Stand: 22.02.2019 20:16 Uhr

Millionen bei der Elsflether Werft verschwunden

Der Wirtschaftskrimi um die Sanierung der Gorch-Fock und die zuständige Elsflether Werft geht weiter. Aus dem Insolvenzantrag der neuen Werfteigentümer geht hervor, dass die früheren Vorstände sich mit verschiedenen Firmengründungen selbst bereichert haben sollen. Es geht um Millionen, die der bankrotten Werft jetzt fehlen. Nun will der neue Vorstand herausfinden, wo das Geld geblieben ist.

Firmengeflecht von 25 Unternehmen

Die beiden früheren Vorstandsmitglieder der Werft sollen zusammen mit Angestellten und Lebenspartnern im eigenen Namen mehrere Gesellschaften gegründet haben, die eng mit der Werft zusammenarbeiteten. So geht es aus dem Insolvenzantrag hervor, der NDR Schleswig-Holstein vorliegt. Insgesamt geht es demnach um ein Firmengeflecht von 25 Unternehmen - von Zuliefererbetrieben über Werbeagenturen bis hin zu Reiseunternehmen.

Mehr als 20 Millionen in Firmengeflecht versickert

Laut den neuen Betreibern der Elsflether Werft sind durch Darlehen, Garantien und nicht berechnete Leistungen mehr als 20 Millionen Euro verloren gegangen. Das Geld sei über eine Verwaltungs-GmbH in den Firmen versickert, die ihren Sitz auf Zypern oder in der Mongolei haben. Wie genau das Geld wohin verschwunden ist, das will die Elsflether Werft jetzt klären. Nach Informationen des NDR Schleswig-Holstein hat sie dazu die Firmenanteile der ehemaligen Vorstandsmitglieder für einen symbolischen Euro gekauft.

Intensive Aufklärung erforderlich

Der Insolvenzantrag benennt noch mindestens einen weiteren heiklen Punkt. So habe die Werft bewusst überhöhte Preise an ihre Subunternehmer gezahlt. Womöglich zulasten des Staates, der die dadurch steigenden Sanierungskosten tragen muss. Und um selbst einen Anteil an den Aufschlägen zu bekommen. Am Freitag hat die Staatsanwaltschaft erneut auf dem Werftgelände ermittelt.

Was die Insolvenz für die Zukunft des Segelschulschiffs Gorch Fock bedeutet, ist noch nicht klar. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hatte zuletzt gesagt, sie hoffe mit neuen Vorstand der Werft konstruktiv zusammenarbeiten zu können. Erst einmal solle das Segelschulschiff wieder schwimmfähig gemacht werden.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 22.02.2019 | 19:30 Uhr

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