Ein Kammmolch auf einer Hand vor einem schilfbewachsenen Gewässer. © NDR Foto: Lisa Synowski

Mülldeponie als Lebensraum für seltene Tierarten

Stand: 25.08.2021 07:58 Uhr

Eine Mülldeponie in Tensfeld soll erweitert werden, um eine langfristige Entsorgungssicherheit für den Kreis Segeberg sicherzustellen. Das berührt auch den Tierschutz, denn auf der Deponie leben einige schützenswerte Arten.

von Lisa Synowski

Mit einer Fläche von über 16 Hektar ist die Mülldeponie zwischen Tensfeld und Damsdorf die größte im Kreis Segeberg. Fast 30 Jahre lang wurde hier Müll aus der Region abgelagert, vor allem in Form von mineralischen Abfällen wie Bauschutt und Schlacke. Doch damit ist seit März dieses Jahres Schluss. Denn die Deponie ist voll. So voll, dass der Wegezweckverband (WZV) alle weiteren Müllablagerungen gestoppt hat.

Deponie soll weiterbetrieben werden

Doch der WZV will die volle Deponie nicht dauerhaft schließen, sondern sie ausbauen und so weitere 10 bis 15 Jahre Betriebszeit sicherstellen. "Die Erschließung neuer Deponieflächen an einem anderen Ort wäre aufwendig und kostspielig", erklärt Deponieleiter Michael Labudda. Das Problem: Den Plänen muss das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) erst noch zustimmen - und von dort gibt es nur eine Genehmigung, wenn unter anderem Arten- und Naturschutzfragen ausreichend geprüft worden sind.

Schutz seltener Tierarten

Deswegen hat der WZV ein Gutachter-Team engagiert, das derzeit erhebt, welche Tierarten in den vergangenen Jahrzehnten auf der Deponie in Tensfeld heimisch geworden sind. Diplom-Biologin Maike Freund läuft seit Frühjahr mit Lebend-Fallen und Feldstecher über die Anlage und notiert ihre Beobachtungen. "Wir haben bereits jede Menge seltene Tierarten entdeckt. Zum Beispiel Kammmolche, Zauneidechsen, Ringelnattern und Kreuzkröten", zählt Freund auf. Sie alle fühlen sich auf dem Gelände mit viel Offenbereich, Totholz und kleinen Gewässer-Mulden wohl - und gelten nach EU-Recht als schützenswert.

Verhindern will sie den Ausbau aber nicht, sagt die Biologin, sondern stattdessen aufzeigen, wie er mit Arten- und Naturschutz in Einklang gebracht werden kann. Eine mögliche Lösung: Die schützenswerten Tierarten könnten auf eine bereits dauerhaft stillgelegte Mülldeponie in der Nähe umgesiedelt werden und ihren Lebensraum so behalten. Anfang kommenden Jahres soll das Gutachten fertig sein. So lange wird die Mülldeponie in jedem Fall noch stillstehen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | 25.08.2021 | 19:30 Uhr

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