Vorreiter: Osnabrück stellt alle Grundschulen auf Ganztag um

Stand: 28.06.2023 10:07 Uhr

In Deutschland wird 2026 schrittweise der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in Grundschulen eingeführt. Während andere Kommunen verzweifeln, will Osnabrück schon im kommenden Jahr so weit sein.

von Andreas Gervelmeyer

Am Dienstagabend stimmte der Stadtrat einstimmig dafür, dass ab dem Schuljahr 2024/25 alle Grundschulen in Osnabrück zu Ganztagsschulen ausgebaut werden sollen. Oberbürgermeisterin Katharina Pötter (CDU) ist selbst dreifache Mutter - und freut sich persönlich über diesen Vorstoß. Sie glaubt, einen "relativ guten, qualitätsvollen, schnellen Weg der Umsetzung gefunden" zu haben - "den ich bisher noch bei keiner anderen Kommune wahrgenommen habe".

Zehn Grundschulen müssen noch umgebaut werden

Die gemeinsam mit Schuldezernent Wolfgang Beckermann (parteilos) erarbeitete Beschlussvorlage sieht vor, die restlichen zehn von insgesamt 25 Grundschulen in Osnabrück schnell zu Ganztagsschulen umzubauen. Und zwar schon zwei Jahre früher als der Bund das vorschreibt. Der will ab 2026 schrittweise die Ganztagsförderung einführen - zunächst für die erste Klasse, ein Jahr danach für die zweite Stufe - bis 2029 alle Grundschulkinder Anspruch darauf haben.

Umstellung soll acht Millionen Euro kosten

Die Gesamtkosten für die Komplettbetreuung in Osnabrück liegen bei acht Millionen Euro. Darin sind gut eineinhalb Millionen Euro für die beschleunigte Variante enthalten. Schnellstmöglich sollen Übergangslösungen geschaffen werden. Das funktioniert zum Beispiel durch mobile Räume, also Container für das benötigte Mehr an Platz. Die Stadt Osnabrück profitiert aber auch von dem breit aufgestellten Hort-Angebot. Die extra nutzbare Nachmittagsbetreuung ist in manchen Grundschulen schon vorhanden, Räumlichkeiten und Mitarbeitende ebenfalls. Rund die Hälfte der städtischen Grundschulen muss noch umgestellt werden. Bei den zehn Einrichtungen fehlen unter anderem Mensen und zusätzliche Räume.

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Stühle stehen nach Schulschluss auf den Tischen in einem Unterrichtsraum der Christophorus-Grundschule. © picture alliance/dpa Foto: Hauke-Christian Dittrich

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Qualität soll in Osnabrück nicht leiden

Andere Städte und Kommunen halten sogar das Schuljahr 2026/2027 als Zielvorgabe für unrealistisch. Zu hohe Kosten für die Anpassungen der Grundschulen, Personalmangel und vor allem zu wenig Zeit sind die Argumente gegen eine schnelle Umsetzung. In Osnabrück sieht das ganz anders aus. Ob durch das Tempo der Betreuungsanpassung die Qualität der Angebote leidet, verneint die Oberbürgermeisterin klar. "Da habe ich überhaupt keine Sorge, dass die Schnelligkeit auf Kosten der Qualität geht", sagt Pötter. "In baulicher Hinsicht mag das so sein. Aber da muss man eben auch ehrlich sein. Was will man in erster Linie? Eine Möglichkeit, dass es ein gutes Mittagessen gibt? Oder ist es wichtiger, dass das in einem perfekten Ausbau-Zustand passiert?"

Mit Unterstützung von Horten und Vereinen soll Betreuung bis 15.30 Uhr klappen

Die Stadt gibt auch mehr Geld aus für ein Mehr-Angebot. Kommunale Mittel werden investiert, damit eine hochwertige Ganztag-Koordination zur Verfügung gestellt wird. Durch das Vernetzen mit den Hort-Einrichtungen, Sport- und Musikvereinen soll ein breites Angebot für die Betreuung bis 15.30 Uhr geschaffen werden.

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Tafel in einem Klassenzimmer. © picture alliance / ZB Foto: Patrick Pleul

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 28.06.2023 | 07:30 Uhr

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