstoffe getestet. Die Testsieger:

  • Faltschloss: Abus Bordo Granit Xplus 6500/110
  • Kettenschloss: Abus Citychain 1010/110 und Kryptonite Kryptolok 990
  • Bügelschloss: Abus Granit Xplus 540/160HB2 und Decathlon B’Twin 940

Auch der Verband der Schadensversicherer (VDS) testet regelmäßig Schlösser für Zweiräder. Auf dessen Homepage gibt es unter der Rubrik "Einbruch und Diebstahl“ Empfehlungen für stabile Schlösser.

Fahrrad richtig abschließen

Das beste Schloss nützt nichts, wenn nur Rad und Rahmen zusammengeschlossen werden. Diebe können das Fahrrad dann einfach wegtragen und zum Beispiel in einem Lieferwagen abtransportieren. Die Polizei empfiehlt, Hinterrad und Rahmen an einen festen Gegenstand zu schließen. Das Schloss sollte möglichst weit oben angebracht werden, damit der Untergrund nicht als Widerlager für Werkzeuge wie Bolzenschneider dienen kann. Wer auf Nummer sicher gehen will, schließt mit einem zusätzlichen Schloss auch an einer zweiten Stelle an. Empfehlenswert ist es, hierfür ein zweites Schlosssystem zu benutzen, da sich Diebe häufig auf einen Schlosstypus spezialisiert haben.

Gestohlenes Fahrrad per GPS orten

Wer sein Fahrrad oder Pedelec mit einem versteckten GPS-Sender ausstattet, kann mit Hilfe der dazugehörigen Software den Standort des Rades lokalisieren. GPS-Sender gibt es im Fachhandel, teilweise werden sie auch schon vom Hersteller verbaut. Sollte das Rad unbefugt bewegt werden, wird eine Nachricht auf das Smartphone geschickt und der Peilsender zeigt in Echtzeit den aktuellen Standort an. So können Diebstahl-Opfer der Polizei entsprechende Hinweise zum Verbleib des gestohlenen Rades geben.

Fahrrad identifizieren per Rahmennummer und Fahrradcodierung

Auf vielen Fahrrädern ist von den Herstelleren eine individualisierte Rahmennummer eingestanzt. Diese sollten sich Besitzerinnen und Besitzer notieren und gut aufbewahren. Im Fall eines Diebstahls können sie die Rahmennummer der Polizei mitteilen. So kann das Rad dem rechtmäßigen Besitzer zugeordnet werden, falls es gefunden wird. Die örtlichen Polizeidienststellen führen auch regelmäßig Fahrrad-Codier-Aktionen durch. Hier registriert die Polizei das Rad und klebt einen deutlich sichtbaren Aufkleber drauf, der Fahrraddiebe abschrecken soll. Auch einen polizeilichen Fahrradpass kann man mit Hilfe von kostenlosen Apps auf dem Smartphone anlegen. In dem Pass sind Beschreibungen und Fotos des Rades gespeichert. Sollte das Rad verschwinden, kann die Polizei anhand der Merkmale des Fahrrades besser ermitteln.

Rad gestohlen? Die Hausratversicherung kann helfen

Über die Hausratversicherung sind Fahrräder eines Haushaltes mitversichert, die aus geschlossenen Räumen wie Haus und Wohnung oder verschlossenen Garagen und Kellern entwendet werden. Häufig lässt sich dieser Schutz durch Zusatzbausteine so erweitern, dass er auch außerhalb der eigenen vier Wände greift. Die Höhe der Beitragssumme richtet sich dabei nach dem Wert der Fahrräder und nach dem Diebstahlrisiko am Wohnort. Die Entschädigungssumme ist limitiert, sodass beim Diebstahl mehrerer Räder aus einem Haushalt oder eines hochwertigen Rades die Auszahlungssumme eventuell nicht ausreicht, um den entstandenen Schaden auszugleichen. Nach einem Schadensfall darf der Versicherer die Versicherung zudem kündigen.

Spezielle Fahrradversicherungen

Fahrradversicherungen werden von so gut wie allen Versicherungen angeboten und können unter anderem beim Fahrradhändler oder online abgeschlossen werden. Meist wird der Neuwert des Rades ersetzt. Einige Versicherer zahlen jedoch nur den Zeitwert oder ziehen eine Selbstbeteiligung ab. Auch Räder, die per Raub abhandenkommen oder im öffentlichen Raum gestohlen werden, fallen dann unter den Versicherungsschutz. Vorausgesetzt, sie sind im Fall eines Diebstahls an einen festen Gegenstand angeschlossen.

In der Regel muss man jedes Fahrrad einzeln versichern. Die Vertragslaufzeit beträgt meist ein Jahr und verlängert sich automatisch, sollte nicht fristgerecht eine Kündigung eingehen. Einige Anbieter begrenzen die Laufzeit auf drei oder fünf Jahre. Während bei einigen Versicherern das Alter des Fahrrades keine Rolle spielt, können die Käufer eines neuen Rades bei anderen Versicherungen nur innerhalb der ersten drei bis sechs Monate nach dem Kauf einen Vertrag abschließen. Teilweise werden Rabatte gewährt, zum Beispiel wenn GPS-Sender im Rad verbaut sind oder Käufer in Fahrradclubs organisiert sind.

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Dieses Thema im Programm:

Die Tricks | 13.09.2021 | 21:00 Uhr

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