Stand: 20.08.2019 20:32 Uhr

Kieler Forscher machen Abgastest für Kühe

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Mit Hilfe der Schläuche wird die Atemluft der Rinder gesammelt und der Methangehalt gemessen.

20 Prozent der Treibhausgasemissionen in Schleswig-Holstein gehen auf das Konto der Landwirtschaft. Ganz vorne mit dabei: Kühe. Forscher der Universität Kiel wollen das jetzt ändern. In einer deutschlandweit einmaligen Feldstudie erproben sie die klimafreundliche Weidehaltung. "Der Verdauungsprozess der Kühe setzt das klimaschädliche Methan frei. Deshalb gelten Rindfleisch und Milchprodukte als sehr belastet, was den klimatischen Fingerabdruck angeht", sagt Ralf Loges von der Uni Kiel. Nach Angaben von Wissenschaftlern stößt eine Kuh jeden Tag bis zu 500 Liter Methan aus. Damit ist jedes Rind in etwa so klimaschädlich wie ein Kleinwagen, der im Jahr 18.000 Kilometer fährt.

Tests auf dem Versuchsgut Lindhof

Agrarwissenschaftler Ralf Loges und seine Kollegen wollen auf dem Versuchsgut Lindhof (Kreis Rendsburg-Eckernförde) testen, wie der Methanausstoß verringert werden kann. "Wir machen quasi einen echten Abgastest für Kühe unter realen Bedingungen", erklärt er. Der Versuchsaufbau ist tatsächlich relativ technisch. Die Kuh bekommt einen Gürtel um den Bauch. Daran sind unter anderem Schläuche und Flaschen befestigt. "Es gibt vorn zwei Durchflussregulatoren. Darüber werden Kleinstmengen der Luft in die Flasche transportiert - und so das Methan gesammelt", erklärt der Leiter des Feldversuches, Carsten Malisch.

Mehr Methan-Ausstoß durchs Rülpsen

Methan gehört zu den Treibhausgasen und erwärmt die Atmosphäre. Weil es in Schleswig-Holstein vergleichsweise viele Kühe auf wenig Landesfläche gibt, wird hier auch deutlich mehr Methan produziert als im Bundesdurchschnitt. Über das Wiederkäuen der Rinder gelangt das Gas in die Umwelt. "Die meisten Leute gehen davon aus, dass das meiste Methan über das Pupsen ausgegast wird. Aber in Wirklichkeit werden 96 Prozent über das Maul ausgestoßen - durch das Rülpsen", sagt Carsten Malisch.

Kräuter-Kost für die Rinder

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Agrarwissenschaftler Ralf Loges testet auf dem Gut Lindhof die Weide mit Kräutern.

Dort setzen die Wissenschaftler an, denn sie wollen die Methan-Produktion im Pansen bremsen. Dazu experimentiert das Team mit dem Futter. Die Rinder des Lindhofs bekommen eine Kost aus sieben verschiedenen Kräutern: Wiesenkümmel, Spitzwegerich, Wiesenknopf, Weißklee, Rotklee, gelben Hornschotenklee und die Zichorie. Weiterer Effekt dieser Kräuter: ihre Wurzelmasse bindet mehr CO2, sie sind widerstandsfähiger, benötigen kaum Dünger und sie liefern jede Menge Energie.

Das soll Landwirten die Weidehaltung wieder schmackhaft machen. "Denn wichtig ist immer noch, dass viel Milch ermolken werden kann", sagt Agrarwissenschaftler Ralf Loges und fügt an: "Es geht nicht darum, wie viel Klimagas pro Hektar ausgestoßen wird, sondern je Liter Milch". Ganz offenbar gibt der Feldversuch dem Forscherteam recht. Erste Ergebnisse zeigen: die Kräuterkost sorgt für 20 Prozent weniger Methan je Liter Milch.

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Nachrichten für Schleswig-Holstein | 20.08.2019 | 19:30 Uhr

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