Stand: 09.09.2019 05:00 Uhr  - Schleswig-Holstein Magazin

Pfleger: "Mir haben die Bewohner gefehlt"

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Martin Röder ist examinierter Altenpfleger im Seniorenhof Flintberg. Obwohl er hier weniger verdient als in anderen Heimen, bleibt er aus Überzeugung.

Der Alltag im Altenpflegeheim ist eine nicht endende Kette von Herausforderungen für die Pflegerinnen und Pfleger. Das zeigt die Dokumentation Team Endstation, die am Montagabend (9. September 2019) ab 23.15 Uhr im NDR Fernsehen läuft. Wirtschaftlich muss die kleine Einrichtung mit 27 Betten besonders scharf kalkulieren, viele andere Heime können ihren Pflegern mehr Lohn zahlen. Im Interview spricht der examinierte Altenpfleger Martin Röder darüber, warum er trotzdem im Seniorenhof Flintberg in Gammelby (Kreis Rendsburg-Eckernförde) arbeitet - und warum er nach seiner Kündigung wieder zurückkehrte.

Herr Röder, was macht Ihr Team aus?

Martin Röder: Ich glaube, letzten Endes hat jeder, der hier arbeitet, eine besondere Form von Bereitschaft. Es mosert keiner, wenn er mal länger bleiben muss - und in stressigen Situation bauen wir einander auf. Dadurch lassen wir uns nicht so leicht entmutigen. Denn nur im Team sind wir was. Das kann man alleine alles nicht.

Was wäre, wenn einer weggeht?

Röder: Wir würden denjenigen sehr vermissen. Wir sind sehr fest zusammengewachsen, es würde nicht nur der Kollege fehlen, sondern auch der Freund, das wäre schon traurig. Es müsste neues Personal gesucht werden, was ja nicht auf Bäumen wächst, vielleicht aus der Zeitarbeit. Die Kollegen müssten erst mal ihre freien Wochenenden opfern, sich abwechseln. Von daher hat man auch ein moralisches Bedenken: Wenn man jetzt gehen würde, dann sind die Kollegen mit der ganzen Arbeit allein.

Trotzdem haben Sie selbst schon einmal den Betrieb verlassen. Ende 2017 hatten Sie gekündigt und die Einrichtung gewechselt. War Ihnen klar, dass das Team dadurch in Schwierigkeiten kommt?

Röder: Das war mir bewusst. Ich hatte auch ein schlechtes Gewissen. Deswegen bin ich acht oder zehn Wochen vorher zur Chefin gegangen und habe sie darauf vorbereitet, damit sie auch die Stellenanzeige vorbereiten kann. Das habe ich gemacht, weil ich wusste: Wenn ich jetzt gehe, dann geht das erst mal zu Lasten der Kollegen. Und das war dann auch so.

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Warum sind Sie gegangen?

Röder: Ich wollte was Neues sehen. Man hat so das Gefühl gehabt: Das ist immer dasselbe. Ich war neugierig, wollte halt neue Bewohner, neue Abläufe kennenlernen. Und das Finanzielle: Was ich hier brutto kriege, habe ich bei dem anderen Arbeitgeber netto bekommen. Das ist schon ein Unterschied. Aber man merkt dann eben doch, dass Geld nicht alles ist, wenn der Rest nicht stimmt.

Warum sind Sie zurückgekommen?

Röder: Mir haben die Bewohner gefehlt, die Beziehung, die man zu ihnen hat. Wir haben hier einen ganz anderen Pflegeschlüssel, weil unsere Chefin und der Pflegedienstleiter auch in der Pflege aktiv mitwirken. Hier hat man einfach ruhigen Gewissens mehr Zeit für die Bewohner, für die Leute. Manchmal braucht man einfach nur ein Gespräch, anstatt einer Tablette.

Aber Sie verdienen jetzt auch wieder weniger Geld - oder?

Röder: Geld ist nicht alles. Ich werde ja noch ein paar Jahre vor mir haben, dann möchte man das einfach auch mit einem gewissen Stolz machen und Spaß daran haben. Da muss man abwägen: Möchte man jetzt eben halt viel Geld verdienen, dafür aber morgens nicht gern aufstehen? Oder macht man seine Tätigkeit gern, aber für weniger Geld? Das ist natürlich ein Zwiespalt.

Sie haben sich jetzt zusätzlich zu der Vollzeitstelle im Seniorenhof Flintberg noch einen Zweitjob gesucht, ebenfalls in der Pflege, um mehr Geld zu verdienen. Wie schaffen Sie das alles?

Röder: Da geht’s ums Wollen. Ich will das - und dann klappt das.

Das Interview führte Christian Schepsmeier, NDR Schleswig-Holstein

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 09.09.2019 | 19:30 Uhr

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