Stand: 28.06.2018 12:08 Uhr

Entsetzen über tote Rotmilane im Kreis Segeberg

Vogelschützer haben in einem Wald bei Daldorf (Kreis Segeberg) mehrere tote Rotmilane gefunden. Bei einem Routine-Besuch der Horste entdeckte die Naturschutzgemeinschaft Blunkerbach bereits Mitte vergangener Woche zwei tote Jungvögel, die im Gras vor einem Horst lagen. Ein drittes Tier starb auf dem Weg zum Tierhospital. Am Mittwoch war die Polizei wieder vor Ort. Denn die Tierschützer haben erneut einen toten Rotmilan - dieses Mal ein ausgewachsenes Tier - im Wald gefunden.

Anzeichen von Vergiftung bei toten Vögeln

Die toten Jungvögel würden im Leibniz-Institut in Berlin toxikologisch untersucht, da Fachleute Anzeichen einer Vergiftung festgestellt hätten, so Mathias Krause von der Naturschutzgemeinschaft in einem Interview mit NDR 1 Welle Nord-Nachmittagsmoderator Pascal Hillgruber. In einem weiteren Horst in der Gegend seien außerdem Elterntiere samt Brut spurlos verschwunden. "Wir sind entsetzt und schockiert", so Krause.

Windkraftstreit als Hintergrund?

Anwohner schließen nicht aus, dass es einen Zusammenhang mit geplanten Windkraftanlagen in der Region gibt. Da der Rotmilan zu den Vögeln gehört, die durch Windräder besonders gefährdet sind, gibt es in Deutschland eine Empfehlung, einen Schutzradius von mindestens eineinhalb Kilometern um den Horst einzuhalten. Die Polizei bestätigt den Verdacht nicht und sagt, man warte nun auf die Ergebnisse aus dem Leibniz-Institut.

Windverband verurteilt Angriffe auf Tiere

Der Bundesverband Windenergie teilte dazu mit, man verurteile jegliche Angriffe auf geschützte Tiere und Zerstörungen von Greifvogelnester. Gleichzeitig stockte der Verband die Belohnung für Hinweise auf den oder die Täter auf, von 1.000 auf 2.000 Euro. Außerdem erklärte der Verband, dass bei der Genehmigung und beim Bau von Windparks strenge Artenschutzvorgaben herrschen, die bei jedem Projekt zwingend eingehalten werden müssen. "Auch wenn ein Vogelhorst ungenutzt oder beschädigt ist, behält der Horststandort seine funktionale Bedeutung. Eine bewusste Vertreibung der geschützten Tiere oder eine mutwillige Zerstörung ihrer Nester führt nicht dazu, dass geplante Windparkprojekte genehmigt werden", sagte Jana Lüth vom Bundesverband Windenergie.

Ein Rotmilan-Jungvogel hat überlebt

Ein junger Rotmilan hat überlebt, ein Baumkletterer hat es am vergangenen Sonntag aus dem Nest gerettet, vor dem seine toten Geschwister lagen. Der Jungvogel wird nun im Wildpark Eekholt aufgepäppelt. Laut Tierpflegern ist er sehr schwach und schlecht ernährt, hat aber eine Chance, zu überleben.

Rotmilan-Familie vergiftet: Nur ein Jungvogel überlebt

Vorsicht vor Giftködern?

Die Naturschutzgemeinschaft Blunkerbach bittet um Hinweise an die Segeberger Polizei, falls jemand zwischen dem 18. und 20. Juni im Bereich Daldorf, Alt Erfrade, Pettluis, Brandsmühle und Blunkerbach-Niederung auffällige Beobachtungen gemacht hat. Die Tierschützer weisen weiter daraufhin, dass - wenn es sich um Giftköder handeln sollte - auch Hunde- und Katzenhalter in dem Gebiet aufmerksam bleiben sollten.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Der Nachmittag | 26.06.2018 | 15:10 Uhr

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