Stand: 26.11.2019 13:25 Uhr  - NDR 1 Welle Nord

Insulin-Morde: Hilfspfleger rechnet mit langer Haft

Er sollte seine Patienten pflegen - stattdessen hat er aus Sicht der Staatsanwaltschaft mindestens sechs von ihnen getötet: Vor dem Landgericht München I hat am Dienstag der Prozess gegen einen polnischen Hilfspfleger wegen sechsfachen Mordes und dreifachen versuchten Mordes begonnen. Im Gespräch mit einem psychologischen Gutachter hat der Angeklagte "Gewissensbisse" eingeräumt. "Es tue ihm wirklich leid, dass er das getan habe", zitierte der Psychiater Matthias Hollweg vor dem Landgericht München I den Hilfspfleger. Der Angeklagte selbst wollte sich zum Prozessauftakt nicht zu den Vorwürfen äußern. Nach den Worten des Psychiaters stelle der Mann sich auf eine lebenslange Freiheitsstrafe ein.

Richterin: Auch vollendeter Mord komme infrage

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 38 Jahre alten Mann vor, er habe seinen pflegebedürftigen Patienten Insulin gespritzt, das als Überdosis tödlich sein kann. Die erste Tat soll der Mann im schleswig-holsteinischen Burg (Kreis Dithmarschen) begangen haben. Die Anklage geht von weiteren Tatorten in Hamburg, Hannover und in Bayern aus. Die Vorsitzende Richterin wies nach Verlesung der Anklage darauf hin, dass in einem angeklagten Fall des versuchten Mordes sogar ein vollendeter Mord infrage komme, weil ein Opfer zunächst gerettet werden konnte, einige Zeit später aber dennoch gestorben sei. Im Falle einer Verurteilung komme auch die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld sowie Sicherungsverwahrung für den Angeklagten infrage, sagte sie.

69 Einsatzorte in ganz Deutschland

Der Beschuldigte soll über das Medikament verfügt haben, weil er - im Gegensatz zu seinen Opfern - Diabetiker ist. Er wurde von verschiedenen polnischen und slowakischen Agenturen an mindestens 69 Familien in ganz Deutschland vermittelt, um dort Senioren zu pflegen. Die Anklage geht von Heimtücke, Habgier und niedrigen Beweggründen aus. Er soll Patienten unter anderem deshalb Insulin gespritzt haben, um diese loszuwerden und so seine Stelle wieder verlassen zu können. Zusätzlich wirft die Staatsanwaltschaft dem Angeklagten Raub und Diebstahl vor. Er soll beispielsweise Dinge wie Wein, Waschmittel, Toilettenpapier und Klobürsten gestohlen haben. Für den Prozess sind Verhandlungstage bis Mai kommenden Jahres angesetzt.

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NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 26.11.2019 | 12:00 Uhr

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