Stand: 06.06.2020 06:00 Uhr  - Schleswig-Holstein Magazin

Norderoogsand: Wie eine Sandbank zur Insel wird

von Eike Köhler

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Sand, der Sylt durch Sturmfluten genommen wird, türmt sich unter anderem hier auf Norderoogsand auf.

Im Wattenmeer bestimmen die Gezeiten das Leben: Die Post wird nur bei Ebbe geliefert. Bei Sturmflut sitzen die Menschen tagelang auf der Hallig fest. Auch die Natur wird von den Gezeiten beeinflusst. Jedes Jahr ändern sich Struktur und Tiefe der Priele. An der Insel Sylt kommt es regelmäßig bei Sturmflut zu Landverlust. Sand, der sich an anderer Stelle auftürmt. Der Norderoogsand ist eine vorgelagerte Sandbank nordwestlich der Halbinsel Eiderstedt. Er dient als eine Art Wellenbrecher für die Halligen und wird an der Nordseite jedes Jahr etwas höher.

Ein Teil der Sandbank wird kaum mehr überspült

Seit 1999 wächst dort aus einzelnen Dünen ein beständiger Dünenbereich - so hoch, dass dieser Teil auch bei Flut kaum mehr überspült wird. Pflanzen und Tiere haben sich angesiedelt. Die Sandbank wird langsam zur Insel - auch wenn im vergangenen Winter wieder mehr Sand abgetragen wurde. "Letztes Jahr haben hier sogar Zwergseeschwalben gebrütet. Das war eine Besonderheit", sagt Andreas Hellmann. Er fährt im Sommer fast jeden Tag mit Touristen zum Sand, gemeinsam mit seinem Bruder Johann. Eine Familientradition der Pellwormer.

Nationalpark profitiert von Sondergenehmigung

Eine Wattwanderung haben schon viele gemacht, aber eine Sandwanderung im Wattenmeer - das geht nur mit den Gebrüdern Hellmann. Schon ihr Großvater ist mit Touristen zum Sand geschippert. Die Familie Hellmann besucht seit 1930 regelmäßig den Sand und dokumentiert die Veränderungen. Eine Sondergenehmigung erlaubt den Hellmanns den durch das Nationalparkgesetz eigentlich verbotenen Besuch des Sandes. Die Auflage: Sie müssen bei jeder Fahrt mit einer begrenzten Anzahl von Besuchern ihre Beobachtungen dokumentieren und ihre Erkenntnisse mit der Nationalpark-Verwaltung teilen.

Die Sandbank Norderoogsand im Wandel

Schleswig-Holstein Magazin -

Aus Naturschutzgründen dürfen nur wenige die Sandbank Norderoogsand nordwestlich von Eiderstedt betreten. Johann und Andreas Hellmann suchen dort regelmäßig Bernsteine und Strandgut.

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Insel-Anfänge locken Strandrettich und Kegelrobben an

Etwa 25 Kilometer vom Festland entfernt wurden dort draußen so schon über 80 verschiedene Gräser- und Pflanzenarten gezählt. Vor drei Jahren wurde der Strandrettich zum ersten Mal gesichtet, eine Pflanze, die bis dato nicht im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer vertreten war.

Auch die Kegelrobben interessieren sich immer mehr für den Norderoogsand. Ihr traditioneller Wurfplatz, der Jungnamensand vor Amrum, ist durch Wellen, Wind und Strömung für sie deutlich unattraktiver geworden. Vor drei Jahren wurden auf dem Norderoogsand Jungtiere dokumentiert.

Sand wandert pro Jahr bis zu 40 Meter Richtung Festland

Die noch sehr junge Heimat von Pflanzen und Tieren ist im stetigen Wandel. "Der Sand wandert jedes Jahr 30 bis 40 Meter Richtung Festland. Das ist der Hammer", sagt Andreas Hellmann. Ausschlaggebend für die Veränderungen sind die Winterstürme. "Der Sand war in den Wintermonaten 30 bis 40 Mal unter Wasser und hat sich derart geändert. Die ganzen kleinen Erhebungen hier im Süden wurden abgetragen - das ist nur noch eine platte Sandlandschaft", erklärt Andreas Hellmann. Deshalb hofft er auf einen Sommer ohne schwere Stürme, dann könnten auch im Süden des Landes wieder kleine Dünen entstehen.

Drei Erwachsene bei der Schatzsuche auf der Sandbank

Andreas Hellmann guckt über den rund neun Quadratkilometer großen Sand. Am Horizont macht er einen roten Punkt aus. Der Abenteurer in ihm kommt durch. Am liebsten ist Hellmann mit seiner Frau Elke und Bruder Johann zum Strandgutsammeln hier. "Alles, was so aus der Nordsee kommt, wird als Erstes auf Norderoogsand und Süderoogsand heraufgeschwemmt, weil die Sandbänke vorgelagert sind. Es gibt eigentlich nichts, was wir noch nicht gefunden haben", sagt Andreas Hellmann.

Der rote Punkt entpuppt sich als eine Handvoll Bojen. Anhand der Fischereinummer kann Andreas Hellmann später herausfinden, wer sie verloren hat. In diesem Fall kommen sie aus Großbritannien. "Das sind jetzt meine. Das lohnt sich nicht, die wieder zurückzugeben", sagt der Pellwormer. Stattdessen tauscht er sie lieber gegen frischen Fisch von einem Krabbenfischer.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 30.05.2020 | 19:30 Uhr

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