Stand: 09.03.2020 05:00 Uhr  - NDR 1 Welle Nord

Tierversuche in SH: 48.000 Tiere eingesetzt

Von Katharina Kücke und Carsten Rauterberg

Ratten, Mäuse und Schweine, aber auch Schafe, Hühner und Fische - all diese Tierarten werden in Schleswig-Holstein für Tierversuche eingesetzt. Mehr als 48.000 einzelne Tiere waren es laut Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung (MELUND) insgesamt im Jahr 2018. "Für das Umwelt- und Landwirtschaftsministerium steht im Vordergrund, die Zahl der Tierversuche weiter zu verringern", heißt es auf den Internetseiten des MELUND. In den vergangenen fünf Jahren sind die Zahlen tatsächlich leicht zurückgegangen. Das Ministerium geht allerdings nicht davon aus, dass es sich um einen Trend handelt, der sich fortsetzt. Explizit verweist das Ministerium auf die Spitzenforschung im Land, die nach wie vor Tiere für Versuche benötige. "Die Ansiedelung von entsprechenden Exzellenzclustern in Schleswig-Holstein führt jedoch auch dazu, dass die Anzahl der Tierversuche ansteigt beziehungsweise nicht sinkt", heißt es vom Ministerium.

Ministerium: "Keinen Einfluss auf Zahl der Tiere"

Laut Umweltministerium führen derzeit etwa 40 Betriebe und Einrichtungen im Land Tierversuche durch. Forscher testen an den Tieren zum Beispiel Medikamente oder neues Tierfutter. Sie nutzen die Tiere aber auch für die Erforschung von Lebensräumen wie dem Wattenmeer. Die Zahl der dabei eingesetzten Tiere schwankt von Jahr zu Jahr. 2017 wurden laut Ministerium noch etwa 85.000 Tiere eingesetzt, darunter waren mehr als 33.000 "andere Fische". Diese Gruppe machte 2018 nur noch knapp 5.500 Tiere aus. Eine Prognose ist nach Angaben des MELUND nicht möglich: "Die genehmigende Behörde hat keinen Einfluss auf die Zahl der durchgeführten Projekte und der dafür eingesetzten Tiere."

Unis nutzen Tiere für Grundlagenforschung

Insbesondere Mäuse waren bei Laborversuchen in den vergangenen Jahren gefragt. Für Forscher sind sie deshalb interessant, weil sie groß genug für Untersuchungen sind und gewisse Ähnlichkeiten mit dem Menschen aufweisen. An den Universitäten in Lübeck und Kiel werden sie hauptsächlich für die Grundlagenforschung eingesetzt - also zum Beispiel für die Erforschung von Krebs- oder Darmerkrankungen. Neben Mäusen kommen in Schleswig-Holstein hauptsächlich Ratten, Schweine und Fische bei Tierversuchen zum Einsatz.

Tierschutzbund fordert Abschaffung

Für den Landesvorsitzenden des Deutschen Tierschutzbundes, Holger Sauerzweig-Strey, sind diese Zahlen viel zu hoch. "Seit Jahren fordern wir die Abschaffung von Tierversuchen", so Sauerzweig-Strey. "Denn es gibt Alternativmethoden und im Endeffekt ist der Mensch der einzige Proband, an dem man ausprobieren kann, ob es funktioniert oder nicht funktioniert." Außerdem sei die Erfolgsquote aus Sicht der Pharmaindustrie viel zu niedrig. Denn letztendlich würden die Medikamente dann doch noch an Menschen getestet. Für den Landesvorsitzenden des Deutschen Tierschutzbundes steht fest: Das Land müsse sich beim Bund für einen Stopp aller Tierversuche einsetzen und endlich die bestehenden Alternativmethoden finanziell unterstützen.

Forscher wollen Tiere "effizienter" nutzen

Eine Forderung, die insbesondere in der Wissenschaft nicht viel Anklang findet. Professor Dr. Gerhard Schultheiß ist Tierschutzbeauftragter an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und berät Forscher bei der Wahl der Tierversuche. Gänzlich auf Tierversuche zu verzichten, ist aus seiner Sicht keine Option. In den vergangenen Jahren habe sich zudem Einiges getan. Zwar sei die Zahl der Versuchstiere nicht zurückgegangen, doch würden Tiere effizienter genutzt. Grund dafür sei auch, dass Versuche intelligenter geplant werden. Die schlechte Planung ist seiner Meinung nach auch der Grund für die vermeintlich schlechte Erfolgsquote. "Versuche wurden in der Vergangenheit falsch geplant und am falschen Tier durchgeführt", sagt Schultheiß.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 09.03.2020 | 08:00 Uhr

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