ein Landwirt steht im Fokus der Staatsanwaltschaft.

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Eiderstedter Landwirt

Stand: 11.11.2020 19:54 Uhr

Auf Facebook hatte Landwirt Jann-Henning Dircks aufgerufen, mit schwerem Gerät zu einem Schlachthof auszurücken, den Tierschützer besetzt hatten. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun gegen ihn.

Die Tonalität und Wortwahl im Video ist das, was die Staatsanwaltschaft anprangert. "Nehmt Vorschlaghammer, Akkuflex und Bolzenschneider mit. Und dann stehen wir zusammen und dann lassen wir uns das nicht gefallen und dann ist endlich mal gut in dieser Gesellschaft, in dieser Bananenrepublik", sagt der Norderfriedrichskooger Landwirt in dem Facebook-Beitrag und bezeichnet die Tierschutz-Demonstranten als "Pack". "Es besteht der Verdacht, dass der Beschuldigte mit dem Video zu Sachbeschädigungen und Nötigungen aufrufen wollte", teilte eine Sprecherin der Flensburger Staatsanwaltschaft mit.

Appell an die Polizei: "Macht Pause, wir regeln das"

Der Grund, warum Dircks das Video veröffentlicht hatte, war die Besetzung des Schlachthofs in Kellinghusen (Kreis Steinburg). Demonstranten hatten sich dort an den Toren festgekettet und blockierten die Zufahrten. Mehrere Stunden konnten Lkw mit Tieren nicht passieren. Als die Landwirte zur Gegendemo am Schlachthof ankamen, wandte sich Dircks - genauso wie im Video zuvor - mit einem Appell an die Polizei: "Macht Pause, wir regeln das."

Dircks zeigt Reue - teilweise

Einige Passagen in dem Video seien "unglücklich formuliert", sagte Dircks am Mittwochnachmittag im Gespräch mit NDR Schleswig-Holstein. "Das mit den Werkzeugen, die ich da erwähnt hab - da weiß jeder, der das schon mal benutzt hat, wofür das benutzt werden sollte", meint der Landwirt und will möglicherweise darauf hinaus, dass es zum Durchschneiden der Ketten der Demonstranten gedacht war. "Was mir heute Leid tut ist, dass ich 'Pack' gesagt hab - und damit all die Aktivisten quasi unter einen Hut gesteckt hab", gibt Dircks zu. "Das bereue ich ein bisschen. Ansonsten stehe ich dazu, was ich gesagt hab' - und ich hab' es auch so gemeint." Er wolle nun abwarten, was das Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft ergibt. Sein Amt als ehrenamtlicher Bürgermeister will er weiter ausüben - so lange, wie die Gemeinde ihn unterstützt. Der Kreis Nordfriesland prüft nach eigenen Angaben, ob gegen Dircks ein Disziplinarverfahren eingeleitet wird.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 11.11.2020 | 19:30 Uhr

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