Stand: 19.09.2017 14:05 Uhr

Großartige Funde in Haithabu

Sie machten sich auf die Spurensuche im Gräberfeld und das mit Erfolg: Rund 3.000 Fundstücke haben Archäologen in den vergangenen sechs Monaten bei Ausgrabungen in der ehemaligen Wikingerstätte Haithabu bei Schleswig entdeckt. Der leitende Direktor der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen, Claus von Carnap-Bornheim, zog am Dienstag eine positive Bilanz. Er wisse, dass Haithabu quasi "archäologisch kontaminiert" sei und es keine Stelle gebe, an der nichts gefunden werde. Aber dass die Funde so großartig sein würden, habe er nicht erwartet.

Was hat man bisher in Haithabu gefunden?

Wertvollen Goldschmuck gefunden

Einen spektakulären Fund machten die Wissenschaftler im Mai: In einem Frauengrab aus dem 10. Jahrhundert entdeckten sie zwei Goldanhänger und vier Goldperlen eines filigranen Colliers, aber auch viele Sargnägel und Knochenreste. Claus von Carnap-Bornheim sagte: "Dieses Grab gehört zu den wichtigsten drei Prozent, die es in der Wikingerwelt gibt." Mittlerweile sind eine reich verzierte Gewandnadel, Broschen, eine Kleinstperle und gewebtes Gold hinzugekommen.

Forscher führen Arbeit von vor über 80 Jahren fort

Die Ausgrabungsfläche beträgt etwa zwölf Mal zwölf Meter und ist zumeist 80 Zentimeter tief. Mit den jüngsten Ausgrabungen nahmen die Forscher wieder Arbeiten auf, die ein finnischer Archäologe 1939 nach Beginn des Zweiten Weltkriegs zwangsweise beenden musste. Dabei ging es nicht nur darum, die angefangenen Arbeiten abzuschließen, sondern auch darum, herauszufinden, was für Menschen in Haithabu bestattet worden sind, erläutert Grabungsleiter Sven Kalmring. Haithabu sei der Grenzhandelsplatz zwischen Dänen, Sachsen, Friesen und Westslawen gewesen - mit Handelskontakten von Island bis in die arabische Welt.

Ausgrabungsarbeiten hautnah erleben

Haithabu-Besucher können den Archäologen und Grabungshelfern bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen. Rund 80.000 Menschen nutzten diese Gelegenheit in den vergangenen sechs Monaten. In knapp zwei Wochen wird die Ausgrabung beendet sein. Anschließend müssen die Funde katalogisiert und ausgewertet werden.

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Schleswig-Holstein Magazin | 19.09.2017 | 19:30 Uhr

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