Stand: 22.01.2019 20:17 Uhr

Antrag gestellt: Wolf in SH vorm Abschuss

Im Kreis Pinneberg hat es seit Ende 2018 mehrere Risse hinter Herdenschutzzäunen gegeben. Nun steht fest, dass mindestens sechs von einem Wolf verursacht wurden. "Es hat sich bestätigt, was wir ohnehin vermutet haben", sagte Umwelt-Staatssekretärin Anke Erdmann (Grüne) am Dienstag. Die Wahrscheinlichkeit, dass es dasselbe Tier ist, sei laut Ministerium sehr groß. Ein Antrag auf Abschuss wurde bereits gestellt. "Wir gehen davon aus, dass wir den Antrag genehmigen können, derzeit prüfen wir letzte Fragen", sagte Erdmann.

Schutzzäune sollen Wölfe abschrecken

Das Land hatte die Elektro-Zäune als Schutzmaßnahme empfohlen und zum Teil auch bereitgestellt. Sie gelten nach Angaben des Ministeriums als sicherste Präventionsmaßnahme, böten aber keinen hundertprozentigen Schutz. Wölfe würden in der Regel zunächst versuchen, unter dem Zaun durch zu kommen. Ein Stromschlag soll sie abschrecken. Wenn ein Wolf mehrfach solche Zäune überwindet und Nutztiere reißt, gilt sein Verhalten als "problematisch". Obwohl die Art streng geschützt ist, können Problemwölfe unter bestimmten Umständen abgeschossen werden. "Prävention geht vor Abschuss", hatte Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) in der vergangenen Woche gesagt. "Man kann aber nicht verlangen, dass alles in Bewegung gesetzt wird. Es geht nur das, was auch leistbar ist."

Rüde mit der Code-Nummer GW924m in Südholstein aktiv

Nach jedem Vorfall lässt das Land DNA-Proben im Labor untersuchen. Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass für die meisten Risse in der Region immer derselbe Wolf verantwortlich ist. Es handelt sich um das Tier mit dem Kürzel GW924m. DNA von einem anderen Wolf konnten die Genetiker laut Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung (MELUND) in den vergangenen Monaten dort nicht entschlüsseln. Der Wolf mit der Nummer GW924m ist seit dem Sommer in der Region zwischen A7, A23 und B206 unterwegs.

Wolf GW924m unterwegs in Südholstein

Suche nach geeigneten Jägern läuft

Das Umweltministerium stimmt sich mit der Landesjägerschaft bei der Suche nach geeigneten Jägern ab. "Die Landesjägerschaft hat uns zugesagt bis Ende dieser Woche eine Rückmeldung zu geben, ob sie geeignete Jäger benennen kann", meinte Umwelt-Staatssekretärin Erdmann. Umweltminister Albrecht hatte in der vergangenen Woche gesagt, der Abschuss eines Problemwolfs solle im Sinne des Artenschutzes verhindern, dass "bestimmte Verhaltenspraktiken" Einzug in die Population halten. Eine Genehmigung würde räumlich und zeitlich befristet. Das Umweltministerium rechnet mit Klagen gegen den Abschuss eines Wolfs im Norden.

Welcher Wolf ist der "Problemwolf"?

Sollte der Wolf tatsächlich zum Abschuss freigegeben werden, wäre die Identifikation ein Problem. Jäger wüssten nicht, ob ihnen tatsächlich der Wolf GW924m vor die Flinte läuft oder ein anderes Tier. In der Theorie müsste das Tier also gefangen werden, ein weiterer DNA-Test müsste seine Identität zweifelsfrei klären. Da dieses Verfahren in der Praxis nicht umsetzbar ist, hat sich eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe auf ein alternatives Vorgehen verständigt: Demnach könnte das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) den zeitlich und örtlich begrenzten Abschuss von Wölfen - auch ohne DNA-Test - genehmigen. "Wir wollen keine 'unschuldigen' Wölfe erlegen", sagte Umweltminister Albrecht. "Wir wissen im Grunde genommen aber, dass in dem abgesteckten Bereich nur dieser eine Wolf ist." Deutlich schwieriger wäre die Lage nach seinen Angaben, wenn dort ein Rudel leben würde. Dem beauftragten Schützen drohten nach Angaben des Ministeriums keine rechtlichen Konsequenzen. "Das Entnahmeverfahren wird als rechtssicher angesehen", sagte Artenschutzreferent Thomas Gall aus dem MELUND. "Wenn der Jäger tatsächlich einen anderen Wolf schießen sollte, aber nach allen Regeln korrekt gehandelt hat, genießt er Vertrauensschutz."

So funktioniert die Karte

Die Wölfe bekommen zur Identifizierung eine Code-Nummer. Die Legende zeigt die Nummern der sieben Wölfe, die in den vergangenen zwei Jahren in Schleswig-Holstein eindeutig nachgewiesen werden konnten. Jeder Punkt auf der Karte steht für einen Nachweis. Wenn Sie mit der Maus oder dem Finger den Punkt berühren, erhalten Sie weitere Informationen zu Ort, Datum und Art des Nachweises.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 22.01.2019 | 18:00 Uhr

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