Doppelmord in Rendsburg: Angeklagter schweigt zum Auftakt

Stand: 04.08.2021 12:24 Uhr

Innerhalb weniger Wochen wurden im vergangenen Herbst zwei Frauenleichen in Rendsburg gefunden. Ein Tatverdächtiger sitzt seit acht Monaten in Untersuchungshaft - am Mittwoch hat der Prozess gegen ihn begonnen.

Mit gesenktem Kopf und regungslos hörte der 41-Jährige der Staatsanwältin zu, als sie die Anklage verlas. Ihm wird vorgeworfen, im August 2018 eine 26-Jährige und im September 2020 eine 40-Jährige getötet zu haben. Die Staatsanwaltschaft geht auch davon aus, dass der Mann aus Habgier gehandelt haben soll. Er hatte nach seinen beiden Taten jeweils die EC-Karten der Opfer genommen.

Das Gericht hat zum Prozessauftakt zuerst den Ex-Partner und Bekannten der 40-Jährigen befragt, die im September tot in der Rendsburger Wohnung gefunden wurde. Sie erzählten davon, wie die Frau gefesselt und mit einer Plastiktüte über den Kopf im Schlafzimmer der Wohnung lag. Vorher hatten sie tagelang vergeblich versucht, die 40-Jährige zu erreichen.

Große Suchaktionen in Rendsburg

Durch den Fund im September 2020 kamen die Ermittlungen der Polizei ins Rollen. Die Frau, das war nach der Obduktion schnell klar, wurde umgebracht. Die Kripo machte sich nun auf die Suche nach dem Handy der 40-Jährigen - sie hoffte so auf Hinweise, welche Kontakte die Frau zuletzt hatte. Taucher suchten in Gewässern in der Nähe des Tatorts, auch ein Friedhof wurde durchkämmt. Das Handy blieb verschwunden, aber die Ermittler kamen auf eine andere heiße Spur. Vier Wochen nach dem gewaltsamen Tod der Frau konnte die Kripo den Verdächtigen festnehmen. Laut Kripo stimmte seine DNS mit Proben vom Tatort überein.

Nach der Festnahme finden die Beamten eine zweite Frauenleiche

Der Verdächtige, davon ist die Staatsanwaltschaft überzeugt, war der letzte Freier der getöteten Rendsburgerin, die als Prostituierte gearbeitet hatte. Nach seiner Verhaftung durchsuchten Beamte seine Wohnung und machten auf dem Dachboden einen schrecklichen Fund. Sie entdeckten eine weitere Frauenleiche, stark verwest und laut Staatsanwaltschaft schon skelettiert. Schnell wurde klar: Es handelt sich bei der Leiche um eine 26 Jahre alte Frau aus Geesthacht, die schon seit August 2018 vermisst wurde. Die Obduktion ergab, dass auch sie getötet wurde, wahrscheinlich schon kurz nach ihrem Verschwinden, und zwar ähnlich wie die Rendsburgerin - beide Frauen wurden mit einer Plastiktüte erstickt.

Schon 2018 führt eine Spur der Ermittler zum Tatverdächtigen

Mehrere Polizeibeamte tragen eine Kiste aus einer Kleingarten-Parzelle. © dpa-Bildfunk Foto: Axel Heimken
Die Polizeibeamten sicherten Material aus der Kleingarten-Parzelle des Tatverdächtigen. Spürhunde schlugen aber nicht an.

Nach Angaben der Polizei gab es während der Ermittlungen in dem Geesthachter Vermisstenfall schon einmal eine Spur zu dem Rendsburger, der nun in U-Haft sitzt: Ein kostenpflichtiger Internet-Account, der auf seinen Namen lief, wurde vom Konto der Frau bezahlt. Der Mann stand deshalb unter Betrugsverdacht. Bei einer Hausdurchsuchung kam nach Angaben der Ermittler aber nichts Verwertbares heraus - vermutlich lag allerdings damals schon die Leiche der Vermissten auf dem Dachboden. Dann - gut zwei Jahre später - fanden die Beamten nicht nur die Leiche, sondern auch persönliche Gegenstände der Frau aus Geesthacht im Haus des Tatverdächtigen. Die Generalstaatsanwaltschaft wurde damals wegen der Ermittlungspanne eingeschaltet, um zu prüfen, ob es Anhaltspunkte für eine Straftat gibt. Das war laut Generalstaatsanwaltschaft nicht der Fall. Die Polizei selbst hatte das damals veranlasst. Das Landespolizeiamt hatte zuvor eingeräumt, dass bei früheren Ermittlungen nicht allen Spuren konsequent genug nachgegangen wurde.

Die Polizei befürchtet nach dem zweiten Leichenfund das Schlimmste

Nach dem zweiten Leichenfund waren die Ermittler in Sorge, dass der Verdächtige noch mehr Taten begangen haben könnte, dass es vielleicht noch mehr tote Frauen gibt. Sie durchsuchten im November 2020 eine Kleingartenparzelle, die oft von dem Verdächtigen genutzt wurde. Einen ganzen Tag lang bohrte eine Hundertschaft aus Eutin Löcher, damit Spürhunde erschnüffeln können, ob Beweismittel oder gar weitere Leichen vergraben wurden - die Hunde schlugen aber nicht an.

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Nachrichten für Schleswig-Holstein | 04.08.2021 | 12:00 Uhr

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