Stand: 14.05.2020 12:23 Uhr  - NDR 1 Welle Nord

Werften German Naval Yards und Lürssen kündigen Fusion an

von Christoph Prössl und Christian Wolf

Es ist ein erster Schritt in der Konsolidierung des Marineschiffbaus in Norddeutschland: Die beiden Unternehmen Lürssen und German Naval Yards aus Kiel haben mitgeteilt, sich geeinigt zu haben. Es soll ein neues Unternehmen unter Führung der Bremer Lürssen-Gruppe entstehen, zu der unter anderem auch Blohm + Voss in Hamburg sowie die Peene-Werft in Wolgast gehört. Die internationale Wettbewerbsposition norddeutscher Werften solle so gestärkt werden.

Beide Unternehmen hatten sich um den rund 5,5 Milliarden-Euro-Auftrag für vier Schiffe der Deutschen Marine beworben. Den Zuschlag für das Mehrzweckkampfschiff "MKS 180" erhielt schlussendlich die niederländische Damen-Werft mit Lürssen. German Naval Yards ging leer aus und leitete rechtliche Schritte ein. Aus den Konkurrenten wird nun ein Unternehmen.

Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister begrüßt Entscheidung

Der Zusammenschluss der beiden Werften ist zwar vertraglich vereinbart worden, muss aber noch von der Kartellbehörde abgesegnet werden. Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) begrüßte die Ankündigung: "Das ist ein erster Schritt einer Konsolidierung im Marineschiffbau. Ich glaube aber auch, dass es weitere Schritte braucht", sagte der Minister. Die Konsolidierung ist auch aus Sicht von Gewerkschaften und der Politik wichtig, um sich international durchzusetzen. Deutsche Unternehmen müssen im Wettbewerb oft gegen Staatskonzerne wie in Italien und Frankreich antreten. So vergibt die französische Regierung Aufträge fast ausschließlich national.

Werft-Verantwortliche betonen Wichtigkeit der Fusion

Der Chef der obersten Konzerngesellschaft von German Naval Yards, Iskandar Safa von der Privinvest Holding, sagte: "Die Konsolidierung in Deutschland ist längst überfällig." Die Kunden bräuchten "Partner, die über die Größe und die Fähigkeit verfügen, umfangreiche, strategisch wichtige Aufträge zu erfüllen". Friedrich Lürßen, Gesellschafter der Lürssen-Gruppe, ergänzte, dass die Zusammenarbeit die Wettbewerbsfähigkeit beider Werften stärken könne.

Gewerkschaft fordert Sicherung der Jobs

Die IG Metall Küste fordert, dass bei der geplanten Fusion, die Arbeitsplätze und Standorte gesichert werden. "Wir erwarten verbindliche Zusagen", sagte Daniel Friedrich, Bezirksleiter der IG Metall Küste. Und die Tarifverträge müssten bei der Fusion erhalten bleiben. In dem Zusammenschluss der beiden Unternehmen sieht die IG Metall eine Stärkung des Marine-Überwasserschiffbaus in Deutschland. "Die Fusion kann allerdings nur ein erster Schritt sein. Bei der weiteren Konsolidierung muss Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) einbezogen werden", sagte Friedrich. "Es braucht eine Gesamtlösung für Unter- und Überwasserschiffbau in Deutschland, um dann eine europäische Strategie zu entwickeln."

Marine-Schiffbau ist Schlüsseltechnologie

In den vergangenen Wochen hatten Vertreter der beiden Firmen nach Informationen des NDR auch mit dem Management von ThyssenKrupp gesprochen. Zu dem Essener Konzern gehört ThyssenKrupp Marine Systems in Kiel. Angedacht war eine Kooperation der drei norddeutschen Werften. Die Bundesregierung moderierte die Gespräche. Hintergrund der Fusion ist eine Stärkung des Marineschiffbaus. Das ist politisch gewollt. Die Bundesregierung hat den Bau von Fregatten und Korvetten als "Schlüsseltechnologie" definiert. Das heißt, Aufträge der Bundeswehr müssten künftig nicht mehr europäisch ausgeschrieben werden.

ThyssenKrupp hat andere Optionen

Der Essener Industriekonzern ThyssenKrupp verfolgt offenbar mehrere Pläne für seine Werftentochter TKMS aus Kiel. Laut der Nachrichtenagentur Reuters führt das Unternehmen Gespräche mit der italienischen Werft Fincanteri über ein europäisches Bündnis. Beide Werften kooperieren schon seit Längerem beim Bau von U-Booten. Die italienische Marine verfügt über die gleichen Boote mit Brennstoffzelle wie die Deutsche Marine. Das mögliche Joint Venture wäre ein europäischer Player mit einem Umsatz von rund drei Milliarden Euro.

Aber auch eine Kooperation des neuen Unternehmens unter Führung von Lürssen mit TKMS beim Bau von Marineschiffen sei denkbar, heißt es. Der Essener Konzern ThyssenKrupp hat gerade seine Aufzugsparte verkauft und stellt sich neu auf. Die Tochter TKMS ist mit rund 6.000 Angestellten die größte Werft für Marineschiffbau im Norden.

"MKS 180"-Vergabe sorgte für Kritik

Als Anfang des Jahres der größte Auftrag der Deutschen Marine zum Bau des Mehrzweckkampfschiffs "MKS 180" an die niederländische Damen-Werft ging, gab es massive Kritik seitens der IG Metall Küste und auch aus der Politik der norddeutschen Länder. Alle Seiten forderten eine Konsolidierung der deutschen Wirtschaft, damit diese Branche sich gegen internationale Wettbewerber, die teilweise in Staatshand sind wie die französische NAVAL Group, behaupten können.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Menschen in Schleswig-Holstein | 14.05.2020 | 06:00 Uhr

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